{"id":4112,"date":"2013-05-10T09:35:12","date_gmt":"2013-05-10T09:35:12","guid":{"rendered":"http:\/\/antaiji.org\/?page_id=4112"},"modified":"2016-01-06T11:40:56","modified_gmt":"2016-01-06T11:40:56","slug":"%e3%81%84%e3%81%be%e8%87%aa%e6%ae%ba%e3%81%97%e3%82%88%e3%81%86%e3%81%a8%e6%80%9d%e3%81%84%e3%81%a4%e3%82%81%e3%81%a6%e3%81%84%e3%82%8b%e4%ba%ba%e3%81%b8-%e5%86%85%e5%b1%b1%e8%88%88%e6%ad%a3%e8%91%97","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/antaiji.org\/de\/services\/%e3%81%84%e3%81%be%e8%87%aa%e6%ae%ba%e3%81%97%e3%82%88%e3%81%86%e3%81%a8%e6%80%9d%e3%81%84%e3%81%a4%e3%82%81%e3%81%a6%e3%81%84%e3%82%8b%e4%ba%ba%e3%81%b8-%e5%86%85%e5%b1%b1%e8%88%88%e6%ad%a3%e8%91%97\/","title":{"rendered":"Unzufrieden mit Zazen?"},"content":{"rendered":"<h3>An dich, der du noch immer unzufrieden<br \/>mit deinem Zazen bist<\/h3>\n<p>von Uchiyama K\u014dsh\u014d R\u014dshi<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter  wp-image-4771\" alt=\"Muho\" src=\"https:\/\/antaiji.org\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/slider_\u00a9Huebner_2013aug_1530bc1-669x272.jpg\" \/><\/p>\n<p>Die Praxis einfachen Sitzens (Shikantaza), von der D\u014dgen Zenji spricht, ist das, was mein Lehrer Sawaki K\u014dd\u014d R\u014dshi als das &#8222;Zazen des Nur-Sitzens&#8220; lehrte. Deshalb stellt es auch f\u00fcr mich eine selbstverst\u00e4ndliche Tatsache dar, dass korrektes Zazen aus der Praxis von Nur-Sitzens besteht. Das hei\u00dft, dass der Sinn von Zazen nicht daran liegt, Kensh\u014d (&#8222;Wesensschau&#8220;, oft gleichbedeutend mit Satori) zu erleben oder sich durch einen Berg von K\u014dans durchzuarbeiten um eine &#8222;Urkunde der Erleuchtung&#8220; (Inkash\u014dmei) zu erhalten. Zazen besteht aus nichts als einfach nur Sitzen.<\/p>\n<p>Nun ist es aber eine Tatsache, dass es selbst unter den Anh\u00e4ngern der S\u014dt\u014d-Schule in Japan, die sich auf D\u014dgen Zenji beruft, nicht wenige Praktizierende gibt, die Zweifel an diesem Zazen hegen. Diese Praktizierenden zitieren beispielsweise Schriftstellen wie die folgenden:<\/p>\n<p>&#8222;In der Halle: &#8218;Ich habe nicht viele Kl\u00f6ster besucht. Ich habe mich blo\u00df unter meinem Meister Tend\u014d in aller Ruhe vergewissert, dass die Augen waagrecht liegen und die Nase senkrecht steht. Nun kann mich keiner mehr an der Leine herumf\u00fchren. Mit leeren H\u00e4nden kehrte ich (in die Heimat) zur\u00fcck.&#8216; (Eihei K\u014droku, 1.Kapitel)<\/p>\n<p>&#8222;Ich reiste ins Sung-China, besuchte Meister in allen Teilen des Landes und studierte die f\u00fcnf H\u00e4user des Zen. Schlie\u00dflich traf ich meinen Meister Nyoj\u014d auf dem Taihaku-Gipfel, und dort kl\u00e4rte sich die gro\u00dfe Sache lebenslanger \u00dcbung.&#8220; (Sh\u014db\u014dgenz\u014d Bend\u014dwa)<\/p>\n<p>Im Anschluss an solche Zitate sagen diese Leute dann: &#8222;Spricht nicht D\u014dgen Zenji selbst davon, dass er sich vergewissert habe, dass die Augen waagrecht liegen und die Nase senkrecht steht, und dass er die gro\u00dfe Sache lebenslanger \u00dcbung gekl\u00e4rt habe? Was f\u00fcr einen Sinn k\u00f6nnte es da haben, wenn ein Normalb\u00fcrger ohne eine Spur von Satori &#8218;einfach nur sitzt&#8216;?&#8220;<\/p>\n<p>Ich kann mich noch zu gut daran erinnern, selbst einmal solche Zweifel mit mir herumgetragen zu haben, und nicht nur ich allein hatte diese Zweifel: Nicht wenige von den Zen-Praktizierenden, die sich um Sawaki R\u014dshi scharten, gaben das Zazen des &#8222;Nur-Sitzens&#8220; auf, um Kensh\u014d-Zen oder K\u014dan-Zen auszuprobieren. Deshalb verstehe ich diese Zweifel gut.