{"id":7136,"date":"2013-07-10T07:41:47","date_gmt":"2013-07-10T07:41:47","guid":{"rendered":"http:\/\/antaiji.org\/?page_id=7136"},"modified":"2016-01-08T00:09:12","modified_gmt":"2016-01-08T00:09:12","slug":"english-zazen-yojinki","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/antaiji.org\/de\/classics\/english-zazen-yojinki\/","title":{"rendered":"Zazen-Y\u014djinki"},"content":{"rendered":"<h3>Zazen-Y\u014djinki<\/h3>\n<p style=\"text-align: center;\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter  wp-image-4771\" alt=\"Muho\" src=\"https:\/\/antaiji.org\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/slider_\u00a9Huebner_brendan-669x272.jpg\" \/><\/p>\n<h4>Punkte, auf die beim Zazen zu achten ist<\/h4>\n<p><em>(Diese \u00dcbersetzung stammt aus dem inzwischen nicht mehr verf\u00fcgbaren Buch &#8222;Dogen Zen \u2013 Kleine Schriften der S\u014dt\u014d-Schule&#8220; von Heinrich Dumoulin. Der urspr\u00fcngliche Titel dieses Textes ist: &#8222;Merkbuch f\u00fcr die \u00dcbung des Zazen&#8220;)<\/em><\/p>\n<p>Zazen l\u00e4\u00dft den Menschen bald seine Geisteskraft \u00f6ffnen und im urspr\u00fcnglichen Bereich Wohnung nehmen. Man hei\u00dft dies das urspr\u00fcngliche Antlitz offenbaren oder auch das Licht des Urstandes aufstrahlen lassen. Leib und Geist fallen miteinander aus, losgel\u00f6st in gleicher Weise von Hocken und Liegen. Man denkt weder Gut noch B\u00f6se, transzendiert profan und heilig, \u00fcberschreitet die Begriffe von Verwirrung und Erleuchtung und weilt fern der Bereiche der Lebewesen und Buddhas.<\/p>\n<p>Darum la\u00df alle Dinge ruhen, wirf alle Gegenst\u00e4nde von dir, tue in allem nichts und lasse die sechs Organe nicht wirken. Wer ist ein solcher? Von jeher kennt man nicht seinen Namen. Man darf ihn nicht Leib, man darf ihn nicht Geist nennen. Willst du ihn denken, so schneide deine Gedanken ab, willst du ihn sagen, so schwinden deine Worte. Er ist wie ein unwissender Tor, wie eine steile Wand, hoch wie der Berg und tief wie das Meer, du vermagst nicht den Gipfel zu zeigen, nicht den Grund zu schauen. Er beleuchtet ohne das Gegen\u00fcber von Gegenst\u00e4nden, sein Auge jenseits der Wolken ist klar, durchdringend ohne Denken, die Wahrheit ist licht im Schweigen und Deuten. Im Hocken \u00fcbersteigt er das All, der ganze Leib ist in v\u00f6lliger Einsamkeit offenbar.<\/p>\n<p>Der unauslotbare gro\u00dfe Erleuchtete ist gleich dem gro\u00dfen Toten, keine Tr\u00fcbung hindert sein Auge, kein Staubkorn hemmt seinen Fu\u00df. Wo ist etwas, das ihn beflecken k\u00f6nnte, was k\u00f6nnte ihn hindern? Klares Wasser hat urspr\u00fcnglich weder Vorderseite noch R\u00fcckseite, der leere Raum kein Innen und Au\u00dfen, durchsichtiger Kristall leuchtet aus sich selbst wunderbar. Wenn Form und Leere noch ungetrennt sind, wie k\u00f6nnen da Objekt und Subjekt entstehen?<\/p>\n<p>Von je wohnt es mit uns, in unerme\u00dflicher Zeitfolge gibt es keine Namen. Der dritte Patriarch und Gro\u00dfmeister gab einstweilig den Namen &#8222;Geist&#8220;, der ehrw\u00fcrdige Nagarjuna nannte es vorl\u00e4ufig &#8222;Leib&#8220;. Die Form der Buddha-Natur aufweisend und den Leib aller Buddhas offenbarend, diese Vollmondgestalt, an der nichts fehlt und nichts zuviel ist: dieser Geist ist der Buddha. Das Licht des Selbst leuchtet von ehedem bis jetzt, nimmt sich wandelnd die Gestalt des Nagarjuna an und wirkt das Samadhi aller Buddhas. Der Geist hat urspr\u00fcnglich nicht zwei Gestalten, der Leib zeigt vielfache Gestalt. Nur-Geist und Nur-Leib erkl\u00e4ren weder Verschiedenes noch Gleiches. Der