{"id":4097,"date":"2013-05-08T11:38:25","date_gmt":"2013-05-08T11:38:25","guid":{"rendered":"http:\/\/antaiji.org\/?page_id=4097"},"modified":"2016-01-06T11:29:25","modified_gmt":"2016-01-06T11:29:25","slug":"%e3%80%8c%e4%ba%ba%e7%94%9f%e3%81%aa%e3%81%82%e3%81%ab%e3%82%84%e3%81%a3%e3%81%a6%e3%81%97%e3%81%be%e3%81%a3%e3%81%9f%e3%82%89%e5%90%8c%e3%81%98%e3%81%93%e3%81%a8%e3%81%98%e3%82%83%e3%80%8d%e6%be%a4","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/antaiji.org\/de\/services\/%e3%80%8c%e4%ba%ba%e7%94%9f%e3%81%aa%e3%81%82%e3%81%ab%e3%82%84%e3%81%a3%e3%81%a6%e3%81%97%e3%81%be%e3%81%a3%e3%81%9f%e3%82%89%e5%90%8c%e3%81%98%e3%81%93%e3%81%a8%e3%81%98%e3%82%83%e3%80%8d%e6%be%a4\/","title":{"rendered":"Wir Menschen&#8230;"},"content":{"rendered":"<h3>Sind wir nicht alle sehr gew\u00f6hnliche Menschen?<\/h3>\n<p>von Sawaki K\u014dd\u014d R\u014dshi<br \/>\nEin Auszug aus dem Buch &#8222;Tag f\u00fcr Tag ein guter Tag&#8220; von Sawaki R\u014dshi, das im April 2008 im Angkor-Verlag erschienen ist. Das Buch kann im Buchhandel oder bei\u00a0<a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/393601857X?ie=UTF8&amp;tag=antaiji-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=393601857X\">Amazon<\/a><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"http:\/\/www.assoc-amazon.de\/e\/ir?t=antaiji-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=393601857X\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" \/>\u00a0bestellt werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter  wp-image-4771\" alt=\"Muho\" src=\"https:\/\/antaiji.org\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/slider_\u00a9Huebner_2013aug_1235c1-669x272.jpg\" \/><\/p>\n<h4>Wir unterscheiden uns nur in dem, woran wir festhalten<\/h4>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">\u201eWas du f\u00fcr richtig h\u00e4lst, halte ich f\u00fcr falsch. Was ich f\u00fcr richtig halte, h\u00e4lst du f\u00fcr falsch. Sind wir nicht beide sehr gew\u00f6hnliche Menschen?\u201c<\/p>\n<p>Das ist ein Zitat von Prinz Sh\u014dtoku aus dem zehnten Artikel seiner 17-Artikel-Verfassung. Das Zitat ist noch etwas l\u00e4nger, hier habe ich erstmal nur den wichtigsten Punkt aufgeschrieben.<\/p>\n<p>Alle Menschen haben ihre eigene, pers\u00f6nliche Meinung. Die Jugend von heute sagt \u00fcber die Leute der Meiji-Zeit, sie seien so stur, dass ihnen nicht mehr zu helfen ist. Die Menschen, die w\u00e4hrend der Meiji-Zeit aufwuchsen, erwidern dagegen: \u201eEs sind die jungen Leute heutzutage, denen man einmal auf die Spr\u00fcnge helfen sollte!\u201c Jeder von uns h\u00e4lt an etwas anderem fest. Deshalb fragt Prinz Sh\u014dtoku: \u201eDenkt nicht jeder Geist auf seine eigene Weise?\u201c Wir sind in verschiedenen L\u00e4ndern aufgewachsen, haben verschiedene Gene geerbt, verschiedene Gewohnheiten entwickelt und verschiedene Freundschaften geschlossen. Wir sind alle verschieden. Aber, noch einmal in den Worten der 17-Artikel-Verfassung: \u201eWas st\u00f6rt es uns, wenn die anderen anders denken als wir? Haben wir nicht alle unseren eigenen Sinn, und denkt nicht jeder Geist auf seine eigene Weise? Was du f\u00fcr richtig h\u00e4lst, halte ich f\u00fcr falsch. Was ich f\u00fcr richtig halte, h\u00e4lst du f\u00fcr falsch. Wer hat hier die Weisheit f\u00fcr sich gepachtet? Kannst du dir so sicher sein, dass ich im Irrtum bin? Kann ich mir so sicher sein, dass du im Irrtum bist? Sind wir nicht beide gew\u00f6hnliche Menschen?\u201c Dass wir alle gew\u00f6hnliche, fehlbare Wesen sind, das gilt auch in der Familie, zwischen Eltern und Kindern, Schwestern und Br\u00fcdern. Und in gr\u00f6\u00dferem Rahmen zum Beispiel auch f\u00fcr die Sowjetunion und Amerika. Alles gew\u00f6hnliche Menschen.<\/p>\n<p>Es gibt drei Theorien, wann Prinz Sh\u014dtoku geboren wurde. Manche nennen das Jahr 572, andere 573, wieder andere 574. Wie dem auch sei, irgendwann um den Beginn der Regierungszeit des Kaisers Bidatsu erblickte er das Licht der Welt. Ich selbst habe f\u00fcr acht Jahre im H\u014dry\u016bji studiert. Das lag daran, dass ich kein Geld hatte. Genau genommen ist das nicht ganz richtig: Ich bekam ja den monatlichen Veteranenlohn, seit dem ich aus dem Russisch-Japanischen Krieg zur\u00fcckkam, und dazu noch eine Invalidenrente. Aber meine Adoptiveltern hatten w\u00e4hrend des Krieges Schulden gemacht mit dem Versprechen, sie mit dem Geld zur\u00fcck zu zahlen, das sie vom Staat bekommen h\u00e4tten, wenn ich an der Front gefallen w\u00e4re. Da ich aber lebend zur\u00fcck kam, wollten sie, dass ich ihre Schulden mit meiner Veteranen- und Invalidenrente begleiche. Also \u00fcberwies ich ihnen jeden Monat so viel ich konnte und behielt nur zwei oder drei Yen f\u00fcr mich. Deshalb war es f\u00fcr mich nicht m\u00f6glich, irgendwo in T\u014dky\u014d zu studieren, denn damals war es &#8211; anders als heute &#8211; noch nicht \u00fcblich, sich mit Jobs etwas dazu verdienen. Und ohne Geld kein Studium&#8230;<\/p>\n<p>Doch im H\u014dry\u016bji war es m\u00f6glich, ganz billig zu leben, denn ich musste nur f\u00fcr meine eigene Verpflegung aufkommen, die mal nur aus Bohnen, dann wieder nur aus Weizen bestand. Noch heute f\u00fchle ich mich dem Prinz Sh\u014dtoku irgendwie sehr verbunden. Denn ich habe damals ja keine Miete bezahlt, musste h\u00f6chstens ein paar Mal im Monat im Tempelb\u00fcro aushelfen. Das war also so, als w\u00fcrde ich auf Kosten des Prinzen Sh\u014dtoku studieren.<\/p>\n<p>Wenn der damalige Abt, Saeki J\u014din (1867-1952), auf Reisen ging, kam es auch vor, dass ich ihn vertreten musste. Der hielt n\u00e4mlich jedes Jahr im Sommer f\u00fcr hundert Tage am St\u00fcck Vorlesungen \u00fcber das Lotus-Sutra, Srimala Sutra und Vimalakirti-Sutra. W\u00e4hrend dieser hundert Tage verlie\u00df Saeki J\u014din den Tempel aber auch hin und wieder, und dann musste ich f\u00fcr ihn bei den Vorlesungen einspringen. Da versteht es sich von selbst, dass ich auch viel von und \u00fcber den Prinzen Sh\u014dtoku lesen musste. Und auch heute noch steckt in meinem Kopf vieles vom Prinz Sh\u014dtoku, dem H\u014dry\u016bji oder der Suiko-Zeit.