<\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen wissen, dass Sawaki R\u014dshi den Charakter eines Zenmeisters hatte, wie man ihn sich nur vorstellt, und auch als Mensch \u00fcber gro\u00dfes Charisma verf\u00fcgte. Deshalb wurden viele, die Sawaki R\u014dshi zum ersten Mal trafen, von ihm angezogen, so wie Eisenstaub von einem Magneten angezogen wird. Wenn der R\u014dshi deshalb sagte, dass &#8222;Zazen \u00fcberhaupt nichts bringt&#8220; (dies war Sawaki R\u014dshis Ausdruck f\u00fcr das Zazen, bei dem es nichts zu gewinnen und nichts zu erkennen gibt), dann glaubten sie, dass er das nur so dahinsage, und dass ihnen ihre Praxis des Zazen irgendwann doch noch einmal &#8222;irgendetwas&#8220; einbringen werde. Ich glaube, das galt f\u00fcr viele, die unter Sawaki R\u014dshi praktizierten.<\/p>\n<p>Wer au\u00dferhalb des Tempels wohnt und nur regelm\u00e4\u00dfig zum Zazen kommt oder ab und zu an einem Sesshin teilnimmt, wird diese Zweifel vielleicht nicht haben, doch wer sich dazu entschlie\u00dft, sein bisheriges Leben ganz aufzugeben um M\u00f6nch zu werden und als Teil unserer M\u00f6nchsgemeinschaft um Sawaki R\u014dshi mit dem t\u00e4glichen, intensiven Zazen-Leben zu beginnen, der wird fr\u00fcher oder sp\u00e4ter anfangen, seine Zweifel an Shikantaza zu haben. Und zwar deshalb, weil man nie v\u00f6llig zufrieden mit seinem Zazen ist, so viel man auch sitzt. &#8222;Nicht v\u00f6llig zufrieden sein&#8220; bedeutet, dass einem das Gef\u00fchl des vollen Magens wie nach einer reichlichen Mahlzeit fehlt. Wenn ich deshalb sage, dass wir mit unserem Zazen nicht zufrieden sind, meine ich, dass uns das Gef\u00fchl fehlt, Satori im Magen zu haben.<\/p>\n<p>Viele der jungen Menschen, die sich mit Leib und Seele der Zazen-Praxis widmeten, begannen sich deshalb irgendwann zu fragen, ob sie nicht ihre Jugend mit diesem Zazen verschwendeten, das ihnen nicht das geringste V\u00f6llegef\u00fchl verleiht. Und sobald dieser Zweifel einmal zum Vorschein kommt, hei\u00dft es als N\u00e4chstes: &#8222;Sind nicht selbst die \u00e4lteren Sch\u00fcler, die mit der \u00dcbung dieses Zazen schon seit Jahren fortfahren, im Grunde alle nur Normalb\u00fcrger? Wir brauchen doch Satori!&#8220;<\/p>\n<p>Zu viele haben auf diese Weise die Praxis aufgegeben. Mich selbst brachten diese Zweifel fast zum Platzen, doch letztlich folgte ich Sawaki R\u014dshi bis zu seinem Tod f\u00fcr 25 Jahre und fuhr so mit dem Leben der Zazen-Praxis fort. Ich verstehe also die, die diese Zweifel hegen, doch ich habe auch die Bedeutung des Shikantaza, von dem D\u014dgen Zenji und Sawaki R\u014dshi sprechen, endlich verstanden. Deshalb m\u00f6chte ich hier versuchen, so etwas wie eine \u00dcbersetzer-Rolle zwischen den beiden Standpunkten zu spielen. Wenn ich &#8222;\u00dcbersetzer&#8220; sage, so bedeutet das nicht nur, dass viele Zen-Prakitizierende die Worte D\u014dgen Zenjis oder Sawaki R\u014dshis nicht verstehen, sondern auch, dass D\u014dgen Zenji und Sawaki R\u014dshi unsere tiefen Zweifel und Probleme zwar verstehen, dass ihre Worte jedoch manchmal nicht so weit reichen, die Wurzel unserer Zweifel und Probleme wirklich zu ber\u00fchren. Deshalb erlaube ich mir so anma\u00dfend zu sein, im Folgenden den Versuch zu unternehmen, D\u014dgen Zenjis und Sawaki R\u014dshis Worte auf meine eigene Weise auszulegen und zu kommentieren.