Geist wird sich wandelnd Leib, der Leib teilt sich erscheinend in Gestalten. Wenn eine Welle sich leise bewegt, folgen alle Wellen, wenn eine Gegenstandserkenntnis entsteht, kommen wetteifernd alle Dharma auf. Wenn sich die vier Elemente und die f\u00fcnf Skandha vereinigen, erscheinen allsogleich die vier Glieder und f\u00fcnf Organe. \u00fcberdies entstehen die 36 Dinge und zw\u00f6lf Ursachenverkn\u00fcpfungen, sie flie\u00dfen dahin, wandeln sich und folgen aufeinander. Alle Dharma-Gestalten verbinden sich. Deshalb ist der Geist gleich dem Wasser des Meeres, der Leib aber gleicht den Wellen. Wie es keine Welle au\u00dferhalb des Meerwassers gibt, so gibt es au\u00dferhalb der Wellen keinen Tropfen Wasser. Wie Wasser und Welle untrennbar sind, so sind Bewegung und Ruhe nicht verschieden. Deshalb hei\u00dft es: Geburt und Tod, Vergangenheit und Zukunft sind der wahre Mensch, die vier gro\u00dfen Elemente und die f\u00fcnf Skandha sind der unzerst\u00f6rbare Leib&#8220;.<\/p>\n<p>Zazen bedeutet, in das Meer der Buddha-Natur eintauchen und den Leib aller Buddhas manifestieren. Pl\u00f6tzlich offenbart sich der urspr\u00fcngliche, wunderbare, lautere und klare Geist, \u00fcberall leuchtet das anf\u00e4ngliche au\u00dferordentliche Licht. Es gibt kein Wachsen noch Abnehmen des Meerwassers, die Wellen kennen kein Zur\u00fcckweichen. Alle Buddhas erscheinen wegen der einen gro\u00dfen Angelegenheit in der Welt, lassen die Lebewesen sich dem Buddha-Wissen \u00f6ffnen und in die Erleuchtung eingehen. Diese stille, lautere, wunderbare Kunst hei\u00dft Zazen. Dieses ist das Sam\u00e4dhi des Selbstgenusses aller Buddhas und wird auch das &#8222;k\u00f6nigliche Samadhi&#8220; genannt. Wenn einer einen Augenblick in diesem Sam\u00e4dhi wohnt, so \u00f6ffnet er allsogleich den Geist; es ist in Wahrheit das Haupttor des Buddha-Weges.<\/p>\n<p>Wer seinen Geist zu \u00f6ffnen und zu erhellen w\u00fcnscht, mu\u00df die Vielfalt von Wissen und Verstehen von sich werfen, den Dharma der Welt und den Dharma des Buddha aufgeben, alle Tr\u00fcbungen abschneiden. Wenn der eine wirkliche, wahre Geist in die Erscheinung tritt, so hellen sich die Wolken der Tr\u00fcbung auf, und der Mond des Geistes wird aufs neue klar. Der Buddha spricht: H\u00f6ren und Denken weilen gleichsam in der Fremde, Zazen ist f\u00fcrwahr Stillsitzen nach der Heimkehr ins Vaterhaus. Wahrlich, beim H\u00f6ren und Denken kommen Lehrmeinungen nicht zur Ruhe, der Geist bleibt gehemmt, deshalb ist es wie Verweilen in der Fremde. Beim blo\u00dfen Zazen ist alles still und in Ruhe, nichts ist undurchdringlich. Deshalb gleicht es dem Stillsitzen nach der Heimkehr ins Vaterhaus.<\/p>\n<p>Die Leidenschaften der f\u00fcnf Verd\u00fcsterungen entstehen alle aus dem Nichtwissen. Das Nichtwissen hellt das Selbst nicht auf, das Zazen hellt das Selbst auf. Wenn einer auch die f\u00fcnf Verd\u00fcsterungen ausr\u00e4umt, er z\u00e4hlt nicht zu den Buddhas und Patriarchen, solange er das Nichtwissen nicht \u00fcberwindet. Wenn einer das Nichtwissen zu \u00fcberwinden verlangt, so liegt das Geheimnis in der \u00dcbung des Zazen.<\/p>\n<p>Ein alter Meister spricht: Wenn die Tr\u00fcbung aufh\u00f6rt, so entsteht Stille. Wenn die Stille entsteht, so scheint Weisheit auf. Wenn Weisheit aufscheint, so offenbart sich das wahre Wesen. Wenn du die Tr\u00fcbung des Geistes \u00fcberwinden willst, mu\u00dft du das Denken an Gut und B\u00f6se aufgeben. Auch mu\u00dft du alle Gegenstandseindr\u00fccke von dir werfen, dein Geist darf nichts denken und dein Leib darf nichts tun. Dies ist als erstes zu merken. Wenn die Tr\u00fcbungen durch die \u00e4u\u00dferen Gegenst\u00e4nde erl\u00f6schen, so schwinden zugleich auch die Tr\u00fcbungen des Geistes. Wenn die Tr\u00fcbungen dahinschwinden, so tritt das unver\u00e4nderliche Wesen in die Erscheinung. Weil du es immer vollkommen wei\u00dft, ist es weder totenstill noch in Bewegung.