{"id":7456,"date":"2013-07-13T06:28:18","date_gmt":"2013-07-13T06:28:18","guid":{"rendered":"http:\/\/antaiji.org\/?page_id=7456"},"modified":"2020-12-19T02:42:54","modified_gmt":"2020-12-19T02:42:54","slug":"kodo-to-you-2","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/antaiji.org\/de\/services\/kodo-to-you-2\/","title":{"rendered":"Zen &#8211; die gr\u00f6\u00dfte L\u00fcge"},"content":{"rendered":"<p>Ausz\u00fcge aus<\/p>\n<h3>Zen ist die gr\u00f6\u00dfte L\u00fcge aller Zeiten<\/h3>\n<p><em>von Sawaki K\u014dd\u014d R\u014dshi<\/em><br \/>\nDas komplette Buch ist im Angkor-Verlag erschienen und im Buchhandel oder bei <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3936018308?ie=UTF8&#038;tag=antaiji-21&#038;linkCode=as2&#038;camp=1638&#038;creative=6742&#038;creativeASIN=3936018308\" target=\"new\" rel=\"noopener noreferrer\">Amazon<\/a><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"http:\/\/www.assoc-amazon.de\/e\/ir?t=antaiji-21&#038;l=as2&#038;o=3&#038;a=3936018308\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" \/> erh\u00e4ltlich.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter  wp-image-4771\" alt=\"Muho\" src=\"https:\/\/antaiji.org\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/slider_\u00a9Huebner_2013aug_1334c1-669x272\" \/><\/p>\n<h4>1. Sich selbst finden und das eigene Leben sch\u00f6pfen<\/h4>\n<p>Wenn du den Buddhaweg zu deiner eigenen Frage machst, wirst du erkennen, dass er sich jeden Tag \u00e4ndert. Wie soll ich den ewigen Weg in diesem Augenblick, in diesem Fall, beschreiten? Wir m\u00fcssen in jedem Augenblick neu aufwachen, jeden Augenblick von Neuem praktizieren.<\/p>\n<p>Wer wei\u00df schon, ob ich morgen noch leben werde? Wer erinnert sich noch an gestern? Was wirklich wichtig ist, ist was ich in diesem Moment tue. Meine F\u00fc\u00dfe m\u00fcssen hier so fest auf dem Boden stehen, dass durch sie mein ganzer Leib in der Erde verankert ist.<\/p>\n<p>Der Wert eines Menschen richtet sich nicht nach seinem Monatsgehalt. Was ist dann aber der wahre Wert eines Menschen? Wenn du nach ihm suchst, musst du erst einmal dich selbst finden. Wenn sich einer auf diese Suche begibt, dann hat er damit bereits das gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche Gl\u00fcck f\u00fcr einen Menschen gefunden. Mit sich selbst vertraut werden \u2013 was k\u00f6nnte gr\u00f6\u00dfer sein als das?<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<h4>2. Der Sawaki braucht einfach nur der Sawaki zu sein<\/h4>\n<p>Als ich noch ein kleiner Handlanger im Eiheiji war, sa\u00df ich einmal alleine in der halbdunklen Halle in Zazen. Als die alte K\u00fcchenfrau, die mir gew\u00f6hnlich bei der Arbeit \u00fcbel zusetzte, das zuf\u00e4llig sah, warf sie sich unwillk\u00fcrlich nieder und verbeugte sich vor mir, so als sei ich der Buddha pers\u00f6hnlich. Diese Erfahrung hat mein Leben bestimmt. Hier habe ich gemerkt, dass ich Zazen mein ganzes Leben lang \u00fcben muss: &#8222;In Zazen steckt etwas, das selbst diese Alte dazu zwingt, sich niederzuwerfen&#8230; Ich wei\u00df nicht warum, aber Zazen ist wertvoller, als ich es mir \u00fcberhaupt vorstellen kann.