{"id":5959,"date":"2013-06-19T07:27:47","date_gmt":"2013-06-19T07:27:47","guid":{"rendered":"http:\/\/antaiji.org\/?page_id=5959"},"modified":"2013-07-04T20:01:11","modified_gmt":"2013-07-04T20:01:11","slug":"deutsch-dirk-2","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/antaiji.org\/de\/history\/yearbooks\/yearbook-2011\/deutsch-dirk-2\/","title":{"rendered":"Dirk"},"content":{"rendered":"<h3>Antaiji &#8211; Fr\u00fchjahr 2011<\/h3>\n<h4><b>Dirk<\/b><\/h4>\n<p><tt>\u201eSitz still!\u201c dr\u00f6hnt es durch den Hondo. Eine kleine Aufmunterung Docho-Sans die einem half die nagende K\u00e4lte zu vergessen. Auch der Schmerz in den Beinen war wie weggeblasen. Die V\u00f6gel verstummten mit dem Gesang, selbst die Wanze auf der Tatami hielt inne. \u00a0 Seit Jahren schiffe ich auf nebligem Meer durch das Leben in der Hoffnung klare Sicht zu bekommen. Mein erster ernsthafter Versuch dem Buddha auf die Spur zu kommen f\u00fchrte mich nach Bodh-Gaya \/ Indien. Logisch. Hier soll der Ort seines Erwachens gewesen sein. Das das mit Stillsitzen zu tun hatte war mir damals eher nicht gel\u00e4ufig. Zumal das Kloster indem ich wohnte ein tibetanisches war und die M\u00f6nche sich in der Halle dort beim \u201eStillsitzen\u201c hin-und-her-wiegten um dem Rhythmus der jeweiligen Rezitation zu folgend. Doch keine 100 Meter Luftlinie meines Sitzplatzes stand der heilige Bodhibaum. Das sollte wohl gen\u00fcgen um hier einen Hauch Erleuchtung zu erhaschen, auf das der Nebel in meinem Hirn sich lichtete. Dachte ich damals. Doch er lichtete sich nicht. Vernebelt ging es also weiter mit selbsterdachter Navigation durch die geistigen Kulturen Asiens.<br \/>\nBis zu dem Moment als ich Docho-San Anfang der 2000der im Deutschen Fernsehen erlebte. Zuf\u00e4llig. Und auch nur eine Restsequenz eines Beitrages. Er allein sitzend im Hondo in Antaiji. Viel Schnee. Idylle. Ein Wunsch in mir wurde wach. Einmal dorthin. Dennoch ein \u201egemalter Kuchen\u201c in Anbetracht dessen da ich bei 20 Grad Zimmertemperatur in den Fernseher schaute. Jahre sp\u00e4ter, wieder 20 Grad temperiert, tauchte sein Gesicht als Titelcover seines Buches \u201eZAZEN oder der Weg zum Gl\u00fcck\u201c beim Amazon.de Portal auf. Mich erinnernd, und noch immer vernebelt auf der Suche nach Gl\u00fcck, war das Buch gekauft, gelesen und mit Freude im Internet festgestellt das der Meister Deutschland besucht. Inzwischen war ich auch mit der Seite <a href=\"http:\/\/antaiji.dogen-zen.de\/deu\/\">http:\/\/antaiji.dogen-zen.de\/deu\/<\/a> vertraut wo ich lesen musste das alte M\u00e4nner wie ich eher nicht erw\u00fcnscht sind, da das Leben in Antaiji zum Teil sehr hart sein kann. Ungeachtet dessen wollte ich dennoch den Meister fragen ob ich nach Antaiji kommen k\u00f6nne. Die Gelegenheit kam. Docho-San gastierte im Tenzo-Gasthof in Triepkendorf keine 60 km von meinem Heim entfernt.<br \/>\n\u201eWenn du es dir zutraust kannst du gerne kommen.\u201c\u00a0 Seine Worte l\u00f6sten einen Freudentaumel in mir aus. Doch in seinem offenen L\u00e4cheln war nicht nur Einladung zu erkennen. Wie war das noch gleich mit dem \u201egemalten Kuchen\u201c?<br \/>\n\u201eDon\u00b4t move!!!\u201c<br \/>\nIch betrat am 26.03.2011 den \u201eheiligen Boden\u201c des Klosters.