<\/p>\n<p>Von allen Techniken und K\u00fcnsten, Weisen und Wegen, von Medizin, Richtungsdeutung und Wahrsagerei mu\u00dft du dich fern halten. Noch viel weniger darfst du dich Gesang und Tanz, Freudenm\u00e4dchen und Musik, Wortstreit und leerem Disput, Ehre und Gewinn nahen. Zwar k\u00f6nnen Dichtung und Lieder das Herz reinigen, doch besch\u00e4ftige dich nicht mit Vorliebe damit! Literatur, Pinsel und Tuschstein aufgeben, lehrt das hervorragende Beispiel derer, die den Weg \u00fcbten. Dies ist sehr wichtig f\u00fcr die Ordnung des Geistes.<\/p>\n<p>Du darfst weder sch\u00f6ne noch schmutzige Kleidung tragen. Sch\u00f6ne Kleider erregen die Gier. Auch sind Diebe zu bef\u00fcrchten, deshalb sind sie f\u00fcr den \u00dcbenden ein Hindernis. Auch wenn jemand aus besonderem Grunde solche schenkt, so lehrt doch das gute Beispiel der Alten, sie nicht anzunehmen. Und auch wenn du solche von fr\u00fcher her besitzest, sollst du ihnen keine Aufmerksamkeit zuwenden. Selbst wenn Diebe sie rauben, sollst du diesen nicht nacheilen und dich nicht betr\u00fcben. Schmutzige und alte Kleider mu\u00dft du waschen und ausbessern, Schmutz entfernen und sie gereinigt anziehen. Wenn du Schmutz nicht entfernst, wird der K\u00f6rper kalt und Krankheit entsteht. Auch dies ist ein Hindernis f\u00fcr die \u00dcbung.<\/p>\n<p>Wenn man auch nicht um das leibliche Leben bek\u00fcmmert ist, so werden doch Mangel an Kleidung, Mangel an Speise und Mangel an Schlaf die drei M\u00e4ngel genannt: alle drei werden zum Grund f\u00fcr Tr\u00e4gheit (in der \u00dcbung). Rohe, harte (unverdauliche), verdorbene, unsaubere Speisen soll man nicht essen, weil sie im Magen Unruhe stiften, im Leib Fieber und im Geist Betr\u00fcbnis verursachen und das Zazen st\u00f6ren. Man darf nicht an wohlschmeckenden Speisen h\u00e4ngen. Solche schaden nicht nur Leib und Geist, sondern schaffen auch gierigen Gedanken Einla\u00df. Die Speise soll blo\u00df das Leben erhalten, nicht aber den Geschmack erg\u00f6tzen. Nach reichlichem Essen in Meditation hocken l\u00e4\u00dft Krankheit entstehen. Nach gro\u00dfen oder kleinen Mahlzeiten kann man nicht sogleich hinhocken. Erst nach einer kurzen Weile ist man zum Zazen f\u00e4hig. Die M\u00f6nche m\u00fcssen unbedingt beim Essen Einschr\u00e4nkung \u00fcben. Einschr\u00e4nkung hei\u00dft das Ma\u00df begrenzen: von drei Teilen zwei Teile essen und einen Teil \u00fcbriglassen. Alle Heilkr\u00e4uter, Sesam, Yamswurzeln soll man immer nehmen. Dies ist wichtig f\u00fcr die Ordnung des Leibes.<\/p>\n<p>Beim Zazen darf man sich nicht an Wand, Meditationsst\u00fctzbalken oder Wandschirm anlehnen. Auch \u00fcbe Zazen nicht an einem Ort, der heftigem Wind ausgesetzt ist, noch steige zu einem hohen Platz mit Fernblick empor! All solches l\u00e4\u00dft Krankheiten entstehen. Wenn beim Zazen der Leib sich hitzig oder kalt, unbehaglich oder wohl, hart oder weich, schwer oder leicht oder sonst irgendwie seltsam anf\u00fchlt, so ist allemal der Atem nicht in Ordnung. Man mu\u00df ihn unbedingt ordnen. Die Ordnung des Atems geschieht, indem man eine Weile den Mund \u00f6ffnet, und wenn der Atem lang ist, sich dem langen Atem \u00fcberl\u00e4\u00dft, wenn der Atem kurz ist, sich dem kurzen Atem \u00fcberl\u00e4\u00dft und so langsam diesen ordnet. So verf\u00e4hrt man eine Weile: wenn man dabei das Erleuchtungswirken wahrnimmt, ordnet sich der Atem von selbst. Danach soll man sich wieder dem Zug der Nasenatmung \u00fcberlassen.