&#8220; Auf diese Weise habe ich mein ganzes Leben f\u00fcr den Weg des Zazen gelebt. Ich bin dankbar daf\u00fcr, das M\u00f6nchsgewand zu tragen und in Zazen sitzen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Mir geht es in meinem Leben nicht darum, die h\u00f6chste Wahrheit zu predigen oder \u00fcber die tiefsten Gedanken zu meditieren. Ich folge einfach geradeaus der Lehre von Buddhas und Patriarchen und sitze. Mit achtzehn wurde mir klar, dass es nichts Wertvolleres geben kann als ein Leben f\u00fcr Zazen.<\/p>\n<p>Ich bin dankbar f\u00fcr alles in diesem Leben: Daf\u00fcr, dass ich in Armut geboren wurde, daf\u00fcr, dass meinen Eltern fr\u00fch gestorben sind, daf\u00fcr, dass ich von Zuhause weglief und im Eiheiji alles m\u00f6gliche miterlebt habe. Dankbar daf\u00fcr, dass ich heute, so wie eine Blume, die der Sonne entgegen w\u00e4chst, mein ganzes Wirken nach dem Weg richten kann.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<h4>3. Eine G\u00e4nseblume ist eine G\u00e4nseblume ist eine G\u00e4nseblume<\/h4>\n<p>Du willst so gl\u00fccklich sein wie die anderen? Du sagst: &#8222;Ich w\u00e4r&#8216; so gern wie du&#8220;?<br \/>\nDein Gl\u00fcck gleicht nicht dem Gl\u00fcck von irgendeinem anderen. Du musst dein eigenes Gl\u00fcck f\u00fcr dich selbst entdecken.<\/p>\n<p>Das Ego loszulassen bedeutet alles so zu akzeptieren wie eine Rolle im Theater. Du entfaltest dich selbst innerhalb der Rolle, die dir zugewiesen ist. Du wirst einfach eins mit der Rolle, ohne Pr\u00e4ferenzen und Illusionen. Der Abt ist eins mit dem Abt, der kleine M\u00f6nch eins mit dem kleinen M\u00f6nch. Das bedeutet vertraut mit sich selbst zu werden.<\/p>\n<p>Praxis bedeutet den Ort, an dem du jetzt stehst, zum Paradies zu machen, das Himmelreich unter deinen F\u00fc\u00dfen zu entdecken.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<h4>4. Je mehr du von dir gibst, desto mehr Frieden wirst du haben<\/h4>\n<p>Den Buddhaweg zu \u00fcben bedeutet, zufrieden zu sein mit dem heutigen Tag. Deine F\u00fc\u00dfe m\u00fcssen fest auf dem Erdboden stehen, damit du den heutigen Tag, diesen Augenblick, den Ort an dem du stehst und vorallem dich selbst nicht aus dem Blick verlierst. \u00dcbung besteht dann nicht darin, das Saubermachen so schnell wie m\u00f6glich zu erledigen. Wenn du beim Saubermachen dein t\u00e4gliches Leben nicht aus den Augen verlierst, dann ist das selbst \u00dcbung.<\/p>\n<p>Tue einfach das, was du tust, ohne \u00fcber Gewinn oder Verlust nachzudenken. Gib alle Kraft, die du hast, hin an diesen einen Augenblick.<\/p>\n<p>Leb&#8216; kein halbarschiges Leben, so wie einer, der st\u00e4ndig an seinen eigenen F\u00fcrzen riecht&#8230;.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<h4>5. Weisheit ist wie eine Raupe<\/h4>\n<p>Zum ersten Mal in deinem Leben praktizierst du Zazen am heutigen Tag. Begegne jedem Tag deshalb mit dem selben frischen Geist, den du zu Neujahr hast. In Zazen ist jeder Tag ein Neujahrstag. Einen guten Rutsch!