{"id":4079,"date":"2013-05-08T11:08:21","date_gmt":"2013-05-08T11:08:21","guid":{"rendered":"http:\/\/antaiji.org\/?page_id=4079"},"modified":"2017-10-24T05:01:55","modified_gmt":"2017-10-24T05:01:55","slug":"%e6%be%a4%e6%9c%a8%e8%88%88%e9%81%93%e8%80%81%e5%b8%ab%e3%81%ae%e7%94%9f%e6%b6%af%e3%81%a8%e3%81%9d%e3%81%ae%e5%bf%83","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/antaiji.org\/de\/services\/%e6%be%a4%e6%9c%a8%e8%88%88%e9%81%93%e8%80%81%e5%b8%ab%e3%81%ae%e7%94%9f%e6%b6%af%e3%81%a8%e3%81%9d%e3%81%ae%e5%bf%83\/","title":{"rendered":"Biografie von Sawaki"},"content":{"rendered":"<h3>Eine kurze Biografie Sawaki K\u014dd\u014d R\u014dshis<\/h3>\n<p><em>von Kushiya Sh\u016bsoku R\u014dshi<\/em><br \/>\n<em> Erschienen als Teil von &#8222;Zen ist die gr\u00f6\u00dfte L\u00fcge aller Zeiten&#8220; im Angkor-Verlag. Bestellen bei\u00a0<a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3936018308?ie=UTF8&#038;tag=antaiji-21&#038;linkCode=as2&#038;camp=1638&#038;creative=6742&#038;creativeASIN=3936018308\">Amazon<\/a><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"http:\/\/www.assoc-amazon.de\/e\/ir?t=antaiji-21&#038;l=as2&#038;o=3&#038;a=3936018308\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" \/>.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter  wp-image-4771\" alt=\"Muho\" src=\"https:\/\/antaiji.org\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/slider_\u00a9Huebner_2013aug_1215c1-669x272.jpg\" \/><\/p>\n<h4>Sawaki K\u014dd\u014d R\u014dshi &#8211; sein Leben und sein Geist<\/h4>\n<p>Die Worte Sawaki Roshis sind wie ein Wind, der uns aus Zen entgegen weht. Dieser Wind bringt uns die Luft, die wir zum Atmen brauchen. Manchmal erreicht er uns in unserem Leiden wie eine sanfte, k\u00fchle Brise, die unser Herz erfrischt. Manchmal auch wie ein Gewitter, das mit Hagel und Sturm \u00fcber uns hereinbricht. Dann scheint es so, als h\u00e4tte sich das ganze Universum gegen uns gewendet, um uns mit einem Donnerbrausen aus unseren Illusionen aufzuwecken. Und wenn dieser wilde Wind unser altes Selbst davonbl\u00e4\u00dft, kommt es vor, dass wenn wir die Augen pl\u00f6tzlich zum Himmel emporheben, der Sturm l\u00e4ngst vor\u00fcber ist und nur das klare Licht von Zazen still auf uns herabscheint.<\/p>\n<p>Sawaki K\u014dd\u014d Roshi kam im Jahr 1880 im Shinto-Viertel der Stadt Tsu (Pr\u00e4fektur Mie) als sechstes Kind von Tada Sotaro zur Welt (ausser zwei \u00e4lteren Schwestern und einem \u00e4lteren Bruder starben alle seine Geschwister in Kindesjahren). Sein Geburtsname war Saikichi, und es hei\u00dft, dass er von fr\u00fch auf ein recht ungezogener Bengel war. Seine Mutter Shige verstarb pl\u00f6tzlich als er vier Jahre alt war, und mit sieben Jahren sein Vater. Zuerst kam er in das Haus einer Tante, doch als deren Mann ein halbes Jahr sp\u00e4ter starb, wurde er von einem befreundeten Lampion-H\u00e4ndler adoptiert &#8211; der allerdings nur offiziell mit Lampions handelte, in Wirklichkeit aber mit dem Gl\u00fccksspiel sein Geld verdiente. Er hie\u00df Sawaki Bunkichi und lebte im Isshinden-Viertel der Stadt.