<\/p>\n<p>Was hei\u00dft das konkret? Nehmen wir als Beispiel den Satz: &#8222;Ich vergewisserte mich, dass die Augen waagrecht liegen und die Nase senkrecht steht. Keiner konnte mich mehr an der Leine herumf\u00fchren. So kehrte ich mit leeren H\u00e4nden zur\u00fcck.&#8220;<\/p>\n<p>Wie w\u00e4re es, dies so zu lesen: &#8222;Ich vergewisserte mich, dass ich lebe, indem ich diesen Atemzug in diesem Moment tue.&#8220;<\/p>\n<p>Der Grund, weshalb ich eine solche Interpretation vornehmen kann, liegt darin, dass ich das Sh\u014db\u014dgenz\u014d weder als ein Buddhologe lese, dem es nur darum geht, Ordnung in den Komplex der Schriftzeichen zu bringen, noch als einer von den Sektierern, denen jedes einzelne Schriftzeichen so heilig ist, dass sie es \u2013 genau wie eine Konservendose, die niemals ge\u00f6ffnet wird \u2013 verabsolutieren und sich davor in den Staub werfen. Ich lese dagegen mit den Augen eines Wegsuchers, dem es darum geht, den vollkommen neuen Weg des Lebens zu ergr\u00fcnden, auf dem ich mein in jedem Augenblick vollkommen neues, eigenes Leben leben kann. Und ich glaube, dass es genau das ist, was mit Worten wie &#8222;mit der alten Lehre auf den eigenen Geist reflektieren&#8220; oder &#8222;dem Buddhaweg folgen hei\u00dft: sich selbst folgen&#8220; gemeint ist.<\/p>\n<p>Wie dem auch sei, wenn wir die Stelle \u00fcber die waagrechten Augen und die senkrechte Nase als Ausdruck unseres vollkommen neuen, eigenen Lebens lesen, dann d\u00fcrfen wir nicht in einer flachen und statischen Interpretation stecken bleiben, sondern m\u00fcssen diese Stelle dynamisch, als das frische Leben interpretieren, das daraus besteht, diesen Atemzug in diesem Augenblick zu tun. Und wenn wir dieser Lesart folgen, dann begegnen wir hier der selbstverst\u00e4ndlichsten Tatsache unseres eigenen Lebens, und nicht etwa einem Mysterium wie dem, wenn davon die Rede ist, durch Zazen zu &#8222;Satori&#8220; zu geraten.<\/p>\n<p>Deshalb hei\u00dft es ja auch am Anfang des Fukanzazengi: &#8222;Der Weg ist allgegenw\u00e4rtig und abgeschlossen. Wozu noch Praktizieren und Bezeugen? Die Wahrheit offenbart sich \u00fcberall von selbst, wozu sich abm\u00fchen, um sie zu ergreifen?&#8220;<\/p>\n<p>Und was bedeuten die folgenden Strophen? &#8222;Ein Haarbreit von Differenz spaltet den Himmel von der Erde. Gehst du gegen die Str\u00f6mung, so verlierst du deinen Geist.&#8220;<\/p>\n<p>Jeder von uns lebt ein Leben, das in jedem einzelnen Augenblick frisch und neu ist. Doch wenn wir \u00fcber diese grundlegende Tatsache im Kopf nachdenken, bleiben wir bei dem stehen, was wir &#8222;begreifen&#8220; (das hei\u00dft, zu Begriffen umformen): Die &#8222;Lebensfrische&#8220;, \u00fcber die wir nachdenken, ist nicht mehr frisch, das hei\u00dft: Sie lebt nicht. Echte Lebensfrische bedeutet Loslassen. Nur wenn wir es loslassen, ist das Leben frisch. Zazen ist die Haltung des Loslassens des Loslassens des Loslassens&#8230;<\/p>\n<p>Hier muss ich jetzt ein Wort \u00fcber die tats\u00e4chliche Praxis von Shikantaza sagen: Wenn wir Zazen praktizieren, bedeutet das nicht, dass wir keine Gedanken h\u00e4tten. Alle m\u00f6glichen Gedanken tauchen an der Oberfl\u00e4che unseres Bewusstseins auf. Doch wenn wir diesen Gedanken nachfolgen, dann fangen wir an, nachzudenken, selbst wenn wir in der Zazenhaltung sitzen. Dann m\u00fcssen wir uns besinnen, dass wir gerade Zazen \u00fcben und keine Zeit zum Nachdenken haben. So korrigieren wir unsere Haltung, lassen die Gedanken los und kehren zum Zazen zur\u00fcck. Dies wird &#8222;Aufwachen aus der Zerstreutheit&#8220; genannt.