<\/p>\n<p>Manche fragen sich bei ihrer Ordination zum M\u00f6nch: &#8222;Werde ich wirklich in der Lage sein, das M\u00f6nchsleben mein ganzes Leben lang durchzuhalten?&#8220;<br \/>\nMach&#8216; dir keine unn\u00f6tigen Sorgen! Sei einfach ein M\u00f6nch nur f\u00fcr diesen einen Tag. Sei t\u00e4glich M\u00f6nch f\u00fcr einen Tag \u2013 so lebst du dein Leben als M\u00f6nch, Tag f\u00fcr Tag.<\/p>\n<p>Bitte bleib&#8216; immer ein Anf\u00e4nger in Zazen. Vergiss nie das Gef\u00fchl, das du hattest, als du zum ersten Mal die Zazen-Halle betratst. Dieses Gef\u00fchl von Ehrfurcht bringt uns Zazen ganz nahe. Vergiss nie dein allererstes Zazen, werde nicht zum &#8222;Zazen-Profi&#8220;.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<h4>6. Dem wahren Selbst begegnen<\/h4>\n<p>Was hat der Buddha eigentlich gelehrt? Dass jeder einzelne von uns sich selbst erkennen muss, sich selbst ergr\u00fcnden muss, selbst herausfinden muss, was er hier und jetzt \u2013 in diesem Augenblick \u2013 wirklich zu tun hat.<\/p>\n<p>Wir sind nie zufrieden: Nicht einmal mit uns selbst sind wir zufrieden, und deshalb versuchen wir unser Bestes, um ein anderer zu werden. Aber das ist genau der Punkt, an dem die Illusion anf\u00e4ngt. Du bist kein anderer als der, der in diesem Moment unzufrieden mit sich selbst sein Leben lebt. Keiner k\u00f6nnte das an deiner Stelle f\u00fcr dich sein. Und alles, was du in diesem Moment denkst und willst und tust, bist du selbst, unersetzbar so wie du bist \u2013 das hei\u00dft es gibt kein &#8222;wahres Selbst&#8220; au\u00dfer diesem &#8222;unzufriedenen Selbst&#8220; hier und jetzt.<\/p>\n<p>Wirklichen Geistesfrieden wirst du nur finden, wenn du dir erstmal richtig Sorgen machst, um dein Leben k\u00e4mpsft und alles tust, um dich nicht selbst aus den Augen zu verlieren. Nur wenn du auf diese Weise bei jedem einzelnen deiner Schritte deinen Geist anspannst um den Boden nicht unter den F\u00fc\u00dfen zu verlieren, wirst du Frieden in deinem Geist entdecken.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<h4>7. Zazen ist der alte Patriarchen, der zugleich dein ganz neues &#8222;Ich&#8220; ist<\/h4>\n<p>Wir leben unser Leben nur provisorisch, so als h\u00e4tte uns einer die Feder aufgezogen. Wir bewegen uns wie Spielzeug-Roboter, bis uns die Feder abl\u00e4uft. Zazen bedeutet, sich nicht von au\u00dfen die Feder aufziehen zu lassen, sondern das eigene Leben selbst zu leben.<\/p>\n<p>Wenn du sagst, dass du keine Zeit hast, bedeutet das, dass du dich von etwas \u00c4u\u00dferem versklaven l\u00e4sst. Du brennst ab wie eine Wunderkerze. Sei gelassen, sei ganz du selbst: Wichtig ist, dass du dein Leben fest verankert in dir selbst lebst.<\/p>\n<p>Das Licht umzuwenden und sich selbst zu beleuchten bedeutet, ganz sich selbst ausgesetzt zu sein. Es bedeutet, dich still hinzusetzen und dich selbst zu betrachten, so als s\u00e4\u00dfest du im Kino. Wenn du dich auf diese Weise selbst betrachtest, wirst du alle leidenden Wesen verstehen: Du wirst verstehen, dass du selbst eines dieser Wesen bist, die sich in ihrer Unwissenheit verstrickt haben.<\/p>\n<p>Buddha bedeutet dich selbst. Wenn <i>du<\/i> nicht als Buddha lebst, wer dann?