<\/p>\n<p>Wenn der Geist gleichsam einsinkt oder aufsteigt, wenn er dumpf oder scharf wird, (durch W\u00e4nde und verschlossene T\u00fcren) die Dinge drau\u00dfen schaut oder das Innere des Leibes durchschaut, wenn er den Buddha-Leib oder einen Bodhi-sattva sieht, wenn er eine Wissensschau erweckt oder Sutren und Sastren erkennt, -alle derartigen merkw\u00fcrdigen Dinge und ungew\u00f6hnlichen Zust\u00e4nde sind Krankheitserscheinungen, die aus der Ungeordnetheit des Denkens und des Atems entstehen. Zur Zeit der Krankheit l\u00e4\u00dft man den Geist w\u00e4hrend des Hockens \u00fcber den beiden Fu\u00dfsohlen ruhen. Beim Versinken ins Dunkel l\u00e4\u00dft man den Geist am Rande der Haare oder zwischen den Augenbrauen ruhen. Bei Zerstreuung l\u00e4\u00dft man den Geist auf der Nasenspitze oder unter dem Nabel ruhen. Beim gew\u00f6hnlichen Sitzen ruht der Geist in der linken Handfl\u00e4che. Bei l\u00e4ngerem Sitzen zerstreut sich der Geist, auch ohne Ruhen (an einer bestimmten Stelle), von selbst nicht.<\/p>\n<p>Selbst die Lehren der Alten soll man, obwohl sie den Geist erhellende Unterweisungen der Schule sind, nicht viel anschauen, niederschreiben oder h\u00f6ren. Wenn man solches viel tut, so wird es zu einer Ursache der Geisteszerstreuung. Alle Erm\u00fcdung von Leib und Geist kann Krankheit verursachen. \u00fcbe Zazen nicht an Orten, wo Gefahr von Feuer, Wasser, Sturm und R\u00e4ubern droht, noch auch am Meeresstrand oder in der N\u00e4he von Weinsch\u00e4nken, Freudenh\u00e4usern, bei den Wohnungen von Witwen, jungen M\u00e4dchen und S\u00e4ngerinnen! Wohne auch nicht in den H\u00e4usern von K\u00f6nigen, Ministern und M\u00e4chtigen noch in der N\u00e4he von gierigen, ehrs\u00fcchtigen, streitliebenden Menschen!<\/p>\n<p>Gro\u00dfe Buddha-Feiern und gewaltige Tempelbauten sind zwar sehr gute Werke, aber wer sich ganz dem Zazen widmet, darf solche nicht \u00fcben. Auch darf er nicht Predigt und Lehrvortrag lieben, weil dadurch Zerstreuung des Geistes und ungeordnete Gedanken entstehen. An gro\u00dfem Zusammenlauf von Menschen darf er sich nicht erg\u00f6tzen noch gierig nach J\u00fcngern verlangen. Vielerlei \u00dcbung und mannigfaches Studium soll er nicht betreiben.<\/p>\n<p>\u00dcbe nicht Zazen an einem Ort, der sehr hell oder sehr dunkel, sehr kalt oder sehr hei\u00df ist, noch auch nahe bei sich vergn\u00fcgenden Menschen oder Freudenm\u00e4dchen! In der Zen-Halle, bei gutem Meister, in tiefem Wald oder dunklem Tal darf man getrost verweilen. Bei klarem Wasser und auf lichter Bergh\u00f6he ist der Ort f\u00fcr das Gehen, im Talgrund und unter B\u00e4umen ist der Ort f\u00fcr die Kl\u00e4rung des Geistes. Man m\u00f6ge die Verg\u00e4nglichkeitsschau nicht vergessen, weil sie den Geist zur Suche nach dem Weg anspornt.<\/p>\n<p>Die Sitzmatte soll man dick ausbreiten, so hockt man bequem. Der \u00dcbungsort sei sauber. Wenn man best\u00e4ndig Weihrauch brennt und Blumen darbringt, sind die guten Schirmg\u00f6tter des Dharma, die Buddhas und Bodhisattvas zugegen und verleihen Schutz. Wenn man Bilder der Buddhas, Bodhisattvas und Arhats verehrt, verm\u00f6gen alle Teufel und D\u00e4monen nicht zu nahen. Stets wohne im gro\u00dfen Erbarmen und wende die unerme\u00dflichen Verdienste des Zazen allen Lebewesen zu! La\u00df keinen Hochmut, kein<\/p>\n<p>Selbstgef\u00fchl, keine \u00dcberheblichkeit gegen\u00fcber