<\/p>\n<p>Ein anderes Mal sind wir m\u00fcde: Dann m\u00fcssen wir uns besinnen, dass wir gerade dabei sind, Zazen zu praktizieren, und keine Schlafenszeit ist. Wir m\u00fcssen die Haltung korrigieren, aufwachen und zur\u00fcckkehren zum Zazen. Dies wird &#8222;Aufwachen aus der Tr\u00fcbnis&#8220; genannt. Zazen bedeutet, sowohl aus der Zerstreutheit als auch aus der Tr\u00fcbnis f\u00fcr Milliarden von Malen aufzuwachen und zum Zazen zur\u00fcckzukehren. Lebensfrisches Zazen zu leben bedeutet, Milliarden Male den Geist zu erwecken und \u00fcbend zu bezeugen. Dasselbe gilt f\u00fcr Shikantaza.<\/p>\n<p>Es hei\u00dft, D\u014dgen Zenji sei durch das Abfallen von K\u00f6rper und Geist zu &#8222;Satori&#8220; gelangt, doch was ist eigentlich dieses &#8222;Abfallen von K\u00f6rper und Geist (Shinjindatsuraku)&#8220;? Im H\u014dky\u014dki hei\u00dft es: &#8222;Der Abt sagte: &#8218;Die Praxis des Zazen besteht aus dem Abfallen von K\u00f6rper und Geist. Das bedeutet, einfach zu sitzen, ohne Weihrauch zu verbrennen, sich zu Boden zu werfen, den Namen Buddhas anzurufen, zu Beichten oder die Sutras zu lesen.&#8216; Ich verbeugte mich und fragte: &#8218;Was bedeutet das Abfallen von K\u00f6rper und Geist?&#8216; Der Abt antwortete: &#8218;Das Abfallen von K\u00f6rper und Geist bedeutet Zazen. Wenn du blo\u00df Zazen praktizierst, hast du keine Begierden, du bist gel\u00f6st von der Illusion.'&#8220;<\/p>\n<p>Das hei\u00dft, dass das Loslassen und Loslassen und milliardenfache Zur\u00fcckkkehren zu Zazen selbst das Abfallen von K\u00f6rper und Geist ausmachen, und nicht etwa irgendeine besondere mysteri\u00f6se Erfahrung. Von dieser Art von Zazen sagt das Bend\u014dwa, dass sich in ihm die Gesamtheit des Buddhadharmas manifestiert, und nennt es deshalb den &#8222;Haupteingang des Buddhadharma&#8220;.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte das Leben hier einmal mit einem Automobil vergleichen, in dem wir unser ganzes Leben \u00fcber sitzen. Wenn wir mit dem Auto fahren, ist es gef\u00e4hrlich, am Steuer zu schlafen oder betrunken zu sein. Au\u00dferdem ist es riskant, w\u00e4hrend der Fahrt \u00fcber andere Dinge nachzudenken oder nerv\u00f6s und verspannt am Steuer zu sitzen. Das gilt sowohl f\u00fcr das wirkliche Autofahren als auch f\u00fcr das Steuern des eigenen Lebens. Die Grundlage des Lebens muss darin bestehen, sowohl aus der Tr\u00fcbnis von Schl\u00e4frigkeit und Trunkenheit als auch aus der Zerstreutheit des Nachdenkens und der Nervosit\u00e4t neu aufzuwachen. Zazen bedeutet, diese Grundlage des Lebens tats\u00e4chlich in die Praxis umzusetzen, deshalb kann es die &#8222;Gesamtschau des Buddhadharma&#8220; beziehungsweise &#8222;der Haupteingang des Buddhadharma&#8220; genannt werden. Das ist auch der Grund, weshalb D\u014dgen Zenji eine &#8222;Empfehlung des Zazen f\u00fcr alle und jeden&#8220; (Fukanzazengi) verfasst hat, in der er die Praxis des Zazen erkl\u00e4rt.