<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<h4>8. Ich werde mit meinem Universum geboren, und ich werde mit meinem Universum sterben<\/h4>\n<p>Wir glauben, dass wir ganz aus eigener Kraft leben, aber in Wirklichkeit ist es die gro\u00dfe Natur, die uns am Leben h\u00e4lt. Dein Leben geh\u00f6rt nicht dir allein \u2013 es ist universell. Dieses universelle Leben ist dein Selbst, es ist der wahre Menschenleib, der den gesamten Kosmos ausf\u00fcllt. Zazen bedeutet, das universelle Leben, das hei\u00dft dein Selbst, zu leben. Das bedeutet wiederum, das Universum selbst zu manifestieren und zu bezeugen. Wenn ich alleine Zazen praktiziere, dann praktiziert das ganze Universum mit mir \u2013 eingeschlossen in Zazen.<\/p>\n<p>Wenn du klar erkennst, dass dein Leben nahtlos verbunden ist mit dem Universum und kein Haarbreit zwischen dich und Buddha passt, dann wird es dir nichts ausmachen, ob du auf der B\u00fchne die Vorder- oder Hinterbeine im Kamel-Kost\u00fcm spielst: Du wirst in jeder einzelnen deiner Handlungen deine ganze Lebenskraft entfalten.<\/p>\n<p>Der Fensterrahmen unseres Egos ist so beschr\u00e4nkt, dass wir die Welt nur ganz verzerrt sehen. Wir betrachten die Dinge wie durch eine gef\u00e4rbte Brille. Und das, was wir da sehen, existiert so oft gar nicht \u2013 es ist nur das Brett vor unserem Kopf, auf das wir starren! Wir m\u00fcssen diese gef\u00e4rbte Brille abnehmen, um die Dinge so zu sehen, wie sie sind \u2013 ungeschminkt und transparent. Dann werden wir auch erkennen, das Berge und Fl\u00fcsse, B\u00e4ume und Gr\u00e4ser nicht getrennt von uns existieren.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<h4>9. Herr Sawaki macht gerne was ihm gerade in den Sinn kommt, aber ich frage diesen Herrn Sawaki nicht immer nach seiner Meinung<\/h4>\n<p>Der Mensch Sawaki wird vom Buddhaweg vorangezogen. Deshalb kann der Normalb\u00fcrger Sawaki nicht immer das machen, was ihm gerade so in den Sinn kommt. Das bedeutet es, an den Weg zu glauben. Wenn ich mich selbst durchschaue, kann mich der Herr Sawaki nicht an der Nase herumf\u00fchren.<\/p>\n<p>Niemand mag wirklich den Dharma von Buddhas und Patriarchen. Da schon lieber den Dharma von Wein, Weib und Gesang. Auch ich w\u00fcrde mich viel lieber gehen lassen und tun, was mir in den Sinn kommt, aber Zazen l\u00e4sst mir keine Wahl: Es zieht mich voran. Alles passt darauf auf, dass ich nicht in die Irre gehe \u2013 das ist alles.<\/p>\n<p>Dein Leben lang von Buddha gezogen, vom Dharma gezogen zu leben \u2013 das bedeutet, dass dein Geist selbst Buddha ist.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<h4>10. Das Gl\u00fcck und die Freiheit des Narren genie\u00dfen<\/h4>\n<p>Selbst wenn dir jemand Teer \u00fcber den Kopf gie\u00dft: Wenn du das von einem Standpunkt aus betrachtest, der 180 Grad verschieden vom gew\u00f6hnlichen ist, kann es dir nur von Nutzen sein. Mit welchen Augen siehst du das \u00e4rgerliche Gesicht deines Gegen\u00fcbers? Mit welchen Ohren h\u00f6rst du die b\u00f6sen Worte, mit denen sie \u00fcber dich l\u00e4stern? Bist du in der Lage, das Gift in Medizin umzuwandeln und Kraft daraus zu sch\u00f6pfen? Die Frage ist, wie du pers\u00f6nlich mit diesem Leben umgehst, und die Antwort auf diese Frage muss deine Religion sein.