dem Dharma aufkommen! Solches ist die Weise der Ungl\u00e4ubigen und Unerleuchteten. Wenn man entschieden die Leidenschaften zu durchbrechen und mit aller Kraft die Erleuchtung zu erlangen w\u00fcnscht, mu\u00df man ausschlie\u00dflich Zazen und in allem das Nichttun \u00fcben. Dies ist die wichtige Regel f\u00fcr das Zazen. Immer mu\u00df man Augen und F\u00fc\u00dfe waschen, Leib und Geist stille halten und die K\u00f6rperhaltungen ordnen. Weltliche Gef\u00fchle mu\u00df man aufgeben, auch darf man nicht an Erleuchtungsgef\u00fchlen haften. Mit der Lehre des Dharma soll man nicht kargen, doch lehre nicht ungebeten! Man befolge die Regel der dreimaligen Bitte und richte sich nach den vier Wesensst\u00fccken (des Lehrens)! Wenn man zehnmal zu sprechen w\u00fcnscht, soll man neunmal schweigend von dannen gehen. Um den Mund w\u00e4chst Schimmel; es ist wie mit einem F\u00e4cher im Dezember; wie eine Glocke in der leeren Luft nicht antwortend auf den Wind aus den vier Himmelsrichtungen, so ist die Wesensart des J\u00fcngers des Weges. Er hat den Dharma und begehrt nichts von den Menschen, er hat den Weg und r\u00fchmt sich nicht. Dies ist wichtig.<\/p>\n<p>Zazen geh\u00f6rt nicht zu Lehre, \u00dcbung und Erleuchtung, aber enth\u00e4lt diese drei T\u00fcchtigkeiten. Erleuchtung, die das Warten auf das Satori-Erlebnis zur Norm nimmt, ist nicht das Wesen des Zazen. \u00dcbung, die die Verwirklichung der Wahrheit \u00fcbt, ist nicht das Wesen des Zazen. Lehre, die das \u00dcberwinden des B\u00f6sen und \u00dcben des Guten lehrt, ist nicht das Wesen des Zazen. Auch wenn man im Zen Lehre aufstellt, so ist es nicht die gew\u00f6hnliche Lehre. Beim Weg des unmittelbaren Zeigens in einliniger \u00dcberlieferung ist der ganze Leib ganz und gar Predigt, die Worte sind keine S\u00e4tze. Wo die Absicht versagt und die Vernunft am Ende ist, umfa\u00dft ein Wort alles. Wo kein Haar zur Geltung gebracht wird, ist da nicht die wahre Lehre der Buddhas und Patriarchen?<\/p>\n<p>Wenn man auch von \u00dcbung spricht, so ist es die \u00dcbung des Nichttuns. Der Leib bewegt sich nicht, der Mund rezitiert keine Geheimformeln, der Geist hat keine Gedanken. Die sechs Organe sind von selbst lauter, und alles ist fleckenlos. Nicht die sechzehn \u00dcbungen der Sravaka, nicht die zw\u00f6lf \u00dcbungen des Pratyeka-Buddha, nicht die alle \u00dcbungen enthaltenden sechs Paramit\u00e4 des Bodhisattva, sondern das Nichttun von allem hei\u00dft Buddhawerden. Nur im Sam\u00e4dhi des Selbstgenusses aller Buddhas wohnen, sich erg\u00f6tzen in den vier begl\u00fcckenden \u00dcbungen des Bodhisattva, \u2013 ist das nicht die tiefe, wunderbare \u00dcbung der Buddhas und Patriarchen?<\/p>\n<p>Oder wenn man auch Erleuchtung lehrt, ohne Erleuchtungs(-\u00dcbung) erleuchtet sein, ist das k\u00f6nigliche Samadhi, das Samadhi des ungeborenen Wissens, das Sam\u00e4dhi des All Wissens, das Samadhi des urspr\u00fcnglichen Wissens, das Aufspringen des lichten Tores der Weisheit des Vollendeten und des Dharma-Tores der gro\u00dfen Begl\u00fcckung. Die Unterschiede von Erleuchtetem und Unerleuchtetem, von Tr\u00fcbung und Erleuchtung hinter sich lassend, ist dieses nicht das Erlebnis der urspr\u00fcnglichen gro\u00dfen Erleuchtung?<\/p>\n<p>Ferner geh\u00f6rt das Zazen auch nicht zu Gebot, Versenkung und Weisheit, aber es enth\u00e4lt diese drei Disziplinen. Gebot hei\u00dft das Unrechte verhindern und das B\u00f6se hemmen. Zazen schaut das Ganze ohne Dualit\u00e4t, verwirft alle Erscheinungen und l\u00e4\u00dft alle Gegenst\u00e4nde ruhen, k\u00fcmmert sich nicht um Buddha-Gesetz und Gesetz der Welt, vergi\u00dft beide, n\u00e4mlich das Gef\u00fchl des Buddha-Weges und das Gef\u00fchl der Welt, kennt weder richtig noch falsch, weder gut noch b\u00f6se. Wie g\u00e4be es da Verhindern und Hemmen? Dieses ist das Gebot des gestaltlosen Geistes.