<\/p>\n<p>Dabei handelte es sich um ein Bordell-Viertel, in dessen Seitengassen Schaubudenbesitzer bei den Gl\u00fccksspielern um Kunden warben, w\u00e4hrend Betr\u00fcger und Taschendiebe ihrem Handwerk nachgingen. Hier tummelte sich der Auswurf der Gesellschaft. Als der junge Sawaki Roshi dort mit acht Jahren in die Grundschule eingeschult wurde, arbeitete er bereits als Schmierensteher bei den Gl\u00fccksspielern, oder er passte auf die Schuhe am Eingang auf. Mit zw\u00f6lf, nach Abschluss der Grundschule, begann er im Lampiongesch\u00e4ft zu helfen und ern\u00e4hrte damit seine Stiefeltern, die selbst praktisch nie bei der Arbeit waren.<\/p>\n<p>Eines Tages wurde er Zeuge, wie ein Mann in den F\u00fcnfzigern, der sich eine Prostituierte gekauft hatte, die so jung war, dass sie seine Enkelin h\u00e4tte sein k\u00f6nnen, pl\u00f6tzlich im zweiten Stock des Bordells starb, das gleich um die Ecke lag. Da sp\u00fcrte er die Verg\u00e4nglichkeit der Welt zum ersten Mal tief in seinem Knochenmark. Und in seinem Geist begann sich der Wunsch zu formen, den Buddhaweg zu gehen.<\/p>\n<p>In dem selben Millieu, gleich nebenan, wohnte die Familie des Bildrollenmachers Morita. Obwohl sie in sehr einfachten Verh\u00e4ltnissen lebten, verf\u00fcgten sie \u00fcber Bildung und ein fast wundersam reinen Lebenswandel. Sawaki Roshi besuchte oft den \u00e4ltesten Sohn Chiaki, der ihn in die Standardwerke der alten chinesischen und japanischen Geschichte und Philosophie einf\u00fchrte. So lernte er, dass es in der Welt Wertvolleres gibt als Rang und Namen, Geld oder sinnliches Vergn\u00fcgen. Es scheint deshalb, dass der wegsuchende Geist Sawaki Roshis seine Wurzeln in dem Lebenswandel der Moritas hatte.<\/p>\n<p>Doch der Widerspruch zwischen seinem Geist, der nach dem Weg suchte, und der Realit\u00e4t seines t\u00e4glichen Lebens f\u00fchrte Sawaki Roshi mit f\u00fcnfzehn Jahren endlich so weit, dass er keinen anderen Ausweg mehr wusste, als von Zuhause wegzulaufen. Er kam bei einem Freund in Osaka unter, wurde aber bald wieder zur\u00fcck nach Hause gebracht. Im n\u00e4chsten Jahr gl\u00fcckte ihm dann die Flucht nach Eiheiji. Sein Gep\u00e4ck bestand aus einem Odawara-Lampion, drei Kilos rohem Reis und 27 Sen M\u00fcnzen. Vier Tage und vier N\u00e4chte dauerte die Wanderschaft zum Eiheiji in der Pr\u00e4fektur Fukui, w\u00e4hrend der er pausenlos auf dem rohen Reis und Saubohnen, die er sich gekauft hatte, kaute. Eiheiji wollte ihn nicht als M\u00f6nch aufnehmen: &#8222;Geh&#8216; zur\u00fcck nach Hause&#8220; hie\u00df es da. Doch nachdem er zwei Tage ohne Essen und Trinken pausenlos um Einlass bat, wurde er endlich als Handlanger in die Werkstatt aufgenommen. Kein Gl\u00fcck auf Erden h\u00e4tte da gr\u00f6\u00dfer f\u00fcr ihn sein k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Mitte des Sommers, zur Obon-Zeit, half er dann im Ryuunji aus, dem Tempel eines f\u00fchrenden Priesters (dem Ino) des Eiheiji. Als die Arbeit im Tempel eines Tages endlich erledigt war, wurde ihm frei gegeben, zu tun, was er nur wolle. Da beschloss er, in einem Hinterzimmer allein Zazen zu \u00fcben. Pl\u00f6tzlich \u00f6ffnete die alte Frau, die ihn gew\u00f6hnlich nur wie einen Laufburschen herumkommandierte, die Schiebet\u00fcr, um einige Tablette und Geschirr in dem Raum zu verstauen. \u00dcberrascht verbeugte sie sich so tief vor dem jungen Sawaki in Zazen, als sei er der Buddha pers\u00f6nlich. So lernte der sp\u00e4tere Sawaki Roshi die erhabene W\u00fcrde des Zazen kennen, und er beschloss, f\u00fcr den Rest seines Lebens Zazen zu praktizieren.<\/p>\n<p>Und tats\u00e4chlich kann man sagen, dass das ganze Leben Sawaki Roshis aus dem reinen Wunsch, f\u00fcr Zazen zu leben, bestand. Alles, was den sp\u00e4teren Roshi ausmachte, hat seine Wurzeln in diesem tiefen Glauben an Zazen.