<\/p>\n<p>&#8222;Der Buddhaweg verf\u00fcgt \u00fcber Gr\u00e4ser und B\u00e4ume, Steine und Ziegel, Wind und Regen, Feuer und Wasser als seinen Leib und seine Seele. Sich darin umzublicken und es als den Buddhaweg zu erkennen bedeutet, den Geist zu erwecken. Ergreife die Leere und bilde daraus Pagoden und Buddhas. Sch\u00f6pfe das Wasser des Tales und erschaffe daraus Buddhas und Pagoden. Das bedeutet es, die un\u00fcbertreffliche, unvergleichliche Weisheit zu erwecken und den einmal erweckten Geist der Weisheit Milliarden Male neu zu erwecken. Auf diese Weise musst du \u00fcbend erweisen.&#8220; (Sh\u014db\u014dgenz\u014d Hotsumuj\u014dshin)<\/p>\n<p>Dieses &#8222;&#8230;den einmal erweckten Geist der Weisheit Milliarden Male neu zu erwecken&#8220; so zu interpretieren, als w\u00fcrden hier die noch nicht erleuchteten Zen-Praktizierenden aufgefordert, mit ihrer \u00dcbung nicht nachzulassen, ist ein gro\u00dfer Fehler. Das milliardenfache Erwecken des erwachten Geistes bedeutet nichts anderes, als das lebensfrische Atmen des frischen Lebens. Diejenigen, die mit der Praxis des Shikantaza anfangen, blo\u00df um bald wieder damit aufzuh\u00f6ren, weil es ihnen kein &#8222;V\u00f6llegef\u00fchl&#8220; verleiht und daher langweilg wird \u2013 diese Personen verstehen das milliardenfache Erwecken des erwachten Geistes nur intellektuell, im Kopf. Deshalb denken sie: &#8222;Wie unerh\u00f6rt! Solange ich noch kein Satori habe, muss ich den Geist Milliarden Male erwecken. Da muss ich mich aber beeilen, erst einmal zu richtigem Satori zu kommen, um die Milliarden Male mit einem einzigen Mal abzufertigen!&#8220;<\/p>\n<p>Das ist so, als w\u00fcrde uns als S\u00e4uglingen gesagt, dass wir von nun an unser ganzes Leben lang einen Atemzug in jedem Moment tun m\u00fcssen, und das f\u00fcr Milliarden von Malen. W\u00fcrden wir da denken: &#8222;Wie unerh\u00f6rt! Ich muss einen Weg finden, das ganze Atmen meines Lebens mit einem einzigen gro\u00dfen Atemzug zu erledigen.&#8220;<\/p>\n<p>Selbst wenn wir das versuchten, es w\u00fcrde uns kaum gelingen. Deshalb hei\u00dft es im Hotsumuj\u014dshin-Kapitel weiter: &#8222;Wenn gesagt wird, dass der Geist mit einem Mal erwacht und es danach kein Erwachen des Geistes gibt, und dass die \u00dcbung zwar endlos sei, doch der Erweis nur einmalig, dann entspricht das nicht dem Buddhadharma. Wer so etwas sagt, versteht den Buddhadharma nicht, er ist dem Buddhadharma nie begegnet.&#8220; Wer versucht, sich mit einem einzigen Mal des &#8222;Satoris&#8220; zu bem\u00e4chtigen, der kann nicht akzeptieren, dass wir unser Leben so frisch und lebendig leben m\u00fcssen, wie es ist.<\/p>\n<p>Selbst im rein biologischen Sinn k\u00f6nnen wir nur leben, indem wir unser ganzes Leben \u00fcber den gegenw\u00e4rtigen Atemzug im gegenw\u00e4rtigen Augenblick tun. Wenn es deshalb um das Leben wirklicher Lebensfrische geht, ist es selbstverst\u00e4ndlich nicht genug, \u00fcber das eigene Leben nur im Kopf nachzudenken, sondern wir m\u00fcssen es als das frische und lebendige Leben akzeptieren, das es ist. Nur so werden wir unsere eigene Lebenshaltung finden, die selbst frisch und lebendig ist. Das ist gemeint, wenn es hei\u00dft, dass &#8222;die gro\u00dfe Sache lebenslangen \u00dcbens sich kl\u00e4rt&#8220;. Wenn das geschieht, k\u00f6nnen wir endlich mit der wirklichen Praxis von Shikantaza beginnen. Dies nennt D\u014dgen Zenji die &#8222;Einheit von \u00dcbung und Erweis&#8220; oder &#8222;\u00dcbung auf der Grundlage des Erweises&#8220;. Deshalb sagte Sawaki R\u014dshi auch st\u00e4ndig: &#8222;Satori hat keinen Anfang, Praxis hat kein Ende!