<\/p>\n<p>In was f\u00fcr eine Zeit wurde Prinz Sh\u014dtoku hinein geboren? Als er sieben Jahre alt war, wurde der Buddhismus zum ersten Mal in Japan bekannt gemacht. Damals stritt sich der Mononobe-no-Moriya mit dem Soga-no-Umako dar\u00fcber, ob der Buddhismus in Japan eingef\u00fchrt werden solle oder nicht. Da ging es drunter und dr\u00fcber, und am Ende ist Moriya dabei draufgegangen. Doch als es so aussah, als w\u00e4re die Geschichte damit beendet, schlug Umako, dem der Kontrahent abhanden gekommen war, au\u00dfer Rand und Band und versuchte sogar, sich gegen die Kaiserin durchzusetzen.<\/p>\n<p>Zu dieser unruhevollen Zeit importierte Japan \u00fcber die koreanische Halbinsel mehr und mehr Kulturprodukte Chinas und Indiens. Japan war also nicht nur mit sich selbst schwer besch\u00e4ftigt. Bis damals war es \u00fcblich gewesen, dass die diplomatischen Beziehungen von Ausl\u00e4ndern, die nach Japan eingewandert und der chinesischen Sprache m\u00e4chtig waren, geregelt wurden. Prinz Sh\u014dtoku war der erste, der pers\u00f6nlich diplomatische Briefwechsel verfasste. Als die Kaiserin Suiko den Thron bestieg \u00fcbernahm ihr Neffe, der Prinz Sh\u014dtoku die Regierungsgesch\u00e4fte. Damals war er noch 19. Von seinem 19. Lebensjahr an war Prinz Sh\u014dtoku f\u00fcr 30 Jahre lang mit der Regierung Japans betraut.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend dieser Zeit, besonders im ersten Monat seines zw\u00f6lften Amtsjahres, geriet das Land in gro\u00dfen Tumult. Deshalb legte Prinz Sh\u014dtoku zun\u00e4chst eine Hierache von zw\u00f6lf offiziellen R\u00e4ngen am Hof fest, und drei Monate sp\u00e4ter verfasste er die 17 Artikel. Und im zehnten Artikel schreibt er:\u00a0 \u201eWas du f\u00fcr richtig h\u00e4lst, halte ich f\u00fcr falsch. Was ich f\u00fcr richtig halte, h\u00e4lst du f\u00fcr falsch. Sind wir nicht beide sehr gew\u00f6hnliche Menschen?\u201c<\/p>\n<p>Ministerpr\u00e4sident Nehru nannte Prinz Sh\u014dtoku und Ashoka, den K\u00f6nig des indischen Altertums, Beispiele von vorbildlichen Regenten in der Menschheitsgeschichte in Ost und West. An diese beiden reiche bis heute kein Politiker heran.<\/p>\n<h4>Die Menschen sind keinen Schritt weiter gekommen<\/h4>\n<p>Zu allen Zeiten haben sich die Menschen gestritten. Nichts spricht dagegen, dass wir uns gut vertragen sollten, aber letztlich gilt doch immer: \u201eWas du f\u00fcr richtig h\u00e4lst, halte ich f\u00fcr falsch. Was ich f\u00fcr richtig halte, h\u00e4lst du f\u00fcr falsch. Sind wir nicht beide sehr gew\u00f6hnliche Menschen?\u201c<\/p>\n<p>Eltern streiten sich mit ihren Kindern, der Mann mit seiner Frau. Die Frau in einer der Familien, bei denen ich auf meinen Reisen \u00fcbernachte, ist Vorsteherin des Damenvereins von Ky\u016bsh\u016b. Bei dem Thema Gleichberechtigung wurde da diskutiert, ob Frauen sich nicht ein oder zwei Geliebte halten sollen, wenn ihre M\u00e4nner ohnehin das Gleiche tun. Aber heute wird mein Vortrag auf Tonband aufgezeichnet, da will ich mir lieber nicht die Zunge verbrennen&#8230;<\/p>\n<p>Wie dem auch sei, die Streitereien nehmen kein Ende. Das Problem ist, dass die Menschen keinen Schritt vorw\u00e4rts kommen. Heute wie in alten Zeiten ist in der Welt viel vom Fortschritt die Rede. Dieser Fortschritt der Wissenschaften beruht auf dem Erbe fr\u00fcherer Generationen. Wenn der Zeiger der Uhr um eine Sekunde weiter tickt, dann wird irgendwo auf der Welt wieder ein weiteres Experioment oder eine neue Erfindung gemacht. Nur der Mensch selbst entwickelt sich nicht weiter. Nichts \u00e4ndert sich an der Sexualit\u00e4t, nichts \u00e4ndert sich an unseren sonstigen Begierden. Wir regen uns immer noch \u00fcber nichts auf, wir gehen weiter schnurstracks in die Irre. Die Menschen sind so gew\u00f6hnlich wie immer, nur die Maschinen, deren sie sich bedienen, werden immer besser. Denn der Fortschritt beschr\u00e4nkt sich auf die Wissenschaft, die nicht nur neue Maschinen baut, sondern auch Raketen, Atombomben, Wasserstoffbomben&#8230; Gew\u00f6nhliche Menschen, die auf einem Riesenberg m\u00e4chtiger Maschinen thronen: Das ist die Gefahr, die uns bedroht.<\/p>\n<p>D\u014dgen Zenji sagt: \u201eDer Mensch folgt seinem beschr\u00e4nkten Geist und schreitet so aus auf den sechs Wegen.\u201c<\/p>\n<p>Wenn davon die Rede ist, dass der Mensch in den sechs Welten herumwandert, bezieht sich das nicht auf die Wiedergeburt nach dem Tod. Nein, mit seinem gro\u00dfen Mund frisst der Mensch schon in diesem Leben sein Essen von sechs verschiedenen Tellern. Das bedeutet es, auf den sechs Wegen auszuschreiten.<br \/>\n<div class=\"demo-sep sep-none\" style=\"margin-top:40px;\"><\/div>\n<h4>Es wird h\u00f6chste Zeit, erwachsen zu werden<\/h4>\n<p>Vor zwei oder drei Jahren, als viel von Wasserstoff- und Atombomben die Rede war, schrieb der Naturwissenschaftler Tsuji Jir\u014d in einer Zeitschrift: \u201eDie unschuldigen Kinder stie\u00dfen in das Innere der H\u00f6hle vor, die ihre Vorfahren vor langer Zeit gegraben haben. Ganz innen, am Ende der H\u00f6hle, fanden sie eine schwere Truhe, und als sie sie ihr Schloss aufbrachen fanden sie darin die Produkte des wissenschaftlichen Fortschritts: Atom- und Wasserstoffbombe.\u201c<\/p>\n<p>Er spricht von unschuldigen Kindern. Die unschuldigen, unwissenden Kinder sind auf die Waffen gesto\u00dfen, die ihnen ihre Vorfahren vererbt haben. Auf der einen Seite die Sowjetunion, auf der anderen Amerika. Unwissende Kinder, die mit monstr\u00f6sen Waffen um sich schwingen. Und wenn sich einer dazwischen stellen wollte, um sie vor der Gefahr zu warnen, w\u00e4re er der Erste, der eins drauf bekommt. Japan, das selbst \u00fcber keine Atom- oder Wasserstoffbomben verf\u00fcgt, bleibt nichts anderes \u00fcbrig, als sich in einer Ecke ganz klein zu machen.<br \/>\nTsuji sagt, dass der einzige Ausweg darin besteht, dass die Menschen endlich erwachsen werden. Nicht allm\u00e4hlich, jetzt sofort!<\/p>\n<p>Was bedeutet es, erwachsen zu werden? Es bedeutet, \u00fcber eine Religion zu verf\u00fcgen. Aber was bedeutet es, \u00fcber eine Religion zu verf\u00fcgen? Die Leute glauben, dass sich jede Religion und jede Glaubensrichtung unterscheidet. Doch wenn es innerhalb der Buddhalehre wirklich verschiedene Glaubensrichtungen g\u00e4be, dann w\u00e4re das nicht mehr die wahre Buddhalehre. Wer den Namen Buddhas anruft, ruft einfach ganz den Namen Buddhas an. Wer Zazen praktiziert, praktiziert ganz Zazen. Wer die Sutren liest, liest die Sutren. 