<\/p>\n<p>Versenkung ist ungeteilte Kontemplation. Zazen bedeutet das Ausfallen von Leib und Geist, die Trennung von Tr\u00fcbung und Erleuchtung, ein Zustand ohne Ver\u00e4nderung und ohne Bewegung, ohne Tun und ohne Dunkel, gleichsam wie von Sinnen, wie eine steile Wand, wie der Berg und wie das Meer. Die beiden Formen von Bewegung und Ruhe entstehen offensichtlich nicht. Dieses ist Versenkung ohne die Form der Versenkung. Weil die Form der Versenkung fehlt, hei\u00dft sie die &#8222;gro\u00dfe Versenkung&#8220;.<\/p>\n<p>Weisheit bedeutet W\u00e4hlen und Verwerfen in vollkommener Erkenntnis. Beim Zazen erl\u00f6scht von selbst die Erkenntnis (von Gegenst\u00e4nden), die Bewu\u00dftseinst\u00e4tigkeiten fallen f\u00fcr immer in Vergessenheit. Der ganze Leib wird zum Weisheitsauge und schaut ohne W\u00e4hlen und Werten klar die Buddha-Natur. Ohne Verwirrung durch eine urspr\u00fcngliche Tr\u00fcbung schneidet (das Weisheitsauge) die Wurzeln des Bewu\u00dftseins ab, alles klar durchdringend. Dies ist die Weisheit ohne die Form der Weisheit. Weil die Form der Weisheit fehlt, hei\u00dft sie die &#8222;gro\u00dfe Weisheit&#8220;.<\/p>\n<p>Die Lehren aller Buddhas und die verschiedenen Lehrstufen der Predigt des Ehrw\u00fcrdigen w sind alle in Gebot, Versenkung und Weisheit enthalten. Im Zazen wird alles Gebot beobachtet, alle Versenkung ge\u00fcbt und alle Weisheit realisiert. Die Bezwingung des B\u00f6sen (Mara), die Erlangung der Erleuchtung, das In-Bewegung-Setzen des Dharma-Rades und das Eingehen in das Nirvana beruhen alle auf dieser Kraft. Wunderkr\u00e4fte, au\u00dfergew\u00f6hnliche T\u00e4tigkeiten, Lichtstrahlen und Verk\u00fcndigung des Dharma beruhen alle auf dem Zazen. Und auch die \u00dcbung des Zen ist Zazen.<\/p>\n<p>Wenn du Zazen \u00fcben willst, so ist zun\u00e4chst ein ruhiger Ort daf\u00fcr gut. Breite ein Sitzkissen dick aus! La\u00df Wind und Rauch nicht eindringen. Regen und Tau keinen Schaden tun! Nimm gen\u00fcgend Raum f\u00fcr die Kniee, reinige den Ort des Zazen! In alter Zeit sa\u00df man im Diamantsitz und Spuren zeugen vom Hocken auf Felsen, doch hockt man nicht ohne Sitzkissen. Der Platz des Hockens sei bei Tag nicht hell und bei Nacht nicht dunkel, im Winter warm und im Sommer k\u00fchl, so lautet die Anleitung.<\/p>\n<p>Wirf ab Geist, Wollen und Bewu\u00dftsein, la\u00df Gedanken, Vorstellungen und Sehen ruhen, denke nicht daran Buddha zu werden! Urteile nicht \u00fcber richtig und falsch! Bei Tag und bei Nacht nutze die Zeit, als ob du Feuer am Kopf l\u00f6schen m\u00fc\u00dftest! Das Sitzen in Meditation des Vollendeten, die Wand-Meditation im Tempelkloster Shao-lin waren nichts anderes als ausschlie\u00dfliches Zazen in v\u00f6lliger Konzentration. Shih-shuang vergleicht es mit einem d\u00fcrren Baum, Ju-ching vom Berg Ta-po schalt (ob des Schlafens bei der \u00dcbung). Ohne Weihrauchbrennen und Verehrung, ohne Anrufen des Buddha-Namens und Reuezeremonie, ohne Sutrenrezitation und Beschw\u00f6rungsriten erlangt man durch ausschlie\u00dfliches Zazen die Erleuchtung.