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Talk on the Gyoji chapter of Dogen’s Shobogenzo (Japanisch & Englisch), 24. Mai 2019

Calmly imagine the ceaseless practice that was happening on Mount Isan long ago. What I mean by ‘imagine’ means thinking about how it would be for us today if we were residing on Mount Isan. The sound of the rain deep in the night was probably not just of water washing over the moss, for the rain would certainly have had the strength to bore through boulders. On the snowy nights in the dead of winter, the birds and beasts must have been scarce indeed, and how much less would there have been smoke from man-made fires to acknowledge human existence! It was a way of living that could not have been tolerated, were it not for the Master’s ceaseless practice in which he made light of his life whilst stressing the Dharma. He was in no hurry to cut down the undergrowth, nor did he engage in cutting down trees to clear the land for building. He just continued his ceaseless practice and simply did his utmost to practice the Way. What a pity that an
authentic Ancestor who had Transmitted, and kept to, the True Dharma came to undergo such hardships in such precipitous mountains! It is said that Mount Isan had many ponds and running water, so there must have been thick ice and dense banks of fog. Most people could not have tolerated such a secluded life,
nevertheless Isan transformed it into the Buddha’s Way and explored Its innermost purpose. Today, we are able to learn of his expressions of the Way and Its purpose because of the ceaseless practice that he did. Even though we may not be listening with a casual attitude, we still need […]

Um die Halle herum, 23. Mai 2019

Hitoshi Nagai: Penetre und ich (3-9 Die Welt wird von einem Vertrag zusammengehalten (2)) & Zazen in Osaka, 19. Mai 2019

Hitoshi Nagai:
Penetre und ich

3-9 Die Welt wird von einem Vertrag zusammengehalten (2)

Penetre: Erinnerst du dich an unser Gespräch über den Gesellschaftsvertrag (siehe 1-6)? Weil man im natürlichen Zustand ständig Angst um sein Leben haben muss, versprachen sich die Menschen gegenseitig, sich an Gesetze und eine gemeinsame Moralvorstellung zu halten. Die Frage ist nur: Wer garantiert denn, dass dieses Versprechen auch eingehalten wird? Es hat ja niemand versprochen, sich an das Versprechen zu halten.
Ich: Ja, ich erinnere mich. Ich zweifele auch daran, dass es möglich ist, sich auf einen letztgültigen Gesellschaftsvertrag zu einigen.
Penetre: Da irrst du dich! Wahrscheinlich stellst du dir vor, dass der Gesellschaftsvertrag von Menschen abgeschlossen wurde, die so wie du und ich – wobei ich natürlich eine Katze bin – darüber diskutiert und sich dann geeinigt haben. Aber das ist ein Missverständnis. In Wirklichkeit ist es umgekehrt: Nur deshalb, weil der Gesellschaftsvertrag abgeschlossen wurde, gibt es heute Menschen wie dich und mich – wobei ich natürlich eine Katze bin! Unser heutiges Welt- und Menschenbild – das, was man den gesunden Menschenverstand nennt – gäbe es ohne den Gesellschaftsvertrag nicht. Die Welt, in der wir leben, ist ein Resultat des Gesellschaftsvertrags: Das ist die eigentliche Bedeutung der Theorie vom Gesellschaftsvertrag. Deshalb macht es gar keinen Sinn, nach einer Garantie des Vertrages zu fragen. Nur weil der Vertrag – aus welchem Grund auch immer – gehalten wurde, können wir heute als sein Resultat über ihn nachdenken und zweifeln.
Der Gesellschaftsvertrag ist also so etwas wie die Erde, auf der wir uns immer schon befinden, bevor wir sie für rund erklären oder über ihre Anziehungskraft reden können. Und die Versprechen, die wir im Alltag abgeben, kann man mit der […]

Hitoshi Nagai: Penetre und ich (3-7&8 Hat Newton die Anziehungskraft wirklich entdeckt, als er einen Apfel vom Baum fallen sah? Die Erde ist nicht rund!), 7. Mai 2019

Hitoshi Nagai:
Penetre und ich

3-7 Hat Newton die Anziehungskraft wirklich entdeckt, als er einen Apfel vom Baum fallen sah?