100%, ohne Vergleich: Das ist die Buddhalehre.<\/p>\n<p>Als ich in Kumamoto lebte unterrichtete der Prof. Omodaka, ein Experte f\u00fcr das Man&#8217;y\u014dsh\u016b und zehn Jahre j\u00fcnger als ich, noch Japanisch am f\u00fcnften Gymnasium von Kumamoto. Sp\u00e4ter wurde er Professor an der Universit\u00e4t Ky\u014dto, aber damals war er noch 29 und ich 39 Jahre alt. Er h\u00f6rte gerne meinen Vortr\u00e4gen zu und lud mich auch h\u00e4ufig zu sich nach hause ein, um mit seinen Sch\u00fclern Zazen zu sitzen. Auch nach dem er nach Ky\u014dto zog lud er mich immer wieder f\u00fcr w\u00f6chentliche Zazen-Kurse ein.<\/p>\n<p>Als dieser Prof. Omodaka einmal durch eine Hintergasse Kumamotos ging, sah er einen buddhistischen Priester in einem Haus, der sich selbst bef\u00e4chelte w\u00e4hrend er irgendein Sutra herunterleierte: \u201eIch nehme Zuflucht zum Tathagata des unendlichen Lebens, Heil dem wundervollen Licht!\u201c Der Mann, der ihn in sein Haus eingeladen hatte und f\u00fcr die Zeremonie bezahlte, schlief im Hintergrund. Prof. Omodaka dr\u00fcckte das so aus: \u201eEin \u00dcberfl\u00fcssiger verl\u00e4sst sich auf den anderen.\u201c<\/p>\n<p>F\u00fcr einen buddhistischen Priester sollte es Teil der religi\u00f6sen Praxis sein, die Sutren zu lesen. Leider ist daraus ein Gelderwerb geworden. Das liegt zum Teil auch an den Gl\u00e4ubigen, die die Priester st\u00e4ndig auffordern, Zeremonien f\u00fcr sie abzuhalten. Nichts ist dagegen einzuwenden wenn die Gl\u00e4ubigen f\u00fchr ihre Praxis mit Spenden belohnen. Das einer 10.000 Yen oder sogar 100.000 Yen dafuer bezahlt, dass ihm ein Priester kurz das Gatha vom wahren Glauben liest, dagegen habe ich gar nichts. Im Gegenteil: Es w\u00e4re ein Irrtum zu glauben, dass ein kurzes Sutra mit weniger Geld belohnt wird, w\u00e4hrend man f\u00fcr ein langes Sutra tiefer in die Tasche greifen muss. Denn dann wird aus der Rezitation ein Gelderwerb.<\/p>\n<p>Mir pers\u00f6nlich k\u00e4me es gar nicht in den Sinn, f\u00fcr Geld die Sutren zu lesen. Da praktiziere ich lieber Zazen. Das hat nur den Nachteil, dass mir daf\u00fcr niemand Geld gibt. Aber gegen meine Gewohnheiten komme ich einfach nicht an&#8230;<\/p>\n<p>Gew\u00f6hnlich liest ein Priester die Sutren nicht in einem Haus allein, sondern in zehn oder 15, eins nach dem anderen. Da es ihm mit dem Sutra ohnehin nicht so wichtig ist, wird sich der Priester nicht ganz durchschwitzen wollen oder solange rezitieren, bis er halb die Stimme verloren hat. Also ist es schon verst\u00e4ndlich, wenn er beim Lesen der Sutren einen F\u00e4cher benutzt.<\/p>\n<p>Anders f\u00fcr den Gl\u00e4ubigen. Der bekommt nicht jeden Tag die Sutren vorgelesen, er wird auch nicht bezahlt daf\u00fcr, sich das anh\u00f6ren. Ihm geht es darum, den Vorfahren zu gedenken, oder einem verstorbenen Kind, oder den Eltern. Deshalb sollte er an dem Tag, an dem der Priester kommt, schon in eine gewisse religi\u00f6se Stimmung kommen. Auch er nimmt das Ganze nicht so ernst. Nur das Geld steckt er in einen Umschlag, wie es sich geh\u00f6rt, dann trinkt er erstmal einen Becher Schaps. Denn wer will sich so eine Rezitation verkrampft anh\u00f6ren? Und am Ende der Rezitation, wenn der Priester mit der Glocke bimmelt, wacht er aus seinem Schlummer auf und bedankt sich beim Priester f\u00fcr dessen Arbeit. In den Worten Prof. Omodakas: \u201eEin \u00dcberfl\u00fcssiger verl\u00e4sst sich auf den anderen.\u201c<\/p>\n<h4>Nichts in der Welt darf \u00fcberfl\u00fcssig sein<\/h4>\n<p>Bei der Religion besteht immer die Gefahr, dass sich ein \u00dcberfl\u00fcssiger auf den anderen verl\u00e4sst. Das gilt f\u00fcr die Priester genauso wie f\u00fcr die Gl\u00e4ubigen. Meistens geht es dabei gar nicht um Religion: Die Zeremonien werden als eine Art von Geselligkeit, als ein Familientreffen ohne jede religi\u00f6se Bedeutung verstanden. Mir geht es darum, alles \u00dcberfl\u00fcssige aus der Religion zu entfernen. Wenn man von den \u00dcberfl\u00fcssigkeiten absieht, lehren alle Glaubensrichtungen das selbe. Wenn man sich allerdings auf das \u00dcberfl\u00fcssige &#8211; sei es \u201eeinfache Praxis\u201c oder \u201edie andere Kraft\u201c oder was auch immer &#8211; versteift, dann ist es keine echte Religion mehr. Wenn Tsuji fordert, dass die Menschen erwachsen werden m\u00fcssen, dann bedeutet das f\u00fcr die Religionen nur eines: Sie m\u00fcssen sich vom \u00dcberfl\u00fcssigen trennen.<\/p>\n<p>Das alte Testament spricht von der Erschaffung des Menschen nach dem Bild Gottes. Eine gute Maxime: Forme den Menschen nach dem Ebenbild Gottes. D\u014dgen Zenji spricht von der Buddhapraxis innerhalb des Lebenswandels (jap. Gyobutsu-iigi). Das bedeutet, so zu leben wie ein Buddha. Deshalb hat es nichts mit Religion zu tun, zu sagen: \u201eIch glaube an das, aber du sagst dies.\u201c<\/p>\n<p>Es kommt nicht darauf an, was die Leute sagen, es kommt darauf an, was wir tun. Irgendjemand sagte einmal, dass verschiedene Religionen so wie verschiedene W\u00e4hrungen sind. Heute wissen das wohl nur noch die ganz Alten, oder vielleicht ein paar Wirtschaftshistoriker: Selbst innerhalb Japans hatte fr\u00fcher jede kleine Provinz ihre eigene W\u00e4hrung. Hier in der Stadt Ono wurde Geld gedruckt, das au\u00dferhalb der Stadt keinen Wert hatte. Ich komme aus einer armen Familie in Tsu, aus der Ise-Region. Da gab es die Kleinprovinz Todo, die auch ihre eigene W\u00e4hrung hatte, die jeglichen Wert verlor, wenn man sie \u00fcber die Provinzgrenze mitnahm.<\/p>\n<p>Auch heute h\u00f6re ich noch: Bei euch mag es so sein, bei uns ist es anders. Unser Geistesfrieden, unser Satori, unser gl\u00e4ubiges Herz hat mit dem euren nichts zu tun. Es ist ein gro\u00dfer Irrtum, wenn sich Religionen so aufspielen wie die W\u00e4hrung einer Kleinprovinz, die nur innerhalb der eigenen, engen Grenzen verst\u00e4ndlich ist. F\u00fcr einen Sch\u00fcler Shakyamuni Buddhas darf es nur eine Wirklichkeit geben, die \u00fcberall g\u00fcltig ist. In dieser einen Wirklichkeit gibt es kein einziges Ding, das \u00fcberfl\u00fcssig w\u00e4re: Keine Privatangelegenheiten.