<\/p>\n<p>Es ist gut, wenn dir ein Ungl\u00fcck passiert: Denn dann siehst du pl\u00f6tzlich wieder klar geradeaus. Es ist nicht so gut, wenn es dir immer gut geht: Dann f\u00e4ngst du an, ein Gesicht wie ein Kater zu machen, der sich verschlafen in der Sonne r\u00e4kelt.<\/p>\n<p>Im Zen sagt man: &#8222;Jeder Tag ist ein guter Tag!&#8220;<br \/>\nDie Frage ist jetzt: Was musst du machen, damit jeder Tag wirklich ein guter Tag wird? Was musst du besitzen, um jeden einzelnen Tag wirklich genie\u00dfen zu k\u00f6nnen? \u00dcberhaupt nichts! Du musst \u00fcberhaupt nichts tun oder besitzen um gl\u00fccklich zu sein, du wirst nur st\u00e4ndig von deiner Idee an der Nase herumgef\u00fchrt, dass du dies machen musst oder das haben willst. Wenn du endlich erkennst, dass diese Idee nur ein Hirngespinst war, wird jeder Tag wirklich ein guter Tag sein, jedes Jahr wird ein gutes Jahr sein.<\/p>\n<p>Dir geht&#8217;s mal gut, dir geht&#8217;s mal schlecht \u2013 aber lohnt es sich denn wirklich, dich von der Laune des Tages verr\u00fcckt machen zu lassen? Wenn du einmal ganz losl\u00e4sst, wirst du feststellen, dass das alles eigentlich ganz egal ist. Du musst sterben um ein gl\u00fcckliches Leben zu f\u00fchren.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<h4>11. Du willst nicht in die H\u00f6lle fahren? Keine Angst, die H\u00f6lle macht Spa\u00df!<\/h4>\n<p>Wichtig ist, dass du entschlossen in den Fluss des Lebens hineinspringst: Es macht einen Unterschied, ob du dich ziellos treiben l\u00e4sst und ersch\u00f6pft nach Luft schnappst oder aber allen voran in den Strom springst \u2013 ob du dein Leben als Qual oder als Vergn\u00fcgen empfindest, entscheidet sich hier.<\/p>\n<p>Da war einmal ein Neurotiker, der Angst hatte, dass er durchs Staatsexamen fallen w\u00fcrde. Als er mit blutunterlaufenen Augen und einem sorgenvollen Gesicht zu mir kam, sagte ich ihm: &#8222;Angenommen du f\u00e4llst durch die Pr\u00fcfung \u2013 was bedeutet das schon, ausser dass es genug f\u00e4higere Pr\u00fcflinge gibt als dich? Ist das nicht ein Grund zur Freude? Wenn dagegen so jemand wie du die Pr\u00fcfung besteht, hei\u00dft das, dass es nicht genug Bessere gibt als dich \u2013 und dann steht es nicht gut um unser Land!&#8220;<\/p>\n<p>Niemand zwingt dich, irgendetwas mit deinem K\u00f6rper oder Geist zu tun. Aber du glaubst trotzdem hartn\u00e4ckig, dass der Dienst &#8222;Dienst&#8220; ist, und du forderst mehr Lohn daf\u00fcr. Ich mache mir dagegen nie Gedanken um meinen Tageslohn \u2013 den f\u00fcr mich ist das kein &#8222;Dienst&#8220;, sondern Spielerei.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<h4>12. Tief versunken in der Illusion \u2013 einfach geradeaus gehen<\/h4>\n<p>Welchen Sinn hat unser Leben eigentlich?<br \/>\nUnser Leben hat keinen Sinn! Und durch Zazen kommst du jetzt endlich an den Punkt, an dem du verstehst, dass es gar nicht darum geht &#8222;was es bringt&#8220; \u2013 einschlie\u00dflich dieses Zazens selbst.