<br \/>\n\u201eAbfallen von K\u00f6rper und Geist\u201c. Das war die Formel die mich tragen sollte in Antaiji. Und auch: \u201eUm dich geht es hier nicht\u201c. \u201eWir praktizieren Leben-und-Tod-Zen\u201c. Eine klare Ansprache Docho-Sans am zweiten Tage meiner Ankunft an die \u201eNeuen\u201c. Keiner kann sich hier das Leben nach seinen eigenen Vorstellungen zurecht-philosophieren. Nat\u00fcrlich kommen hier au\u00dfergew\u00f6hnliche Menschen zusammen. Nat\u00fcrlich schiffen einige von ihnen, so wie ich, in vernebelten Meeren dahin auf der Suche nach ... Erf\u00fcllung, Gl\u00fcck, wie auch immer das Wunsch-Ziel hei\u00dfen mag. Docho-San l\u00e4dt sie alle ein. Um mit ihm zu praktizieren. Nur \u201eein paar\u201c Regeln gilt es zu befolgen. Meine Regel Nummer 1 war: nerve die anderen nicht. Lass ab von deiner Ego-Meinung. \u201eDieses gef\u00e4llt mir, jenes nicht.\u201c Die Regeln in Antaiji zu befolgen ist eine gro\u00dfe \u00dcbung. F\u00fcr Alle. Nat\u00fcrlich fragte ich mich warum der Wischlappen der Toilette nicht der Wischlappen des Ofuro zu sein hat. Und der Schrubber des Ofuro nicht zum Reinigen des Hondo-Rundganges zu benutzen ist. Die Erl\u00e4uterungen des Jikido Jido-San waren sehr wichtig, aber wichtig war auch das eigene kommentierende Ego sein zu lassen. Den Regeln zu folgen bedeutete die Anderen nicht zu st\u00f6ren. Sozusagen Kinhin im Alltag.<br \/>\nDogen* sagte: ...\u201cHeutzutage haften die \u00dcbenden jedoch an ihrem eigenen gewohnheitsm\u00e4\u00dfigem Denken. Ihr Denken beruht auf ihren eigenen Ansichten, wie der Buddha sein mu\u00df; wenn etwas mit ihren eigenen Ansichten nicht \u00fcbereinstimmt, sagen sie, das der Buddha so nicht sein k\u00f6nne.<br \/>\nMit einer solchen Einstellung\u00a0 schweifen die Leute in Verblendung umher und suchen das, was mit ihrer eigenen vorgefa\u00dften Meinung \u00fcbereinstimmt; deshalb kommt fast niemand wirklich auf dem Buddha-Weg vorw\u00e4rts.\u201c \u00a0 In Anbetracht dessen, da es f\u00fcr mich nicht viele M\u00f6glichkeiten gibt in einem Zen-Kloster wahre Praxis zu \u00fcben, war es f\u00fcr mich ein Geringes meine eigenen Befindlichkeiten die ich tagt\u00e4glich durch mein Leben schleppe und die mich unzufrieden machen, sein zu lassen, mich in die Sangha zu assimilieren, mit ihr zu praktizieren mit dem Wissen das jede meiner Handlungen der Sangha eine St\u00fctze sein kann. Docho-San bemerkte einmal: \u201eAntaiji ist eine Schule f\u00fcr Boddhisattvas\u201c. Ich konnte Vieles hier lernen. Vor allem Geben, Freundliche Worte und Hilfreiches Handeln.<br \/>\n\u201eEines Tages besuchte Dogen Zenji Antaiji. Was tat er. Er ging in die K\u00fcche um zu pr\u00fcfen wie der Tenzo arbeitet. Er schaute sich den Ofen an, die Kochger\u00e4te, Regale, Schalen und St\u00e4bchen. Ist alles sauber, aufger\u00e4umt, jedes Ding an seinem Platz? Er schaute - und sagte nichts. Als n\u00e4chstes ging er in den Hondo um zu sehen wie viele Zabutons und Zafus an ihren Pl\u00e4tzen lagen, wie geschm\u00fcckt ist der Altar. Er schaute - und sagte nichts. Dann ging er gef\u00fchrt von Docho-San durch das Gel\u00e4nde sah die Reis- und Gem\u00fcsefelder, ging vorbei am Friedhof, den Grabmalen der ehemaligen Dorfbewohner, vorbei am Shinto-Schrein und verweilte an einem offenbar sehr altem und schon recht verfallenem Geb\u00e4ude. Dogen fragte Docho-San: \u201eWas ist das f\u00fcr ein Geb\u00e4ude? Docho-Sans Antwort war: \u201eDas ist unser H\u00fchnerstall.\u201c Dogen: \u201eMh, ein H\u00fchnerstall. Es ist wohl eher ein Desaster. Dennoch ein gutes Beispiel f\u00fcr Verg\u00e4nglichkeit.\u201c Darauf ging Dogen wieder in Richtung des Hondo. Er sah die im Wind klappernden Bleche an den Scheunen, sah die br\u00f6ckelnden W\u00e4nde der Geb\u00e4ude, d\u00fcrftig reparierte Wasserleitungen, rostige Autos. Und inmitten des Weges zum Haupttor des Hondo zwischen all den Hortensien die im Sommer blau erbl\u00fchen vollzog er eine dreimalige Niederwerfung. Anschlie\u00dfend nahm er sein Tagebuch und schrieb: \u201eNiemals habe ich w a h r e \u00dcbende gesehen oder von ihnen geh\u00f6rt \u2013 und zwar seit Sakyamuni bis auf den heutigen Tag\u00a0 -, die gro\u00dfe Reicht\u00fcmer besessen h\u00e4tten.