<\/p>\n<p>Gro\u00dfmeister S\u014dsan sprach vom formlosen K\u00f6rper klarer und allumfassender Wachheitsnatur (Jap. Kakush\u014d-enmy\u014d-mus\u014d-no-shin). Sch\u00f6ne Worte. Aber auf die Worte kommt es nicht an, sondern auf den Inhalt: Der formlose K\u00f6rper klarer und allumfassender Wachheitsnatur. Die gemeinsame Wurzel, aus der Himmel und Erde und ich entspringen. Die alten Meister sprechen auch von der Einheit des Selbst mit den zehntausend Dingen.<\/p>\n<p>D\u014dgen Zenji verwendet den Ausdruck \u201estinkender Fleischsack\u201c. Wir sind alle stinkende Fleischs\u00e4cke. Ich merke das selbst: Im Alter fange ich an, mehr und mehr zu stinken. Es w\u00e4re eine Verschwendung des Lebens, wenn sich alles nur um diesen stinkenden Fleischsack dreht. Den Buddhaweg zu praktizieren bedeutet, diesen Leib auf eine kosmische Weise zu verwenden, auf eine Weise, die \u00fcber Raum und Zeit hinausgeht: Als den formlosen K\u00f6rper klarer und allumfassender Wachheitsnatur.<\/p>\n<h4>Woher kommt dieser individuelle Leib?<\/h4>\n<p>Wir haben ein Ego, und damit f\u00e4ngt das Schlamassel an. Denn unser Ego trennt diesen Fleischsack von dem n\u00e4chsten. Es gab eine Zeit, als M\u00e4nner und Frauen noch nicht verschieden waren. Nat\u00fcrlich gab es da auch keine Armen und keine Reichen. Man musste auch nicht essen, um zu leben. Das behauptet wenigstens eines der Sutren, das Sutra vom \u201eGrund, aus dem die Welt entstand\u201c (jap. Kisei-in-honky\u014d). In diesem Sutra hatten es die Menschen noch nicht n\u00f6tig, zu essen. Sie brauchten auch ihre Taschenlampen noch nicht, sie brauchten noch nicht einmal Sonnenlicht. Da gab es weder arm noch reich, keine M\u00e4nner und keine Frauen. Sie lebten wie die G\u00f6tter.<\/p>\n<p>Da kam eines Tages einer auf die Idee, ein bisschen vom Erdboden zu probieren. Und es hei\u00dft, der Erdboden habe so gut geschmeckt wie ein Reiskuchen. Das war fast so wie mit der Menschheit heute, die Atom- und Wasserstoffbomben erfunden hat und ganz begeistert ist dar\u00fcber: \u201eLecker, lecker! Mehr davon!\u201c<\/p>\n<p>Und als alle anfingen zu essen, wurden sie pl\u00f6tzlich auch sehr durstig. Da probierte einer das Wasser aus einem T\u00fcmpel, und es hei\u00dft, es habe geschmeckt wie himmlischer Nektar. Und wieder ging es los: \u201eLecker, lecker!\u201c Nachdem der Mensch feste und fl\u00fcssige Nahrung zu sich genommen hatte, fing es an in seinem Inneren zu rumoren. Und bevor er sich versah, \u00f6ffnete sich sein Hinterteil und es stank. Und die Fl\u00fcssigkeiten kamen vorne wieder heraus. Auf der Vorderseite gab es dann zwei verschiedene Varianten. Die einen hatten da einen kleinen Schlauch, das war sehr praktisch. Die anderen hatten den Schlauch nicht, die mussten sich zum Pinkeln hinhocken.<\/p>\n<p>Und so wie es zwischen elektrischen und magnetischen Polen eine Anziehung gibt, gab es auch hier eine Anziehung: Der Schlauch auf der einen Seite schien genau zu passen an der Stelle, wo bei den anderen kein Schlauch war: \u201eAh, wie das kitzelt, oh, mehr, mehr!\u201c Und so ging es tiefer und tiefer. Und dann&#8230; na, ihr wisst schon. Und die, die keinen Schlauch hatten, die bekamen einen gro\u00dfen Bauch und dann wurde ein Baby geboren.<\/p>\n<p>Pl\u00f6tzlich schmeckte der Erdboden nicht mehr gut genug, da fingen die Menschen an, wilde Reis- und Weizengr\u00e4ser zu essen. Deren Samen hatten noch keine feste Schale, es reichte deshalb, die Pflanzen frisch zu ernten und gut zu kauen. Und alle bauten sich ihren eigenen Unterschlupf, damit sie in Ruhe den Schlauch einf\u00fchren k\u00f6nnen. Bald fing jeder an, Proviant im eigenen Unterschlupf zu horten. Auf diese Weise erfand der Mensch seine Gier.<\/p>\n<p>Mit der Entwicklung der Gier wuchsen die individuellen Vorr\u00e4te, doch die Reisk\u00f6rner begannen, von einer festen Schale \u00fcberwachsen zu sein. Also musste der Mensch Wege finden, den Reis aus seiner Schale zu stampfen und zu dreschen. Je gr\u00f6sser die Gier wurde, desto erfinderischer wurde der Mensch. Er beschloss, das Land zu bestellen um die Ernte zu erh\u00f6hen. Dazu musste er den Reis jedes Jahr neu auss\u00e4hen. Alles war pl\u00f6tzlich mit Arbeit verbunden.<\/p>\n<p>Da kam es vor, dass einer den Reis schnitt den ein anderer ausgepflanzt hatte: Die Erfindung des Diebstahls! Und dabei l\u00e4sst es sich nicht bewenden: \u201eHey, was machst du mit meinem Reis!?\u201c, erbost sich der eine. Der andere erwidert: \u201eWieso, haben wir denn nicht seit alters her diesen Reis gegessen?\u201c Und wieder der erste: \u201eF\u00fcr wie bl\u00f6d h\u00e4lst du mich eigentlich?\u201c Und auf diese Weise wurde der Streit zwischen den Menschen erfunden.<\/p>\n<p>Nach der Erfindung des Diebstahls und des Streites musste nat\u00fcrlich als n\u00e4chstes die Wachmannschaft erfunden werden. Und mit der Wachmannschaft kamen wieder andere, die noch st\u00e4rker waren. So wurde Mord und Todschlag erfunden. Die Wachmannschaften schlossen sich zusammen zu Banden und Armeen und nannten sich \u201ePolizei\u201c, \u201eSchutzkorps\u201c, \u201eWehrmacht\u201c oder wie auch immer. Und dann war auf einmal alles so wie heute: \u201eR\u00fcck dein Geld raus und ich werde dich besch\u00fctzen.\u201c<\/p>\n<p>So wie auch im Christentum Mann und Frau nicht von Anfang an getrennt waren, sieht auch dieses Sutra den \u201eGrund, aus dem die Welt entstand\u201c als eine grunds\u00e4tzliche Einheit. Unser Problem ist, dass wir diesen formlosen K\u00f6rper klarer und allumfassender Wachheitsnatur als das Eigentum unseres individuellen Egos betrachten.<\/p>\n<h4>Die ewige Illusion: Ich&#8230;<\/h4>\n<p>Gachi ist die Ignoranz. Du wei\u00dft nicht, warum du geboren wurdest. Bevor du dir der Sache bewusst warst, wurdest du hinaus geworfen in die Welt. Dein Leben ist ziellos, wie eine lange Irrfahrt durch die Nacht. Du wei\u00dft nichts, und selbst das was du nicht. Deshalb ist diese Ignoranz so heimt\u00fcckisch.<\/p>\n<p>Gaken ist deine eigene Meinung. Du h\u00e4lst dich f\u00fcr schlau. Jeder von uns glaubt an seinen Verstand, an sein pers\u00f6nliches Urteil. So f\u00e4ngt der Streit an.