&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>An dich, der du noch immer unzufriedenmit deinem Zazen bist von Uchiyama K\u014dsh\u014d R\u014dshi Die Praxis einfachen Sitzens (Shikantaza), von der D\u014dgen Zenji spricht, ist das, was mein Lehrer Sawaki K\u014dd\u014d R\u014dshi als das &#8222;Zazen des Nur-Sitzens&#8220; lehrte. Deshalb stellt es auch f\u00fcr mich eine selbstverst\u00e4ndliche Tatsache dar, dass korrektes Zazen aus der Praxis von Nur-Sitzens besteht. Das hei\u00dft, dass der Sinn von Zazen nicht daran liegt, Kensh\u014d (&#8222;Wesensschau&#8220;, oft gleichbedeutend mit Satori) zu erleben oder sich durch einen Berg von K\u014dans durchzuarbeiten um eine &#8222;Urkunde der Erleuchtung&#8220; (Inkash\u014dmei) zu erhalten. Zazen besteht aus nichts als einfach nur Sitzen. Nun ist es aber eine Tatsache, dass es selbst unter den Anh\u00e4ngern der S\u014dt\u014d-Schule in Japan, die sich auf D\u014dgen Zenji beruft, nicht wenige Praktizierende gibt, die Zweifel an diesem Zazen hegen. Diese Praktizierenden zitieren beispielsweise Schriftstellen wie die folgenden: &#8222;In der Halle: &#8218;Ich habe nicht viele Kl\u00f6ster besucht. Ich habe mich blo\u00df unter meinem Meister Tend\u014d in aller Ruhe vergewissert, dass die Augen waagrecht liegen und die Nase senkrecht steht. Nun kann mich keiner mehr an der Leine herumf\u00fchren. Mit leeren H\u00e4nden kehrte ich (in die Heimat) zur\u00fcck.&#8216; (Eihei K\u014droku, 1.Kapitel) &#8222;Ich reiste ins Sung-China, besuchte Meister in allen Teilen des Landes und studierte die f\u00fcnf H\u00e4user des Zen. Schlie\u00dflich traf ich meinen Meister Nyoj\u014d auf dem Taihaku-Gipfel, und dort kl\u00e4rte sich die gro\u00dfe Sache lebenslanger \u00dcbung.&#8220; (Sh\u014db\u014dgenz\u014d Bend\u014dwa) Im Anschluss an solche Zitate sagen diese Leute dann: &#8222;Spricht nicht D\u014dgen Zenji selbst davon, dass er sich vergewissert habe, dass die Augen waagrecht liegen und die Nase senkrecht steht, und dass er die gro\u00dfe Sache lebenslanger \u00dcbung gekl\u00e4rt habe? Was f\u00fcr einen Sinn k\u00f6nnte es da haben, wenn ein Normalb\u00fcrger ohne eine Spur von Satori [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":72,"menu_order":26,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"side-navigation.php","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"class_list":["post-4112","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/antaiji.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/4112","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/antaiji.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/antaiji.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/antaiji.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/antaiji.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4112"}],"version-history":[{"count":23,"href":"https:\/\/antaiji.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/4112\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":13637,"href":"https:\/\/antaiji.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/4112\/revisions\/13637"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/antaiji.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/72"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/antaiji.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4112"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}