<\/p>\n<p>Durch verschiedene Verbindungen erf\u00fcllte sich schlie\u00dflich sein Herzenswunsch, M\u00f6nch zu werden, und er wurde von Sawada K\u014dh\u014d, dem Abt des Soshinji im fernen Kyushu ordiniert. Mit siebzehn erhielt er nun den Namen &#8222;K\u014dd\u014d&#8220; &#8211; am 8. Dezember, dem Tag der Erleuchtung Buddhas. Mit 19 Jahren trat er als Unsui (wandernder Zenm\u00f6nch) dem Entsuji in Tanba bei, von wo er an einer Ordinationszeremonie f\u00fcr Laien teilnahm, bei der er einem Sch\u00fcler Nishiari Bokusan Zenjis begegnete: Fueoka Ryoun Roshi. Fueoka setzte viel auf Sawaki, und auch Sawaki f\u00fchlte sich von Fueoka Roshis reinem Charakter angezogen und folgte ihm deshalb in dessen Tempel, zuerst dem Hosenji in Kyoto und dann dem Hosenji in Kakegawa (beide Tempel werden gleich ausgesprochen, aber mit verschiedenen Schriftzeichen geschrieben), bis er mit zwanzig Jahren zum Milit\u00e4r eingezogen wird. In diesem kurzen Zeitraum bekam er das &#8222;Gakudoyojinshu&#8220;, &#8222;Eiheishingi&#8220; und &#8222;Zazenyojinki-funogo&#8220; von Mann zu Mann beigebracht, und das Fundament von Sawaki Roshis Glauben an Shikantaza wurde weiter gefestigt.<\/p>\n<p>Im Februar 1900 beginnt er seinen Dienst beim Milit\u00e4r, und drei Jahre sp\u00e4ter, gerade mit Auslauf seiner Dienstzeit, bricht der Krieg zwischen Japan und Russland aus, in den er sofort wieder eingezogen wird. Wegen einer Verwundung, die ihn beinahe das Leben gekostet h\u00e4tte, wird er f\u00fcr eine kurze Zeit vom Gefecht befreit, kehrt aber bald an die Front zur\u00fcck, an der er bis zum Ende des Krieges 1906 k\u00e4mpft.<\/p>\n<p>Im selben Jahr tritt er in die Fachhochschule f\u00fcr buddhistische Studien in seiner Heimat, dem Isshinden-Viertel, ein, die der Takada-Richtung der Jodo-Shin-Schule angeh\u00f6rte. Im \u00fcbern\u00e4chsten Jahr wechselte er an das Seminar des Horyuji in Nara, wo er Tag und Nacht mit seinen Studien der Yogacara-Philosophie unter dem Abt Saeki Join Sojo verbrachte. Hier begegnete er einer Nonne, die die N\u00e4hkunst des Nyoho-e (ein M\u00f6nchsgewand, das entsprechend der wahren Lehre angefertigt wird) nach der Art Jiun Sonjas beherrschte. Dies wurde Sawaki Roshi zum Anlass, selbst mit dem Studium des Nyoho-e zu beginnen.<\/p>\n<p>Nachdem er sich einen \u00dcberblick \u00fcber die buddhistische Lehre verschafft hatte, verlie\u00df er das buddhistische Seminar und zog im Dezember 1912, mit 32 Jahren, als Tanto (M\u00f6nchsaufseher) in den Yosenji-Tempel in der Stadt Matsusaka ein. Von da an begann er auch unter Oka Sotan Roshi, der als der erste Sch\u00fcler Nishiari Bokusan Zenjis gilt, die Lehre der S\u014dt\u014d-Schule gr\u00fcndlich zu studieren. Mit 34 Jahren zog er sich f\u00fcr mehr als zwei Jahre in den Jofukuji-Tempel in Ikaruga zur\u00fcck, wo er ganz f\u00fcr sich alleine mit Leib und Seele Zazen \u00fcbte.<\/p>\n<p>1916, mit 36 Jahren, warb ihn Oka Sotan Roshi als Lehrer f\u00fcr die M\u00f6nche im Daijiji in Higo an. Endlich traf er auf Freunde, die den selben Weg wie er selbst gehen wollten. Hier entwickelte und verfeinerte er auch seinen eigenen Stil, Zen zu lehren. Eine Gelegenheit dazu gab ihm die Begegnung mit den frechen Naturburschen vom f\u00fcnften Gymnasium in Kumamoto, die den Lack etablierten Klerikertums von ihm abkratzten und ihn zwangen, seiner Religion mit frischen und lebendigen Worten Ausdruck zu geben.