<\/p>\n<p>Gaman ist der Vergleich mit den anderen: Wer von uns beiden ist der Bessere? Das ist auch der Grund, weshalb Sport heute so popul\u00e4r ist. Die Komazawa Universit\u00e4t hat ein Baseballfeld, das so hell beleuchtet ist, dass die Studenten im Wohnheim nebenan nicht das Licht einschalten m\u00fcssen, um B\u00fccher zu lesen. Die ganze Nacht durch bleibt das Flutlicht angeschaltet. Gew\u00f6hnliche Menschen machen ein schl\u00e4friges Gesicht, wenn es nicht um Sieg oder Niederlage geht. Sport selbst ist nichts Schlechtes. Es liegt nur in der Natur des Menschen, dass er sich st\u00e4ndig reckt und wissen will, wer denn jetzt der Gr\u00f6ssere ist. Aber das ist kindisch.<\/p>\n<p>Shakyamuni Buddha sagte: \u201eDie ganze Welt ist meine Existenz, und die leidenden Wesen darin sind alle meine Kinder.\u201c<\/p>\n<p>Shakyamuni Buddha geht es nicht um Gewinn und Verlust. Amithaba Buddha spricht vom Licht, das das ganze Universum ungehindert erleuchtet. Er sagt auch: Grenzenloses Leben. Wie gesagt muss es uns darum gehen, den Menschen nach dem Ebenbild Gottes zu erschaffen. Daf\u00fcr ist es wichtig, besseres zu tun als mit den anderen zu vergleichen, wer es ein paar Zentimeter h\u00f6her oder weiter schafft. Das Kriterium muss bei Shakamuni oder Amithaba liegen.<\/p>\n<p>Ich habe mal ein Photo von einem riesigen Sumo-Ringer gesehen, der nach einem verlorenen Kampf anfing zu weinen. Schade um das viele Fett! Wen interessieren schon Sieg oder Niederlage? Wenn du verlierst, verliere einfach. Als Ry\u014dkan\u00a0 von einem Verwandten, dem Haus und Hof abgebrannt waren, um Rat gefragt wurde, wie er dem Ungl\u00fcck entfliehen k\u00f6nne, meinte Ry\u014dkan: \u201eIm Ungl\u00fcck sollst du ungl\u00fccklich sein, wenn du stirbst, musst du einfach nur sterben. Auf diese Weise kannst du jedem Ungl\u00fcck entkommen.\u201c Wie kindisch es doch ist, sich da \u00fcber Sieg oder Niederlage aufzuregen.<\/p>\n<p>Am Schluss kommt Gaai, die Selbstliebe. Du magst dich selbst am allerliebsten. F\u00fcr dich ist nicht alles gleich: Nein, das hier, du selbst, ist das Allerwichtigste.<\/p>\n<h4>Jeder von uns f\u00fcllt das ganze Universum aus<\/h4>\n<p>Das, was das ganze Universum ausf\u00fcllt &#8211; gro\u00df und weit, unbefleckt und ohne Grenzen &#8211; wird der formlose K\u00f6rper klarer und allumfassender Wachheitsnatur genannt. Das bedeutet zum einen den K\u00f6rper Buddhas, aber gleichzeitig auch jeden einzelnen von uns, der wahren Glauben findet. Die Frage ist nur, ob wirklich jeder von uns diesen K\u00f6rper finden kann, oder nicht?<\/p>\n<p>Und die Antwort ist: Ja, jeder kann sich diesen K\u00f6rper zu eigen machen, und zwar jetzt, in diesem Augenblick. Das bedeutet es, den Menschen nach dem Ebenbild Buddhas zu erschaffen. Dabei kommt es auf die genaue Form an. Versuche zum Beispiel einmal, die H\u00e4nde in Gassho\u014d zusammenzulegen und dich dabei mit jemandem zu streiten. Am Besten indem du dabei noch den Namen Amithaba Buddhas anrufst, oder das Daihi-shin-darani rezitierst. Ist es nicht komisch? Mit H\u00e4nden in Gassho gelingt dir kein Streit.<\/p>\n<p>Takayama Chogy\u016b sagte: \u201eWir m\u00fcssen \u00fcber die gegenw\u00e4rtige Zeit hinausblicken.\u201c Das bedeutet, dass wir \u00fcber genug inneren Spielraum verf\u00fcgen m\u00fcssen, um einen \u00dcberblick \u00fcber die Zeit selbst zu gewinnen. Kein Wunder, wenn innerhalb der gegenw\u00e4rtigen Zeit nur darum gestritten wird, wer die gr\u00f6ssten N\u00fcsschen hat.<\/p>\n<p>Um diesen Streiterein zu entrinnen gibt es nur eines: Wir m\u00fcssen endlich erwachsen werden. Kinder streiten sich. Die Eltern sehen zu: \u201eWas ist das heute wieder f\u00fcr ein Heidentheater!\u201c Wenn sich die Kinder streiten, m\u00fcssen wir den Standpunkt eines Vaters einnehmen. Wie s\u00e4he beispielsweise der Streit zwischen Amerika und der Sowjetunion aus dem Blickwinkel Gottes oder Buddhas aus? Was wir brauchen ist ein innerer Spielraum, der gro\u00df genug ist, um die Dinge von einer hohen Warte aus zu betrachten. Das Beste w\u00e4re es allerdings, wenn ich den Generalsekret\u00e4r der KPdSU und den amerikanischen Pr\u00e4sidenten dazu bringen k\u00f6nnte, sich zusammen hinzusetzen zum Zazen. Dann w\u00fcrde ich mit dem Ky\u014dsaku herumgehen und rufen: \u201eHoppla, streckt die Wirbels\u00e4ule!\u201c<\/p>\n<p>Du musst bei dir selbst anfangen. Es geht um dich. Oft sagen die Menschen dummes Zeug wie: \u201eWart&#8217;s nur ab!\u201c Oder: \u201eIrgendwann werd&#8216; ich&#8217;s dir noch zeigen!\u201c In Wirklichkeit geht es nur um diesen einen Moment, hier und jetzt. Wer wei\u00df, vielleicht bin ich morgen fr\u00fch schon tot. Keiner von uns kann sich so sicher sein, dass er morgen noch einmal die Sonne aufgehen sieht.<\/p>\n<p>Du musst noch nicht einmal bis morgen warten. Der Buddhismus lehrt, dass w\u00e4hrend des Zeitraums, der beim Schnippsen der Finger verstreicht, das Universum 65 mal entsteht und wieder vergeht. Dieser Zeitraum wird ein Ksana genannt. W\u00e4hrend ich jetzt mit den Fingern schnippse, verstreichen 65 Ksana. In jedem einzelnen dieser Ksana-Augenblicke sterben wir und werden neu geboren. Kein Wunder also, dass wir nicht wissen, wann wir sterben werden. Ich bin jetzt achtzig, da ist es mir nicht mehr so wichtig, wann und wo ich sterbe. Ich tue was ich will, sage was ich will und werde daf\u00fcr noch gef\u00fcttert &#8211; was will ich mehr?<\/p>\n<p>Nukariya Kaiten verstand sich auf das Sterben: Er starb w\u00e4hrend eines Vortrags. Wenn ich im Bett einer Geliebten st\u00fcrbe, dann w\u00fcrde das meinem Ruf schon sehr schaden. Andererseits: Wer w\u00fcrde wirklich glauben, dass ich mit achtzig noch eine Geliebte hatte? Wie dem auch sei, ich habe keine Ahnung, wann und wo es mich erwischen wird.<\/p>\n<h4>Feuerpause!<\/h4>\n<p>Grossmeister T\u014dzan fordert uns auf, die Dinge vom Standpunkt des Todes aus zu \u00fcberdenken. Wenn wir vom Tod aus \u00fcber die Dinge nachdenken, dann denken wir mit dem formlosen K\u00f6rper klarer und allumfassender Wachheitsnatur. Zu Streitereien kommt es dagegen, wenn wir \u00fcber die Dinge nachdenken w\u00e4hrend wir mit H\u00e4nden und F\u00fcsen um uns schlagend durch das Leben hindurch geschleift werden. Wer vom Tod aus \u00fcber das Leben nachdenkt, wird keinen Fehler machen. Da wir aber nicht so einfach sterben k\u00f6nnen, praktizieren wir statt dessen Zazen. Zazen ist keine Arbeit. Zazen bedeutet, sich aus der Welt der Menschen zu verabschieden.