<\/p>\n<p>Was hat wirklich Realit\u00e4t? Die Haltung deines K\u00f6rpers! Wie es um dein Bewusstsein steht ist nicht das Problem. Das wirkliche Problem l\u00f6st sich in dem Moment, in dem du dich der richtigen Form des Sitzen \u00fcberl\u00e4sst.<\/p>\n<p>Wenn du Zazen praktizierst, ist das in Wirklichkeit gar nicht &#8222;du&#8220;, der da Zazen praktiziert. Da ist nur unbegrenzte Weite, die unbegrenzte Weite praktiziert. Diese unbegrenzte Weite ist die Bedeutung des Glaubens an Zazen.<\/p>\n<p>In Zazen h\u00f6rst du auf, &#8222;du&#8220; zu sein. Du wirst eins mit der gro\u00dfen Natur \u2013 oder besser gesagt: Die gro\u00dfe Natur kehrt endlich zur\u00fcck \u2013 zu sich selbst.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<h4>13. Ich? Ich bin wie ein Schimmelpilz, der in einer feuchten Ecke w\u00e4chst<\/h4>\n<p>Wir leben dieses Leben gem\u00e4\u00df einer kosmischen Ordnung, die uns am Leben erh\u00e4lt \u2013 wie kommt es da, dass wir uns so in die Brust werfen und von &#8222;unserem&#8220; Leben sprechen? Wie kommt es, dass sich alles um&#8217;s &#8222;Ego&#8220; dreht?<\/p>\n<p><i>(Sich selbst in die Backe kneifend:)<\/i> Das hier ist nicht mehr als ein Pilz, der bei der richtigen Temperatur und Feuchtigkeit aus der Erde sprie\u00dft: Nichts besonders \u2013 ein Schimmelpilz! Ein Produkt der W\u00e4rme und Feuchtigkeit!<\/p>\n<p>Das Leben verl\u00e4uft nicht so, wie du es dir vorstellst. Doch wenn du aufh\u00f6rst, dir falsche Vorstellung zu machen und stattdessen den Blick auf dich selbst wendest, wirst du erkennen, dass es nirgendwo um dich herum irgendwelche Hindernisse gibt.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<h4>14. Der Buddhadharma ist ewig und unbegrenzt \u2013 wie sollte er je in deinen kleinen Rahmen von Gl\u00fcck und Zufriedenheit passen?<\/h4>\n<p>Du sagst, die Buddhalehre sei schwer zu verstehen? Warum ist sie so schwer f\u00fcr dich zu verstehen? Weil du versuchst, sie in deinem kleinen Sch\u00e4del privat zu verstehen \u2013 wenn du blo\u00df damit aufh\u00f6ren w\u00fcrdest, w\u00e4re \u00fcberhaupt nichts dabei!<\/p>\n<p>Du h\u00e4lst dich f\u00fcr zufrieden? Das ist nur ein Traum! H\u00f6r auf zu tr\u00e4umen und tue mit ganzem Herzen das, was nicht zufriedenstellt: Zazen. Gehe mit festem Schritt den Weg, auf dem es nichts zu gewinnen gibt \u2013 so einen nennt man &#8222;Mensch auf dem Weg der Erleuchtung&#8220;.<\/p>\n<p>Satori ist nichts, was dich pers\u00f6nlich zufriedenstellen w\u00fcrde: Satori bedeutet, dass das ganze Universum nahtlos verbunden ist. Satori muss den gleichen Effekt f\u00fcr dich wie f\u00fcr die anderen haben. Solange es dir um dich selbst geht, hat das nichts mit dem Buddhaweg zu tun.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<h4>15. Zen ist nichts Spirituelles \u2013 Zen wird mit dem K\u00f6rper praktiziert<\/h4>\n<p>Satori vollzieht sich nicht in deinem Kopf. Satori wird mit dem K\u00f6rper ausge\u00fcbt. Es bedeutet, sich in der Haltung Buddhas zu \u00fcben. Was sich &#8222;spirituell&#8220; nennt, ist nur mit Vorsicht zu genie\u00dfen. Zen-Praxis muss beim K\u00f6rper anfangen.