<\/p>\n<p>Nach Oka Roshis Tod 1922 verlie\u00df Sawaki Roshi den Daijiji-Tempel und zog in ein Mietshaus, in dem er ein Dojo einrichtete, das er &#8222;Daitetsudo&#8220; (&#8222;Halle des gro\u00dfen Durchdringens&#8220;) nannte. Ein halbes Jahr sp\u00e4ter verlegt er seine Wohnstatt dann aber auf den Mannichi-Berg in Kumamoto. Hier beginnt sein Umgang mit Pers\u00f6nlichkeiten aus Kreisen der japanischen Kampfkunst. F\u00fcr 13 Jahre, bis zu seinem 55. Lebensjahr, lebte er allein auf dem Mannichi-Berg, von dem aus er begann, in alle Teile Japans zu reisen um Anweisungen zum Zazen zu geben und Vortr\u00e4ge zu halten, wann auch immer er darum gebeten wurde. Auf diese Weise verbreitete er die Praxis des Shikantaza (reinen Sitzens) in der Welt. Im April 1935 wurde er als Professor an die Komazawa Universit\u00e4t gerufen, und im Dezember des selben Jahres auch zum Godo (einem der f\u00fchrenden Priester) im Sojiji, einem der beiden Haupttempel der S\u014dt\u014dschule. Von diesem Zeitpunkt an begann Sawaki Roshi seine Aktivit\u00e4t ohne R\u00fccksicht auf Leben und Gesundheit zu entfalten, so wie ein riesiges rollendes Rad, das nicht zu bremsen ist. Seine T\u00e4tigkeit beschr\u00e4nkte sich nicht nur auf Universit\u00e4t und den Sojiji, sondern er organisierte auch st\u00e4ndig neue Zazentreffen in ganz Japan, zus\u00e4tzlich zu den schon bestehenden Treffen, die ihn st\u00e4ndig auf Reisen hielten. Er gab alles von sich, um uns nach unserem Weg zu fragen und uns seinen eigenen Weg zu demonstrieren, mit uns gemeinsam zu sitzen, und uns auf diese Weise den Odem der stets aktuellen Praxis des Shikantaza st\u00e4ndig von Neuem einzuhauchen.<\/p>\n<p>Sawaki Roshi war immer an dem Ort zu finden, an dem er alles von seiner Lebenskraft geben konnte. An jedem Tag, in jedem einzelnen Augenblick, lebte er sein Leben ganz neu &#8211; und dieses Leben forderte die gesamte Kraft seines Leibes und seiner Seele von ihm. W\u00e4hrend Sesshin (intensiver Zazen-\u00dcbungswochen) war er der erste am Morgen auf dem Kissen, und bis sp\u00e4t in die Nacht war seine Pr\u00e4senz so intensiv, dass es die Teilnehmer in Angst und Schrecken versetzen konnte. Die Atmosph\u00e4re war stets gespannt, und von Zeit zu Zeit war es so, als ob ein gewaltiger Donnerschlag das Tempelgeb\u00e4ude ersch\u00fctterte.<\/p>\n<p>1940 er\u00f6ffnete er ein Zen-Dojo im Daichuji in der Tochigi-Pr\u00e4fektur, und auch die Organisation neuer Zentreffen in ganz Japan nahm nie ein Ende. 1946 wurde er zum Abt des Daitoin-Klosters in Shizuoka ernannt, und gleichzeitig auch zum Vorsteher des Nonnenklosters Myozetsuan in Kyoto. Trotzdem hat er nie in seinem eigenen Tempel gewohnt, nie geheiratet, und auch keine eigene Organisation gegr\u00fcndet. Gemeinsam mit seinen Sch\u00fclern war Sawaki Roshi stets auf Wanderschaft, weshalb seine Sangha die &#8222;Sangha auf Reisen&#8220; genannt wurde. Sein ganzes Leben war wie ein Traum w\u00e4hrend Zazen: Ohne Sinn, ohne Gewinn &#8211; sein Leben war dieser Art von Zazen gewidmet. Zu jener Zeit bedeutete selbst unter Buddhisten &#8222;Zen&#8220; nicht viel mehr als das Koan-Zen der Rinzaischule, bei dem es darum ging, durch das Sitzen in den Besitz von &#8222;Satori&#8220; zu kommen. Sawaki Roshi war der, der das reine Zazen im Stil des Shikantaza zu neuem Leben brachte.