<\/p>\n<p>Die Menschen wollen sich alles mit dem Abakus ausrechnen. Es geht um Rang und Namen und anderes, \u00fcberfl\u00fcssiges Zeug. Karriere. Manche verwenden ihr Hirn und ihren Leib nur zum Kalkulieren, wie sie so schnell wie m\u00f6glich ins Parlament gew\u00e4hlt werden k\u00f6nnen. Als n\u00e4chstes wollen sie ins Kabinett aufgenommen werden, und dann m\u00fcssen sie Premierminister werden. Dann wendet sich der Spie\u00df f\u00fcr die Armen: Wenn sie sich endlich am Ziel ihrer Tr\u00e4ume w\u00e4gen, fangen die Journalisten an, in ihrem Privatleben herumzukramen. Wieviel hat die Villa am See gekostet? Woher kam das ganze Geld? Erst kocht es nur in der Ger\u00fcchtek\u00fcche, dann tauchen immer mehr Information auf, genaue Zahlen werden recherchiert. Macht das wirklich soviel Spa\u00df, wenn die Leute \u00fcber einen herfahren? Offenbar, den trotz allem wollen sie sich nicht von Amt und W\u00fcrden trennen, h\u00e4ngen daran als ginge es um ihr Leben selbst. Sehr seltsam.<\/p>\n<p>Wir machen uns unseren Stress selber. Wir laufen um die Wette, strecken uns, um zu sehen, wer der L\u00e4ngste ist. Wir m\u00fcssen uns von diesem Wettbewerb verabschieden, eine Pause einlegen. Das nenne ich Sterben, oder mit anderen Worten: Zazen, Feuerpause! Wir leben unser Leben so, als k\u00e4mpften wir an forderster Front, das Maschinengewehr immer auf den Feind gerichtet: Rattatata&#8230;! Jetzt stell dir vor, eine Trompete g\u00e4be das Signal: Stellt das Feuer ein, Feuerpause!<\/p>\n<p>Im echten Krieg h\u00f6rte man nat\u00fcrlich keine Trompeten blasen. Aber auf dem Truppen\u00fcbungsplatz oder beim Man\u00f6ver, da war das wirklich so. Einmal war ich bei einer \u00dcbung in Shizuoka dabei, da waren wir auf einem weiten Feld vom \u201eFeind\u201c umgeben. Ich fing bereits an, mir Sorgen zu machen, dass wir in Kriegsgefangenschaft k\u00e4men. Idiotisch, nicht wahr? Aber selbst beim Man\u00f6ver kommt es vor, dass man als Kriegsgefangener behandelt wird. Als ich gar nicht mehr aus und ein wusste, h\u00f6rte ich pl\u00f6tzlich die Trompete blasen und alles war vorbei: Wir schulterten unserer Gewehre und marschierten zur\u00fcck ins Lager.<\/p>\n<p>Das Leben l\u00e4sst sich nicht so einfach meistern. Doch wenn wir unsere ganze Enerige darauf verwenden, es den anderen noch schwerer zu machen als uns selbst, kein Wunder dass die ganze Welt eine Neurose bekommt. Religi\u00f6se Praxis &#8211; egal ob es sich um Zazen oder Anrufung Buddhas oder Rezitation der Sutren oder Verbeugungen oder was auch immer handelt &#8211; muss wie eine Feuerpause im Leben sein.<\/p>\n<p>Die Menschen stellen sich nach Rang geordnet auf, und dann wird abgez\u00e4hlt: Eins, zwei, drei, vier&#8230; Ich stehe ganz vorne in der ersten Reihe, du ganz hinten, der achte von links. Doch wenn es heisst: \u201eWegtreten!\u201c &#8211; dann l\u00f6st sich die Rangordnung auf. Es kommt darauf an, dich nach dem Ebenbild Buddhas zu erschaffen. Allerdings versteht das keiner von uns selbst. Du verstehst nicht, wie erhaben das ist, wie ein Buddha zu leben. Du verstehst es nicht, wenn es um dich selbst geht, aber wie sieht es in den Augen eines anderen aus?<\/p>\n<h4>Das Ereignis, das den Lauf meines Leben bestimmte<\/h4>\n<p>Ich kann mich heute noch genau daran erinnern, wie ich in der Nacht des 10. Juni 1896 aus dem Haus meiner Adoptiveltern in Ise weglief. Ein Priester in einem Tempel der Shin-Schule gab mir drei Kilo Reis mit auf den Weg, den ich auf der Reise roh kaute. Von Ise ging es zun\u00e4chst nach Kuwana, von dort nachts mit dem Boot nach \u014cgaki, wo ich an Land ging und bis zur Jiz\u014d-Statue in Kinomoto wanderte. Da war es bereits 10 Uhr nachts, und ich konnte kaum noch gehen. Ich wartete bis zum Morgengrauen, dann ging es weiter \u00fcber den Yanagigase- und Tochinoki-Pass hinunter nach Imaj\u014d, wo ich wieder bei einer Jiz\u014d-Statue n\u00e4chtigte. Als n\u00e4chstes wurde ich vom Regen geweckt. Mir ging es um mein Leben, da konnte mich auch der Regen nicht mehr aufhalten. Am n\u00e4chsten Tag brach ich zum Eiheiji auf. Als ich Fukui erreichte, ging die Sonne unter, und als ich in die Berge kam, war es bereits stockdunkel. Da ich mir mein Geld damit verdient hatte, Papierlaternen zu reparieren, hatte ich mir f\u00fcr meine Reise eine Odawara-Laterne mitgenommen. Der Shin-Priester, von dem ich auch den Reis hatte, gab mir daf\u00fcr zwei Kerzen mit, und Streichh\u00f6lzer hatte ich in der Tasche, allerdings ganz nass. Mit meiner letzten Hoffnung rieb ich alle Streichh\u00f6lzer zusammen an, und mit einem Zischen entfachten sie sich! Ich steckte die Kerze an und lief weiter \u00fcber den n\u00e4chsten Pass bis hin zum Eiheiji, das waren noch drei Kilometer.<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter wurde ich vom Eiheiji in den Ry\u016bunji geschickt, der in der Sakai-Provins liegt. Ich sollte w\u00e4hrend O-Bon aushelfen, den Feiertagen im Sommer zum Gedenken der verstorbenen Ahnen. Auf der Leiter stand ich nat\u00fcrlich ganz unten, an letzter Stelle. Ich hatte noch nicht einmal ein richtiges M\u00f6nchsgewand. Die Nonne im Hakujuan, einem kleinen Tempel vor dem Tor des Eiheiji, hatte mir etwas zusammen gen\u00e4ht. Das sah so aus, als h\u00e4tte sie ein Gewand, das irgendein Wanderm\u00f6nch am Wegesrand weggeschmissen hat, mit Putzlappen ausgeflickt. Meine G\u00fcte, war der Stoff dick und schwer&#8230; und das in der Sommerhitze! Meine Aufgabe war es, bei der Zeremonie dem Priester im Tempel mit einem gro\u00dfen F\u00e4cher von hinten k\u00fchlen Wind zu zu wehen. Und als ich mit gro\u00dfer Stimme bei der Rezitation des Sutras mitmachte, schrie er w\u00fctend: \u201eWas br\u00fcllst du so? Sutren rezitiert man nicht so laut!\u201c Danach murmelte ich nur noch vor mich hin.<\/p>\n<p>Nach dem die Zeremonien vorbei waren nahm der Gemeindevorsteher M\u00f6nche, die aus dem Eiheiji zum Aushelfen gekommen waren, mit auf eine Erholungsreise. Ich glaube es ging nach Mikuni. Aber als der j\u00fcngste und geringste unter den M\u00f6nchen war ich es nicht wert, mit auf die Reise genommen zu werden: \u201eDu kannst hier bleiben und dich ausruhen!