<\/p>\n<p>Bei der \u00dcbung des Zazen soll man das M\u00f6nchsgewand (kesa) anlegen (au\u00dfer am fr\u00fchen Morgen vor Beginn des rituellen Tagesablaufes und am sp\u00e4ten Abend) und es nicht weglassen. Das Sitzkissen (von einem Durchmesser von 1 shaku 2 sun und einem Umfang von 3 shaku 6 sun) darf die Sohlen nicht ganz st\u00fctzen, es reicht von der Mitte der Fu\u00dfsohle nach hinten bis unter den Knochen der R\u00fcckenmarks\u00e4ule. So ist es die Hockart der Buddhas und Patriarchen. Man sitzt im Verschr\u00e4nkungssitz oder halben Verschr\u00e4n-kungssitz. Beim Verschr\u00e4nkungssitz legt man zuerst den rechten Fu\u00df \u00fcber den linken Oberschenkel, dann den linken Fu\u00df \u00fcber den rechten Oberschenkel. Die Kleidung legt man locker an (das Unterkleid ist mit einem Band geg\u00fcrtelt), aber sie sei ordentlich. Dann l\u00e4\u00dft man die rechte Hand auf dem linken Fu\u00df, die linke Hand auf der rechten Hand ruhen, bringt die einander entgegengestellten Daumen beider H\u00e4nde sich st\u00fctzend in die N\u00e4he des K\u00f6rpers, die gest\u00fctzten Daumen ruhen gegen\u00fcber dem Nabel. Der K\u00f6rper soll gerade hocken, ohne nach links oder nach rechts zu neigen oder sich nach vorn oder nach r\u00fcckw\u00e4rts zu beugen. Ohren und Schultern, Nase und Nabel m\u00fcssen unbedingt einander gegen\u00fcberstehen, die Zunge haftet am oberen Gaumen, der Atem geht durch die Nase, Lippen und Z\u00e4hne sind geschlossen, die Augen sollen nicht zu weit und nicht zu eng ge\u00f6ffnet sein. Wenn so der K\u00f6rper in Ordnung ist, atmet man tief, einmal oder zweimal st\u00f6\u00dft man mit offenem Mund die Luft aus. Dann wiegt man, fest sitzend, den K\u00f6rper sieben- oder achtmal, anfangs kr\u00e4ftiger, dann immer leichter, bis der K\u00f6rper in unbewegter Steilheit dahockt. Nun denke das Nichtdenken! Wie soll man es denken? Nichtdenken, dies ist das Wichtigste beim Zazen. Man durchbricht die Leidenschaften und erlangt die Erleuchtung.<\/p>\n<p>Wenn man von der Meditation aufstehen will, legt man zun\u00e4chst beide H\u00e4nde ge\u00f6ffnet auf beide Kniee, wiegt den K\u00f6rper sieben- oder achtmal, anfangs leicht, dann bis zu kr\u00e4ftiger Bewegung. Man \u00f6ffnet den Mund und st\u00f6\u00dft die Luft aus, dann spreizt man beide H\u00e4nde und pre\u00dft den Boden. Leicht erhebt man sich aus dem Sitz und geht langsam im Kreis rund von links nach rechts und von rechts nach links.<\/p>\n<p>Wenn einem beim Hocken Tiefschlaf ankommt, so soll man best\u00e4ndig den K\u00f6rper bewegen oder die Augen aufrei\u00dfen, oder man soll den Geist auf dem Kopfscheitel oder am Rand der Haare oder zwischen den Augenbrauen ruhen lassen. Wenn man sich so noch nicht wachhalten kann, so soll man mit den H\u00e4nden die Augen wischen oder den K\u00f6rper reiben. Wenn du immer noch nicht wach bleiben kannst, so steh vom Sitz auf und geh nach links im Kreis rund! Wichtig ist, da\u00df dies in der richtigen Ordnung geschieht. Wenn du hundert Schritte getan hast, bist du gewi\u00df von der Schl\u00e4frigkeit erwacht. Das Schrittma\u00df beim Gehen ist jeweils ein halber Schritt bei einmaligem Ein- und Ausatmen. Beim Gehen halte dich wie beim Nichtgehen ruhig ohne Bewegung! Wenn du bei solchem Rundgehen dennoch nicht erwachst, so wasche die Augen, k\u00fchle den Kopf oder sage die Einleitung zum Brahmajala-sutra her! Sch\u00fcttle so den Schlaf auf vielerlei Weise ab! Bedenke die Wichtigkeit von Leben und Tod und die rasche Verg\u00e4nglichkeit, ferner was es hei\u00dft schlafen, ohne noch das Erleuchtungsauge gekl\u00e4rt zu haben! Wenn die Schl\u00e4frigkeit immer wieder kommt, so sprich betend: Wegen eines b\u00f6sen Karma ist die Gewohnheit stark, wann werde ich aus dem Dunkel des Schlafes erwachen? M\u00f6gen die Buddhas und Patriarchen mich mit gro\u00dfem Erbarmen vom Leid der Schl\u00e4frigkeit befreien!