Ich: Mir kommt es seltsam vor, dass Newton die Anziehungskraft entdeckt haben soll, als er einen Apfel vom Baum fallen sah.
Penetre: Warum?
Ich: Ich verstehe es, wenn ein Wissenschaftler mit seinem Teleskop einen neuen Himmelskörper beobachtet oder unter dem Mikroskop ein neues Bakterium entdeckt. Denn dann erkennt er ja etwas Neues, dass es bis dahin so noch nicht gab. Aber was ist alltäglicher, als ein Apfel, der vom Baum fällt. Unzählige Menschen werden das vor Newton beobachtet haben. Wie kann man eine Entdeckung machen, wenn gar nichts Neues passiert?
Penetre: Da hast du recht. Wenn es eine Entdeckung wäre wie „faule Äpfel fallen früher vom Baum als gesunde“, dann könnte man darauf auch durch gute Beobachtung kommen. Aber darauf, dass sich alle Dinge, die über eine Masse verfügen, gegenseitig anziehen, darauf wird man beim Betrachten eines Apfels, der vom Baum fällt, nicht kommen. Newton hat ja eigentlich auch nichts entdeckt. Er hat die Dinge nur aus einem neuen Blickwinkel betrachtet. Er hat nichts Neues gesehen, er hat auf eine neue Weise gesehen. Das heißt, er hat über die Dinge nachgedacht. Er hat einen ganz neuen Standpunkt erfunden, durch den sich die Dinge erklären lassen: die Anziehungskraft.
Ich: Er hat sie erfunden? Aber das kann doch nicht heißen, dass es vor Newton keine Anziehungskraft gegeben hat!
Penetre: Den Standpunkt, dass es die Anziehungskraft zwischen allen Dingen gibt, gab es bis dahin nicht. Die Anziehungskraft selbst gab es natürlich schon immer. Oder besser: Newton erfand den Standpunkt, von dem aus gesehen alle Dinge von Anfang an durch die Anziehungskraft zusammengehalten wurden.

3-8 Die Erde ist nicht rund!

Ich: […]

Gang um die Halle & Reispflanzen während des Retreats, 2. & 5. Mai 2019

Muho hät einen Vortrag über Dogens Gyoji-Kapitel & Gang um die Halle, 27. & 30. April 2019

The venerable monk Chōkei Eryō was a revered senior monk training under Seppō. For twenty-nine years he went back and forth between Seppō and Shibi, exploring the Matter through his training with both of them. During those months and years he wore out twenty sitting mats. There are people today who love doing seated meditation and, citing Chōkei, they take this beloved ancient one as their model. Those who idolize him are many; those who equal him are few. At the same time, his efforts for thirty years were not in vain. There was a time when he was rolling up a bamboo blind in the doorway of the Meditation Hall and suddenly had a great awakening. During those thirty years, he never returned to his home country, or visited his relatives, or chatted with those sitting on either side of him; he just put his efforts into the Principle Matter. The ceaseless practice of this Master went on for thirty years. For thirty years he treated his doubts and misgivings as doubts and misgivings: we should speak of him as someone of keen wit who did not ignore anything, as someone with great potential for realizing the Truth. Reports of such firmness in resolve are sometimes met with when studying the Scriptures. When we desire what we should desire and feel shame about what we should feel shame about, then we may encounter Chōkei. To speak the truth, it is only due to a lack of heart for the Way and a lack of skill in handling their daily conduct that people become vainly tied to fame and gain.
(https://www.thezensite.com/ZenTeachings/Dogen_Teachings/Shobogenzo/029gyoji.pdf)

Gudo Nishijima’s translation can be found here (scroll down […]

Hitoshi Nagai: Penetre und ich (3-6 Der Wal ist ein Fisch!), 24. April 2019

Hitoshi Nagai:
Penetre und ich

3-6 Der Wal ist ein Fisch!

Penetre: Hat dir schon jemand erzählt, dass die Wale in Wirklichkeit keine Fische, sondern Säugetiere sind?
Ich: Natürlich weiß ich das! Deshalb atmen sie auch nicht wie die Fische mit Kiemen, sondern mit der Lunge. Und sie legen auch keine Eier, sondern bringen Wal-Babys zur Welt, die die Walmutter unter Wasser mit ihrer Muttermilch ernährt. Die Wale sehen zwar so aus wie Fische, aber in Wirklichkeit gehören sie zu den Säugetieren!
Penetre: Ist es in Wirklichkeit nicht umgekehrt?
Ich: Umgekehrt? Was willst du denn damit wieder sagen?
Penetre: Könnte man nicht genauso gut behaupten, dass die Wale zwar in einigen Punkten den Säugetieren verblüffend ähnlich sind, aber im Wesentlichen – wie man ja schon an ihrem Aussehen und der Lebensform erkennt – doch Fische sind?
Ich: Wie kommst du denn darauf, dass das Aussehen und die Lebensform das Wesentliche sind?
Penetre: Und wie kommst du darauf, dass der Unterschied von Kiemen- und Lungenatmung wesentlicher ist?
Ich: Wenn es wirklich nur auf das Aussehen ankäme, dann könnte man ja auch behaupten, dass ein falscher Diamant sich nicht von einem echten unterscheidet!
Penetre: Stimmt das denn nicht? Bei einem Edelstein kommt es doch besonders darauf an, dass er gut aussieht. Selbst wenn sich ein falscher Diamant in der chemischen Struktur von einem echten unterscheiden mag – wenn er genauso aussieht wie ein echter Diamant, warum sollte man ihn nicht echt nennen?
Ich: Ich glaube, jetzt spinnst du wirklich!
Penetre: Das glaubst du aber nur, weil dir von der Wissenschaft das Hirn gewaschen wurde. Oder, besser gesagt, von dem Weltbild, das auch den Wissenschaften zugrunde liegt. Ein Weltbild, das uns glauben macht, dass das Wesen der Dinge nicht ihr Aussehen ist, sondern […]

Hitoshi Nagai: Penetre und ich (3-3/4/5 Kann man Dinge sehen, weil sie existieren? Oder existieren sie, weil man sie sehen kann?), 20. April 2019

Hitoshi Nagai:
Penetre und ich

3-3 Kann man Dinge sehen, weil sie existieren? Oder existieren sie, weil man sie sehen kann?