\u201c<br \/>\nSp\u00e4ter schrieb er noch: \u201eWeg-\u00dcbende! Erlernt das Buddha-Dharma nicht um euer Selbst willen. Erlernt es nur um des Buddha-Dharma willen. Das Wichtigste dabei ist, Leib und Seele ohne jeden Vorbehalt abzuwerfen und euch dem gro\u00dfen Meer des Buddha-Dharma zu weihen. Und als n\u00e4chstes: Befasst euch nicht mit Richtig und Falsch, haftet nicht an euren eigenen Ansichten, k\u00fcmmert euch nicht um M\u00fchsal und Plagen und lasst euch bei der \u00dcbung nur vom Buddha-Dharma st\u00e4rken. Wollt ihr etwas unbedingt tun, es stimmt aber nicht mit dem Buddha-Dharma \u00fcberein, so la\u00dft es sein. Erwartet niemals eine Belohnung f\u00fcr eure Leistung, den Buddha-Weg ge\u00fcbt zu haben. Habt ihr einmal die Richtung des Buddha-Weges eingeschlagen, schaut niemals auf eure eigene Vergangenheit zur\u00fcck. \u00dcbt unentwegt gem\u00e4\u00df den Regeln des Buddha-Dharma und haftet nicht an pers\u00f6nlichen Ansichten.\u201c<br \/>\nLangsam lichtet sich der Nebel. Sitzen, Arbeiten, Sein, freundliche Worte. Unabgelenkt ist das Leben in Antaiji. Ich musste gehen. Beim Abschied<br \/>\nTr\u00e4nen in meinen Augen. Gassho vor der Sangha. Noch drei Worte:\u201c Ich werde wiederkommen.\u201c Auf der Fahrt nach Hamasaka merkte ich das \u201emein Haupt brannte\u201c ...<br \/>\nVielen Dank Docho-San,<br \/>\nvielen Dank an alle mit denen ich praktizieren durfte<br \/>\nalle folgenden Dogen Zitate entstammen dem \u201eShobogenzo Zuimonki \u2013 Unterweisungen zum wahren Buddhaweg\u201c Werner Kristkeitz Verlag, 1997<\/p>\n<p>Dirk, 47<br \/>\nJoachimsthal<br \/>\nGermany<\/tt><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Antaiji &#8211; Fr\u00fchjahr 2011 Dirk \u201eSitz still!\u201c dr\u00f6hnt es durch den Hondo. Eine kleine Aufmunterung Docho-Sans die einem half die nagende K\u00e4lte zu vergessen. Auch der Schmerz in den Beinen war wie weggeblasen. Die V\u00f6gel verstummten mit dem Gesang, selbst die Wanze auf der Tatami hielt inne. \u00a0 Seit Jahren schiffe ich auf nebligem Meer durch das Leben in der Hoffnung klare Sicht zu bekommen. Mein erster ernsthafter Versuch dem Buddha auf die Spur zu kommen f\u00fchrte mich nach Bodh-Gaya \/ Indien. Logisch. Hier soll der Ort seines Erwachens gewesen sein. Das das mit Stillsitzen zu tun hatte war mir damals eher nicht gel\u00e4ufig. Zumal das Kloster indem ich wohnte ein tibetanisches war und die M\u00f6nche sich in der Halle dort beim \u201eStillsitzen\u201c hin-und-her-wiegten um dem Rhythmus der jeweiligen Rezitation zu folgend. Doch keine 100 Meter Luftlinie meines Sitzplatzes stand der heilige Bodhibaum. Das sollte wohl gen\u00fcgen um hier einen Hauch Erleuchtung zu erhaschen, auf das der Nebel in meinem Hirn sich lichtete. Dachte ich damals. Doch er lichtete sich nicht. Vernebelt ging es also weiter mit selbsterdachter Navigation durch die geistigen Kulturen Asiens. Bis zu dem Moment als ich Docho-San Anfang der 2000der im Deutschen Fernsehen erlebte. Zuf\u00e4llig. Und auch nur eine Restsequenz eines Beitrages. Er allein sitzend im Hondo in Antaiji. Viel Schnee. Idylle. Ein Wunsch in mir wurde wach. Einmal dorthin. Dennoch ein \u201egemalter Kuchen\u201c in Anbetracht dessen da ich bei 20 Grad Zimmertemperatur in den Fernseher schaute. Jahre sp\u00e4ter, wieder 20 Grad temperiert, tauchte sein Gesicht als Titelcover seines Buches \u201eZAZEN oder der Weg zum Gl\u00fcck\u201c beim Amazon.de Portal auf. 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