<\/p>\n<p>Wenn der Geist sich zerstreut, so la\u00df den Geist auf der Nasenspitze oder unter dem Nabel ruhen und z\u00e4hle das Ausatmen und Einatmen! Wenn der Geist noch nicht zur Ruhe kommt, so nimm ein Koan und wecke dich auf! Zum Beispiel: Was ist das, was da so daherkommt? Oder die Buddha-Natur des Hundes \u2013 Mu, oder der Berg Sumeru des Y\u00fcn-men, oder der Lebensbaum des Chao-chou. Solche ungew\u00f6hnliche Spr\u00fcche sind geeignet.<\/p>\n<p>Wenn sich der Geist immer noch nicht beruhigt, \u00fcbe mit letztem Einsatz im Hinblick auf den Augenblick, wo der Atem abbricht und die Augen f\u00fcr immer erl\u00f6schen, oder auch im Hinblick auf den Augenblick vor der Empf\u00e4ngnis im Mutterleib und dem Entstehen des einen Gedankens. Wenn pl\u00f6tzlich die Leere von beidem (n\u00e4mlich Subjekt und Objekt) erscheint, weicht bestimmt die Zerstreuung des Geistes.<\/p>\n<p>Wenn du nach dem Aufstehen von der Meditation ohne zu denken die K\u00f6rperhaltung einnimmst, so erscheint das Koan. Wenn du ohne Unterscheidung \u00dcbung und Erleuchtung manifestierst, so erscheint das Koan. Was vor einem Zeichen und jenseits dem Zeitalter (Kalpa) der Leere ist, der Kern des wunderbaren Wirkens der Buddhas und Patriarchen ist nur dieses Eine. La\u00df allsobald die Dinge ruhen und schwinden, entweiche in ein k\u00fchles Land, in das Nu der zehntausend Jahre, in (die Leblosigkeit) kalter Asche und eines d\u00fcrren Baumes, in den Weihrauchduft eines alten Grabes, in einen Faden wei\u00dfer Seide! Dieses ist mein allerh\u00f6chstes Beten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zazen-Y\u014djinki Punkte, auf die beim Zazen zu achten ist (Diese \u00dcbersetzung stammt aus dem inzwischen nicht mehr verf\u00fcgbaren Buch &#8222;Dogen Zen \u2013 Kleine Schriften der S\u014dt\u014d-Schule&#8220; von Heinrich Dumoulin. Der urspr\u00fcngliche Titel dieses Textes ist: &#8222;Merkbuch f\u00fcr die \u00dcbung des Zazen&#8220;) Zazen l\u00e4\u00dft den Menschen bald seine Geisteskraft \u00f6ffnen und im urspr\u00fcnglichen Bereich Wohnung nehmen. Man hei\u00dft dies das urspr\u00fcngliche Antlitz offenbaren oder auch das Licht des Urstandes aufstrahlen lassen. Leib und Geist fallen miteinander aus, losgel\u00f6st in gleicher Weise von Hocken und Liegen. Man denkt weder Gut noch B\u00f6se, transzendiert profan und heilig, \u00fcberschreitet die Begriffe von Verwirrung und Erleuchtung und weilt fern der Bereiche der Lebewesen und Buddhas. Darum la\u00df alle Dinge ruhen, wirf alle Gegenst\u00e4nde von dir, tue in allem nichts und lasse die sechs Organe nicht wirken. Wer ist ein solcher? Von jeher kennt man nicht seinen Namen. Man darf ihn nicht Leib, man darf ihn nicht Geist nennen. Willst du ihn denken, so schneide deine Gedanken ab, willst du ihn sagen, so schwinden deine Worte. Er ist wie ein unwissender Tor, wie eine steile Wand, hoch wie der Berg und tief wie das Meer, du vermagst nicht den Gipfel zu zeigen, nicht den Grund zu schauen. Er beleuchtet ohne das Gegen\u00fcber von Gegenst\u00e4nden, sein Auge jenseits der Wolken ist klar, durchdringend ohne Denken, die Wahrheit ist licht im Schweigen und Deuten. Im Hocken \u00fcbersteigt er das All, der ganze Leib ist in v\u00f6lliger Einsamkeit offenbar. Der unauslotbare gro\u00dfe Erleuchtete ist gleich dem gro\u00dfen Toten, keine Tr\u00fcbung hindert sein Auge, kein Staubkorn hemmt seinen Fu\u00df. Wo ist etwas, das ihn beflecken k\u00f6nnte, was k\u00f6nnte ihn hindern? 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