\u201c<\/p>\n<p>Also blieb ich mit der alten K\u00f6chin zur\u00fcck, um Tabletts und Schalen mit trockenen T\u00fcchern zu wischen und wegzur\u00e4umen. Diese Alte befahl mir gew\u00f6hnlich Wasser zu holen oder den Boden zu wischen, oder motzte mich an, wenn ich die Wischlappen nicht richtig auswrang. Nur an diesem Tag sagte sie mir, dass ich einfach tun solle, was mir Spa\u00df macht. Da ich es aber nie leicht gehabt hatte, nach dem meine leiblichen Eltern gestorben waren, wusste ich gar nicht, was das hei\u00dft: \u201eSpa\u00df haben\u201c. Selbst heute wei\u00df ich nicht so genau, was damit eigentlich gemeint ist. Also wusste ich nichts mit mir &#8211; mit diesem Leib &#8211; anzufangen, als mir gesagt wurde, ich solle tun, was mir Spa\u00df macht. Im Eiheiji hatte man mir beigebracht, wie man Zazen macht, und ich beschloss, bei dieser Gelegenheit einfach ein bisschen zu sitzen. Ich platzierte meinen Hintern auf ein Kissen und setzte mich in Zazen.<\/p>\n<p>Pl\u00f6tzlich marschierte die Alte in den Raum, um ein paar Schalen im Wandschrank zu verstauen. Wahrscheinlich hatte sie geglaubt, dass ich, dieser kleine M\u00f6nch, sich irgendwo in einem Hinterzimmer verkrochen hat, um einen Mittagsschlaf zu halten. Da riss sie den Mund auf vor \u00dcberrschung, als sie mich mitten im Raum in Zazen sitzen sah. Sie faltete die H\u00e4nde und betete mich an, fast so, als sei ich der Buddha Shakyamuni pers\u00f6nlich.<\/p>\n<p>Das bestimmte die Richtung meines Lebens. Ich wusste doch gar nichts \u00fcber die Theorie des Zazen, da war auch niemand gewesen, den ich h\u00e4tte fragen k\u00f6nnen. Und trotzdem verbeugte sich diese Alte so ehrfurchtssam vor mir, als w\u00e4re ich ein Buddha. Warum? Mir kam es vor wie ein Wunder. Aus welchem Grund auch immer, ich wusste wirklich nicht wieso, verbeugte sich vor meinen Augen diese alte Frau. Ich beschloss, dass ich Zazen f\u00fcr den Rest meines Lebens praktizieren werde. Und wenn ich selbst heute noch das ganze Land bereise, um Vortr\u00e4ge zu halten, dann tue ich das nur f\u00fcr Zazen. Auch meinen Posten an der Komazawa-Universit\u00e4t habe ich nur, um Zazen zu lehren.<\/p>\n<h4>Wenn du sitzt, bist du Buddha<\/h4>\n<p>Probieren geht \u00fcber Studieren, der praktische Beweis z\u00e4hlt mehr als jede Theorie. Ich sa\u00df in Zazen und wurde verehrt wie ein Buddha. Warum, das wusste ich nicht. Es ist auch nicht n\u00f6tig zu wissen, weshalb das so funktioniert. In einem Buch mit dem Titel \u201eGeschichten von schr\u00e4gen V\u00f6geln der Neuzeit\u201c (jap. Kinsei-kijinden) hei\u00dft es: \u201eEin echter schr\u00e4ger Vogel hat nicht die geringste Ahnung davon, dass er ein schr\u00e4ger Vogel ist. Er glaubt, dass er der normalste Mensch der Welt ist. Nur in den Augen der anderen erscheint er als ein schr\u00e4ger Vogel.\u201c<\/p>\n<p>Zazen ist erhaben, Zazen ist Satori, Zazen ist das Leben Buddhas &#8211; aber davon merkst du selbst nichts. Du merkst es nicht, aber in den Augen der anderen erscheinst du als Buddha. Sie verehren dich so, als w\u00e4rst du der Buddha pers\u00f6nlich.<\/p>\n<p>Irgendwann wurde ich einmal von einem Reporter gefragt, was mit uns passiert, wenn wir Zazen praktizieren. Meine Antwort war: \u201eWenn du sitzt, bist du Buddha!\u201c Der Reporter, der bis dahin immer nur \u201ehm, hm, ich verstehe\u201c gesagt hatte, rief erschrocken aus: \u201eNein, das meinen Sie doch nicht ernst!\u201c<\/p>\n<p>Wenn du jemandem etwas wegnimmst, bist du ein Dieb. Im selben Augenblick bist du ein Dieb. Du musst nicht warten, bis dich die Polizei erwischt, du vor&#8217;s Gericht gestellt wirst und der Richter dich verurteilt. Wer stiehlt ist ein Dieb. Und das selbe gilt auch f\u00fcr Zazen. Vorhin nannte ich das die Erschaffung des Menschen nach dem Ebenbild Buddhas. Zazen ist gro\u00df und weit, der K\u00f6rper Buddhas f\u00fcllt das ganze Universum.<\/p>\n<p>Der Reporter fragte mich auch, ob es nicht um\u00f6glich sei, den Buddhadharma zu lehren, ohne in einem Tempel zu wohnen. Wieso? D\u014dgen Zenji sagte, dass &#8211; egal an welchem Ort unter oder \u00fcber dem Himmel du dich befindest &#8211; genau an der Stelle, wo du gerade bist, ewiger Friede (jap. Eihei) zu finden sei. Wo immer du Zazen \u00fcbst, findest du ewigen Frieden. F\u00fcr mich ist deshalb jeder Ort ein Ort des Weges, auch wenn ich nicht in einem Tempel wohne. Wo ich bin, ist ewiger Frieden. D\u014dgen Zenji spricht auch vom \u201eBerg des Gl\u00fccks\u201c: Alle Buddhas versammeln sich an diesem Ort, deshalb ist dieser Ort der Ort h\u00f6chsten Gl\u00fccks. Wo immer wir sitzen, wir sitzen auf dem Berg des Gl\u00fccks, wir sitzen im reinen Land des Buddha Amithaba. Das gilt f\u00fcr jeden Ort, wo hin mich meine Reisen auch f\u00fchren.<\/p>\n<p>Fr\u00fcher haben wir hier am Morgen vor dem Vortrag auch zusammen Zazen ge\u00fcbt, aber dieses Mal ist das leider nicht m\u00f6glich, weil ich heute morgen erst vom Daij\u014dji in Kamazawa aufgebrochen bin, und morgen in Fukui wieder einen Vortrag halten muss. Mein Besuch hier ist eingequetscht zwischen diese anderen Termine, da fehlt mir die Zeit. Morgen, nach dem Vortrag in Fukui, geht es dann gleich weiter nach Kyoto. Schwerstarbeit f\u00fcr meinen alten Leib, aber das l\u00e4sst sich nicht \u00e4ndern. Ich f\u00fchle mich wie ein Esel, dem man zu seiner Last immer noch ein kleines Extra-Paket aufb\u00fcrdet.<\/p>\n<p>Erschaffe den Menschen nach dem Ebenbild Buddhas, ohne dir Gedanken dar\u00fcber zu machen, wie gut du dabei aussieht. Im D\u014dshin-Kapitel des Sh\u014db\u014dgenz\u014d fordert uns D\u014dgen Zenji auf, das Kesa-Gewand anzulegen und in Zazen zu sitzen, denn durch das Kesa k\u00f6nnen wir die Befreiung in drei Leben finden. Damit bezieht er sich auf die Nonne Utpalavarna, die in einem fr\u00fcheren Leben eine Prostituierte gewesen war. Eines Tages legte sie das Kesagewand an, um ihre Kunden mit einem Tanz zu am\u00fcsieren. Es hei\u00dft, dass sie im n\u00e4chsten Leben zur Nonne wurde, und in einem folgenden Leben schlie\u00dflich zu einer Sch\u00fclerin von Shakyamuni Buddha, unter dem sie die Befreiung als Arhat fand. Deshalb wird von der Befreiung in drei Leben gesprochen, und es hei\u00dft auch, dass Zazen \u00fcber die drei Welten hinaus gehe. Die drei Welten sind die Welt der Begierde, die Welt der Form und die formlose Welt. Alle unsere Illusionen haben ihre Wurzeln in diesen drei Welten. Die Welt der Begierde besteht aus der H\u00f6lle, den hungrigen Geistern, Tieren, k\u00e4mpfenden D\u00e4monen, Menschen und HImmelswesen. Die Welt der Form und die formlose Welt liegen dar\u00fcber. Solange wir unsere Illsuionen nicht entwurzeln, befinden wir uns in den drei Welten. Zazen ist keine Lehre der drei Welten. Es ist die Lehre der Buddhas und Patriarchen, die \u00fcber die drei Welten hinausgeht. So wie ein Dieb nicht der Lehre eines Rechtschaffenden folgt, sondern der Lehre der Diebe.