<\/p>\n<p>Sawaki Roshis Weg ging stets geradeaus nach vorne, doch 1963, mit 83 Jahren, verlie\u00df ihn die Kraft in den Beinen und er musste seine Reisen aufgeben. Er zog sich in den Antaiji in Kyoto zur\u00fcck, wo er mit den regelm\u00e4ssigen Zentreffen fortfuhr.<\/p>\n<p>&#8222;Was f\u00fcr ein sch\u00f6nes Wetter wir heute haben! Wie haben wir uns nur dieses gute Wetter verdient, ohne auch nur einen Pfennig daf\u00fcr bezahlen zu m\u00fcssen?&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Womit in aller Welt habe ich es nur verdient, so gl\u00fccklich zu sein? Es ist zu schade, dieses ganze Gl\u00fcck f\u00fcr mich alleine zu haben!&#8220;<\/p>\n<p>Nachdem er sich von seinen vielen Verpflichtungen zur\u00fcckgezogen hatte, fand er endlich die Zeit zu solch stillen Gebeten. Am 21. Dezember 1965, umgeben von den Seinen in Antaiji, verstarb er im Alter von 85 Jahren.<\/p>\n<p>Bereits die \u00e4u\u00dfere Erscheinung Sawaki Roshis war die eines Zenmeisters, so wie wir ihn uns nur vorstellen. Das Charisma seiner Person, sein Auftreten im t\u00e4glichen Leben, das vollkommene Absehen von sich selbst und die Aufmerksamkeit f\u00fcr die anderen &#8211; all das beeindruckte die stark, die das Gl\u00fcck hatten, ihm pers\u00f6nlich zu begegnen. Wer ihm begegnete, hatte das Gef\u00fchl, dass die Augen Sawaki Roshis nur auf ihn selbst gerichtet seien, und dass ihm das ganze Herz des Roshis geh\u00f6re. Uchiyama Roshi nannte Sawaki Roshi in dieser Hinsicht einen &#8222;Giganten, der sich nach allen Seiten ge\u00f6ffnet h\u00e4lt&#8220;. Andererseits scheint es aber auch, dass in Sawaki Roshis Innerem ein ungezogener Bengel sein Unwesen trieb, dessen Illusionen gr\u00f6\u00dfer als die jedes anderen Normalb\u00fcrgers waren. Und das war wohl auch genau der Grund, weshalb er so streng mit sich selbst und anderen sein konnte, und weshalb sein Leben stets von so ungest\u00fcmer Dynamik gepr\u00e4gt war: Die Augen des rotzfrechen L\u00fcmmels in Sawaki Roshis Herzem haben unsere kleinkarierten Normalb\u00fcrger-Illusionen l\u00e4ngst durchschaut. Sawaki Roshi muss diesen L\u00fcmmel in sich recht gern gehabt haben. Und wenn er dem kleinen Saikichi in sich selbst liebevoll den Weg weist, dann reicht er damit auch uns eine rettende Hand.<\/p>\n<p>Gleichzeitig bringt Sawaki Roshi aber auch die Wahrheit in seinem Inneren zum Vorschein. Seine Worte, die immer Ausdruck seiner Suche nach dem Weg sind, sind nie fixiert. Sie sind in Bewegung, so als wollten sie die Tiefen dieses Erdreiches in sich ergr\u00fcnden. Wir m\u00fcssen diese Worte sowohl mit unserem ganzen Herzen als auch mit unserem ganzen Leib aufnehmen &#8211; sie m\u00fcssen in unserem Leben widerhallen. Und wenn wir auf diese Weise den Acker unseres eigenen Lebens pfl\u00fcgen, kommen auch wir endlich an den Punkt, wo wir die Worte unserer eigenen Wahrheit in uns finden und hervorbringen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Manchen kommt es vielleicht eher so vor, als ob Sawaki Roshi stets das Gleiche wiederholt &#8211; sie haben sich schon sattgelesen. Aber das liegt daran, dass diese Spr\u00fcche so wie ein Sutra unserer Zeit sind. So wie auch die alten Sutren voll von Wiederholungen sind, so predigen uns auch die Berge und Fl\u00fcsse, Gr\u00e4ser und B\u00e4ume t\u00e4glich von Neuem ein ewig gleiches Sutra. Und deshalb sollten wir auch jeden einzelnen der Spr\u00fcche Sawaki Roshis so lesen, als begegneten wir darin unserem eigenen Selbst zum allerersten Mal. Wenn wir dem selben Wort der Wahrheit in verschiedener Gestalt immer wieder begegnen, wird dadurch fr\u00fcher oder sp\u00e4ter &#8211; ohne dass wir es \u00fcberhaupt merken &#8211; etwas in uns selbst wachgerufen.