{"id":5935,"date":"2013-06-19T06:42:36","date_gmt":"2013-06-19T06:42:36","guid":{"rendered":"http:\/\/antaiji.org\/?page_id=5935"},"modified":"2013-07-11T18:58:02","modified_gmt":"2013-07-11T18:58:02","slug":"deutsch-stefan","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/antaiji.org\/de\/history\/yearbooks\/yearbook-2010\/deutsch-stefan\/","title":{"rendered":"Oliver"},"content":{"rendered":"<h3>Die Aufgabe des Leidens?<\/h3>\n<h4>Oliver (31, Industriekaufmann, Giessen)<\/h4>\n<p>Nach f\u00fcnf Jahren Praxis f\u00fchrte mich mein Weg im April diesen Jahres nach Antaiji, endlich. Vor 2 Jahren habe ich das erste mal von Antaiji und Abt Muho geh\u00f6rt und auf einen seiner Deutschlandbesuche die Gelegenheit gehabt ihn &#8222;life&#8220; zu erleben. Nach diesem Ein-Tages Sesshin setzte sich bei mir der Gedanke fest, eines Tages dorthin aufzubrechen um die &#8222;wirkliche&#8220; Praxis, das urspr\u00fcngliche ZaZen kennen und praktizieren zu lernen, so dachte ich! In meiner Zen-Gruppe wird in der Linie von Deshimaru Roshi praktiziert, und witzigerweise erst durch meine Recherchen fand ich heraus das er ein Sch\u00fcler von Kodo Sawaki war, und dieser wiederrum einer der pr\u00e4gendesten \u00c4bte von Antaiji und des letzten Jahrhunderts. Als ich dann noch die Biographie des derzeitigen Abtes las, war ich v\u00f6llig fasziniert.<\/p>\n<p>Schon seit Jahren von einer inneren Unruhe getrieben, stellte ich mir vor das dies auch mein Leben sein k\u00f6nnte, das es soetwas im 21. Jahrundert noch gibt, ein einfaches, nat\u00fcrliches Leben, ohne grosse Begierden und W\u00fcnsche in einer Gemeinschaft mit Gleichgesinnten zu leben und praktizieren.<\/p>\n<p>Im Herbst letzten Jahres gab es u.a. wegen dieser grossen inneren Unruhe einen grossen Umbruch in meinem Leben, altes aufgeben, etwas neues finden. Das versuchte ich durchs Reisen, und so kam sofort wieder Japan in den Sinn. Mit einem Working-Holiday-Visa in der Tasche bestieg ich dann im Januar den Flieger nach Tokio mit dem festen Vorsatz und einer gewissen Vorfreude nun endlich Antaiji mit seinem urspr\u00fcnglichen, nat\u00fcrlichen Zen zu erleben, mit dem K\u00f6rper und nicht mehr nur in der Vorstellung!<\/p>\n<p>Nach 3-monatigen leben und arbeiten im Raum Tokio, war es dann Anfang April so weit, mit f\u00fcnf weitern Neuank\u00f6mmlingen erreichte ich Antaiji. Ich hatte keinen Zeitplan oder genaue Vorstellung wie lange ich bleiben wollte, irgendwie war mir von Beginn an klar, jetzt bist du hier und es ist bestimmt nicht so wie du es dir vorgestelltst hast, und so sagte ich bei der Vorstellungsrunde, ich schaue von tag zu tag wie es l\u00e4uft! Nun der Rest ist schnell erz\u00e4hlt, weil es nicht viel zu erz\u00e4hlen gibt. Nach 10 Tage verlie\u00df ich Antaiji mit gemischten Gef\u00fchlen. Seit dem bin ich oft gefragt worden wie es in einem Zen-Kloster sei, was einen dahinf\u00fchrt usw. Ich erz\u00e4hlte dann von den &#8222;au\u00dferen&#8220; Bedingungen wie Tagsablauf, Regeln beim essen, arbeiten auf dem Feld usw. Mittlerweile nehme ich immer mehr Abstand von solchen Berichten, weil man glaube ich es keinem vermittlen kann, man kann es nur selbst erleben! F\u00fcr mich pers\u00f6nlich war es eine Konfrontation und ein Spiegel mit meinem Selbst und seinen N\u00f6ten, \u00c4ngsten und Unsicherheiten, und zwar mehr im Alltag des Klosters als beim sitzen auf dem Kissen! Und trotzdem war da etwas was einem getragen hat, durch das std. Lange sitzen, die chronische M\u00fcdigkeit und dem st\u00e4ndigen kritisieren, bis zu einem Punkt wo das Ego die \u00dcberhand gewinnt und sagt, jetzt ist ein Punkt erreicht und man geht.<\/p>\n<p>Ein bereits \u00e4lterer M\u00f6nch kam zu einem Zen-Meister und sagte:<\/p>\n<p>Ich habe in meinem Leben eine Vielzahl von spirituellen Lehrern aufgesucht und nach und nach immer mehr Vergn\u00fcgungen aufgegeben, um meine Begierden zu bek\u00e4mpfen. Ich habe lange Zeit gefastet, jahrelang mich dem Z\u00f6libat unterworfen und mich regelm\u00e4\u00dfig kasteit. Ich habe alles getan, was von mir verlangt wurde, und ich habe wahrhaft gelitten, doch die Erleuchtung wurde mir nicht zuteil. Ich habe alles aufgegeben, jede Gier, jede Freude, jedes Streben fallengelassen. Was soll ich jetzt noch tun?<\/p>\n<p>Der Meister erwiderte:<\/p>\n<p>Gib das Leiden auf! Ich danke allen Bewohnern mit denen ich zusammen diese lehrreiche und sch\u00f6ne Zeit verbringen konnte, insbesondere Docho-San, die Erinnerung ist nachwievor sehr lebendig in mir.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Aufgabe des Leidens? Oliver (31, Industriekaufmann, Giessen) Nach f\u00fcnf Jahren Praxis f\u00fchrte mich mein Weg im April diesen Jahres nach Antaiji, endlich. Vor 2 Jahren habe ich das erste mal von Antaiji und Abt Muho geh\u00f6rt und auf einen seiner Deutschlandbesuche die Gelegenheit gehabt ihn &#8222;life&#8220; zu erleben. Nach diesem Ein-Tages Sesshin setzte sich bei mir der Gedanke fest, eines Tages dorthin aufzubrechen um die &#8222;wirkliche&#8220; Praxis, das urspr\u00fcngliche ZaZen kennen und praktizieren zu lernen, so dachte ich! In meiner Zen-Gruppe wird in der Linie von Deshimaru Roshi praktiziert, und witzigerweise erst durch meine Recherchen fand ich heraus das er ein Sch\u00fcler von Kodo Sawaki war, und dieser wiederrum einer der pr\u00e4gendesten \u00c4bte von Antaiji und des letzten Jahrhunderts. Als ich dann noch die Biographie des derzeitigen Abtes las, war ich v\u00f6llig fasziniert. Schon seit Jahren von einer inneren Unruhe getrieben, stellte ich mir vor das dies auch mein Leben sein k\u00f6nnte, das es soetwas im 21. Jahrundert noch gibt, ein einfaches, nat\u00fcrliches Leben, ohne grosse Begierden und W\u00fcnsche in einer Gemeinschaft mit Gleichgesinnten zu leben und praktizieren. Im Herbst letzten Jahres gab es u.a. wegen dieser grossen inneren Unruhe einen grossen Umbruch in meinem Leben, altes aufgeben, etwas neues finden. Das versuchte ich durchs Reisen, und so kam sofort wieder Japan in den Sinn. 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