<br \/>\n<div class=\"demo-sep sep-none\" style=\"margin-top:40px;\"><\/div>\n<h4>Das Geheimnis der Religion liegt in der Verbeugung<\/h4>\n<p>Ein andere wichtige Praxis ist die Verbeugung. Unter dem Titel \u201eVerbeugung\u201c (jap. Raihai) hat D\u014dgen Zenji ein Gedicht verfasst:<\/p>\n<p>\u201eDas Wintergras ist nicht zu sehen\/Auf der schneebedeckten Flur\/Ein Reiher verbirgt sich\/In seiner eigenen Gestalt\u201c<\/p>\n<p>Ein wei\u00dfer Reiher auf wei\u00dfen Grund ist genauso wenig zu sehen wie das Wintergras unter dem Schnee. Nahtlos verbunden mit allem. Sich zu verbeugen ist eine wunderbare Sache: Das Geheimnis des Buddhismus liegt hier verborgen. Insofern unterscheidet sich eine Verbeugung auf keinste Weise vom Zazen. Wer sich verbeugt legt sich auch zum Schlafen nieder, wer Zazen praktiziert rechnet auch mit dem Abakus, denn alles im Universum ist mit einander verbunden. Ich und alle Dinge haben die selbe Wurzel: Gro\u00dfe, unbegrenzte Weite. Die Praxis des Buddhismus ist nicht so komliziert. Praxis bedeutet, sich einfach zu verbeugen. Den Namen Buddhas anzurufen ist ebenfalls Praxis. Zazen ist Praxis. Es geht darum, es einfach zu tun.<\/p>\n<p>Der eine f\u00e4chert sich Wind zu beim halbherzigen Rezitieren der Sutren, w\u00e4hrend der andere daf\u00fcr bezahlt und hinter seinem R\u00fccken ein Nickerchen h\u00e4lt: So etwas ist \u00fcberfl\u00fcssig. Praxis bedeutet einfach das, was du jetzt tust, ganz zu tun. Wenn du es ganz tust, dann ist alles, wirklich alles was du tust, eins mit Zazen. Gehen ist Zen, Sitzen ist Zen, im Sprechen wie im Schweigen, in der Aktivit\u00e4t wie in der Stille findet dein K\u00f6rper Ruhe und Frieden.<\/p>\n<p>Den Geist des Glaubens zu haben bedeutet deshalb, mit allem was du tust ganz eins zu sein. Sei eins mit deinem Leben. So einen nennt man einen Buddha, einen Erwachten. Im Shin-Buddhismus spricht man vom leuchtenden Antlitz (jap. K\u014dgengigi) eines solchen Buddhas.<\/p>\n<p>Wie gesagt: Es wird h\u00f6chste Zeit, dass wir erwachsen werden. Wir m\u00fcssen den Buddhaweg in unserem t\u00e4glichen Leben in die Praxis umsetzen.<\/p>\n<p><b>(Vortrag gehalten am 20. August 1959, in der Stadt \u014cno)<\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sind wir nicht alle sehr gew\u00f6hnliche Menschen? von Sawaki K\u014dd\u014d R\u014dshi Ein Auszug aus dem Buch &#8222;Tag f\u00fcr Tag ein guter Tag&#8220; von Sawaki R\u014dshi, das im April 2008 im Angkor-Verlag erschienen ist. Das Buch kann im Buchhandel oder bei\u00a0Amazon\u00a0bestellt werden. Wir unterscheiden uns nur in dem, woran wir festhalten \u201eWas du f\u00fcr richtig h\u00e4lst, halte ich f\u00fcr falsch. Was ich f\u00fcr richtig halte, h\u00e4lst du f\u00fcr falsch. Sind wir nicht beide sehr gew\u00f6hnliche Menschen?\u201c Das ist ein Zitat von Prinz Sh\u014dtoku aus dem zehnten Artikel seiner 17-Artikel-Verfassung. Das Zitat ist noch etwas l\u00e4nger, hier habe ich erstmal nur den wichtigsten Punkt aufgeschrieben. Alle Menschen haben ihre eigene, pers\u00f6nliche Meinung. Die Jugend von heute sagt \u00fcber die Leute der Meiji-Zeit, sie seien so stur, dass ihnen nicht mehr zu helfen ist. Die Menschen, die w\u00e4hrend der Meiji-Zeit aufwuchsen, erwidern dagegen: \u201eEs sind die jungen Leute heutzutage, denen man einmal auf die Spr\u00fcnge helfen sollte!\u201c Jeder von uns h\u00e4lt an etwas anderem fest. Deshalb fragt Prinz Sh\u014dtoku: \u201eDenkt nicht jeder Geist auf seine eigene Weise?\u201c Wir sind in verschiedenen L\u00e4ndern aufgewachsen, haben verschiedene Gene geerbt, verschiedene Gewohnheiten entwickelt und verschiedene Freundschaften geschlossen. Wir sind alle verschieden. Aber, noch einmal in den Worten der 17-Artikel-Verfassung: \u201eWas st\u00f6rt es uns, wenn die anderen anders denken als wir? Haben wir nicht alle unseren eigenen Sinn, und denkt nicht jeder Geist auf seine eigene Weise? Was du f\u00fcr richtig h\u00e4lst, halte ich f\u00fcr falsch. Was ich f\u00fcr richtig halte, h\u00e4lst du f\u00fcr falsch. Wer hat hier die Weisheit f\u00fcr sich gepachtet? Kannst du dir so sicher sein, dass ich im Irrtum bin? Kann ich mir so sicher sein, dass du im Irrtum bist? Sind wir nicht beide gew\u00f6hnliche Menschen?\u201c Dass [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":72,"menu_order":23,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"side-navigation.php","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"class_list":["post-4097","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/antaiji.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/4097","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/antaiji.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/antaiji.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/antaiji.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/antaiji.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4097"}],"version-history":[{"count":26,"href":"https:\/\/antaiji.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/4097\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":13633,"href":"https:\/\/antaiji.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/4097\/revisions\/13633"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/antaiji.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/72"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/antaiji.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4097"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}