<\/p>\n<p>Die Worte Sawaki Roshis entspringen aus der Praxis des Zazen. Sie sind das lebendige Fleisch und Blut von Zazen. Sawaki Roshi hat diese Worte der Wahrheit nicht nur gepredigt &#8211; er hat sie gelebt. Sein Leben begann mit &#8222;Za&#8220; und endete mit &#8222;Zen&#8220;. Seine Worte geben uns die Kraft, unsere Illusionen durchzusitzen. Sie ziehen uns hin zum Zazen. So wie auch f\u00fcr Sawaki Roshi Zazen stets da war &#8211; als die Kraft seines Lebens, als sein Wunsch und Gel\u00fcbde, als der Grund seiner Existenz schlechthin.<\/p>\n<p><center><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-5087\" alt=\"sawaki_097\" src=\"https:\/\/antaiji.org\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/sawaki_097.jpg\" width=\"653\" height=\"595\" srcset=\"https:\/\/antaiji.org\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/sawaki_097.jpg 653w, https:\/\/antaiji.org\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/sawaki_097-219x200.jpg 219w\" sizes=\"auto, (max-width: 653px) 100vw, 653px\" \/><\/center><\/p>\n<hr \/>\n<div id=\"copyright\">Copyright \u00a9 Antaiji,<br \/>\nAll Rights Reserved.<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine kurze Biografie Sawaki K\u014dd\u014d R\u014dshis von Kushiya Sh\u016bsoku R\u014dshi Erschienen als Teil von &#8222;Zen ist die gr\u00f6\u00dfte L\u00fcge aller Zeiten&#8220; im Angkor-Verlag. Bestellen bei\u00a0Amazon. Sawaki K\u014dd\u014d R\u014dshi &#8211; sein Leben und sein Geist Die Worte Sawaki Roshis sind wie ein Wind, der uns aus Zen entgegen weht. Dieser Wind bringt uns die Luft, die wir zum Atmen brauchen. Manchmal erreicht er uns in unserem Leiden wie eine sanfte, k\u00fchle Brise, die unser Herz erfrischt. Manchmal auch wie ein Gewitter, das mit Hagel und Sturm \u00fcber uns hereinbricht. Dann scheint es so, als h\u00e4tte sich das ganze Universum gegen uns gewendet, um uns mit einem Donnerbrausen aus unseren Illusionen aufzuwecken. Und wenn dieser wilde Wind unser altes Selbst davonbl\u00e4\u00dft, kommt es vor, dass wenn wir die Augen pl\u00f6tzlich zum Himmel emporheben, der Sturm l\u00e4ngst vor\u00fcber ist und nur das klare Licht von Zazen still auf uns herabscheint. Sawaki K\u014dd\u014d Roshi kam im Jahr 1880 im Shinto-Viertel der Stadt Tsu (Pr\u00e4fektur Mie) als sechstes Kind von Tada Sotaro zur Welt (ausser zwei \u00e4lteren Schwestern und einem \u00e4lteren Bruder starben alle seine Geschwister in Kindesjahren). Sein Geburtsname war Saikichi, und es hei\u00dft, dass er von fr\u00fch auf ein recht ungezogener Bengel war. Seine Mutter Shige verstarb pl\u00f6tzlich als er vier Jahre alt war, und mit sieben Jahren sein Vater. Zuerst kam er in das Haus einer Tante, doch als deren Mann ein halbes Jahr sp\u00e4ter starb, wurde er von einem befreundeten Lampion-H\u00e4ndler adoptiert &#8211; der allerdings nur offiziell mit Lampions handelte, in Wirklichkeit aber mit dem Gl\u00fccksspiel sein Geld verdiente. Er hie\u00df Sawaki Bunkichi und lebte im Isshinden-Viertel der Stadt. 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