Penetre: Glaubst, dass man etwas sehen und anfassen kann, weil es existiert? Oder glaubst, dass etwas existiert, weil du es sehen und anfassen kannst?
Ich: Natürlich müssen die Dinge erst einmal existieren, damit ich sie sehen und anfassen kann!
Penetre: Warum bist du dir da so sicher? Dass du die Dinge sehen und anfassen kannst, weil sie existieren, kannst du doch nur behaupten, weil du sie sehen und anfassen kannst. Wenn du etwas nicht sehen oder anfassen kannst, dann weißt du auch nicht, ob es existiert.
Ich: Gut, vielleicht weiß ich dann nicht, ob das Ding existiert. Aber die Existenz des Dinges ist doch unabhängig davon, ob ich es erkenne oder nicht.
Penetre: Wie kannst du denn behaupten, es gäbe eine vom Erkennen unabhängige Existenz? Um das zu behaupten, musst du doch erstmal etwas erkannt haben. Muss man etwas nicht erst einmal gesehen und erkannt haben, bevor man sagen kann, dass es existiert?
Ich: Willst du damit sagen, dass Dinge nur existieren, wenn man sie auch sehen und anfassen kann? Das ist doch seltsam! Die Dinge existieren doch unabhängig davon, ob man sie gerade sieht oder nicht.
Penetre: Natürlich, du hast da nicht ganz unrecht. Die Antwort ist deshalb weder, dass die Dinge existieren, weil man sie sehen kann, noch dass man sie sehen kann, weil sie existieren. In Wahrheit muss man sie sehen, um zu erkennen, dass sie existieren müssen, damit man sie sehen kann.
Ich: ???

3-4 Ist einer der weint, eine Heulsuse? Oder weint er, weil er eine Heulsuse ist?

Penetre: Du kennst bestimmt auch Kinder, die man „Heulsusen“ nennt, nicht wahr? Sind das Heulsusen, weil […]

Antaijis Kirschblüten, der Weg vom Gewächshaus zum Schrein des Klostergründers und Holzsägen und Hacken für Boiler und Küche, 17. & 18. April 2019

Wenn es kein Ich gibt, was wird wiedergeboren? 15. April 2019

Frage: Was mir nicht klar ist, ist in wiefern die buddhistische Auffassung von einem Geist, der den Tod überlebt, sich von einer universellen Seele (wie im Fall vom hinduistischen Atman) unterscheidet. Um eine ganz banale Metapher zu machen, kann man vielleicht an die buddhistische Auffassung vom Geist denken, das heißt an eine Fähigkeit aufmerksam, achtsam und bewusst zu sein, so wie man an den Strom denken würde, der durch eine Reihe von Glühbirnen fließt und erleuchtet. Was ist aber hier anders als eine universelle, ursprüngliche, kosmische Seele? Und noch, wie können wir eine buddhistische Lehre von der Selbstlosichkeit haben, und trotzdem an ein ursprunfliches Selbst denken?

Antwort: Lieber Herr, Sie sind nicht der einzige, der Schwierigkeiten hat, die Lehre von der Ich- oder Selbstlosigkeit mit dem Wiedergeburtsgedanken zusammen zu bringen. Wenn es kein Ich gibt, was wird wiedergeboren? Wenn es kein Ich gibt, wer ist sich dessen bewusst, dass der Muho gerade am Computer schreibt? Woher kommt dieses Bewusstsein? Woher kommt es, dass es unter den sieben Milliarden menschlichen Bewusstseinen (und den Bill- und Trilliarden anderer Bewusstseine) nur eines gibt, das sich von den anderen radikal unterscheidet – naemlich dadurch, dass es „mein“ Bewusstsein ist? Oder anders gesagt, warum kann „man“ sich immer nur eines Bewusstseins bewusst sein, waehrend die anderen Bewusstseine nur in der Vorstellung dieses einen Bewusstseins existieren?
Und: Ist eine Welt moeglich, in der es kein so radikal verschiedenes Bewusstsein gibt? Also eine Welt, in der es zwar Bewusstsein gibt, aber kein Bewusstsein, dessen „ich“ mich tatsaechlich bewusst bin. Also z.B. die Welt, bevor ich geboren wurde. oder die Welt nach meinem Tod? Die Antwort scheint klar zu sein, natuerlich muss es eine solche Welt geben, […]