<\/p>\n<p>Der Geist dr\u00fcckt sich im K\u00f6rper aus \u2013 oder besser gesagt: In der Lebenseinstellung.<\/p>\n<p>Zen ist dein t\u00e4gliches Leben. Wenn du auf&#8217;s Klo gehst, musst du auf dem Klo dein Leben neu erfinden. Wenn du in die Badewanne steigst, musst du in der Badewanne umkehren zu einem religi\u00f6sen Leben. Im Zazen geht es darum, das eigene Leben stehts von Neuem mit frischen Atem zu beleben.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<h4>16. Du suchst nach geistiger Ruhe? Mach dir lieber erstmal ordentlich Sorgen!<\/h4>\n<p>Pass dich deiner Umgebung an, mach den anderen eine Freude. Leb&#8216; dein Leben auf eine Weise, die es deinem Nachbar erlaubt, zufrieden zu sein. \u00dcbe dich darin in der Ehe. \u00dcbe dich darin, wenn du mit deinen Eltern oder Kindern umgehst. Lebe dein Leben wie ein Toter \u2013 so wirst du niemandem auf die Nerven gehen.<\/p>\n<p>Nachdem ich aus dem Krieg zur\u00fcck kam wurde ich einmal Zeuge der Explosion eines Munitionslagers. Du kannst dir nicht vorstellen, wie bei dem Schrecken meine Hoden zusammenschrumpften! W\u00e4hrend des Krieges hatte ich immer gro\u00df mit meinem Kampfgeist angegeben, aber im R\u00fcckblick war das auch nicht mehr als der Leichtsinn eines Banditen wie Kunisada Chuji. Mut entwickeln wir immer dann, wenn wir einen Gegner haben, mit dem wir k\u00e4mpfen k\u00f6nnen. Aber wenn wir ganz stumm und allein in Zazen sitzen, hilft uns unser Mut und Kampfgeist \u00fcberhauot nichts, wenn der Boden pl\u00f6tzlich unter uns zu wackeln beginnt. Die Gelassenheit, die wir in der Buddhalehre finden, hat mit dem \u00dcbermut eines Banditen nichts zu tun. Wir m\u00fcssen die Buddhalehre auf ganz andere Weise \u00fcben.<br \/>\nAls ich dies zum ersten Mal verstand, h\u00f6rte ich auf damit, mit den anderen darum zu wetteiferen, wer der Beste und Mutigste ist.<\/p>\n<p>Setz&#8216; dich erstmal hin. Kein Grund zur Eile. Nimm in Ruhe die richtige Sitzhaltung ein. Hier ist der Startpunkt: Betrachte dein ganzes Leben aus Zazen heraus, mach&#8216; dich auf den Weg, gewinne Klarheit \u00fcber dein Leben.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<h4>17. Geehrtes Publikum! Sehen Sie Sich diesen lauteren M\u00f6nch an!<\/h4>\n<p>Wenn du aufh\u00f6rst, dich zur Schau zu stellen, dann wird dein Leben \u00fcber unbegrenzte Weite verf\u00fcgen. Seit ich diese Professur an der Komazawa Universit\u00e4t angenommen habe, bekomme ich ein Monatsgehalt f\u00fcr Zazen ausgezahlt \u2013 seltsam, wenn man anf\u00e4ngt mit etwas Gesch\u00e4fte zu machen, das man eigentlich f\u00fcr sich alleine, ganz versteckt praktizieren sollte. Das bedeutet, das meine Praxis noch unreif ist!<\/p>\n<p>Jemand, der sich selbst f\u00fcr einen Zenmeister h\u00e4lt und auch von anderen so behandelt werden m\u00f6chte, ist nur ein Kindskopf. Ein wirklicher Zenmeister macht sich \u00fcberhaupt keine Gedanken dar\u00fcber, ob er nun ein Zenmeister ist oder nicht.<\/p>\n<p>Es gibt M\u00f6nche, die halten die Gebote nur deshalb so strikt ein, weil sie von den anderen daf\u00fcr bewundert werden wollen. Mir kommt das so vor wie die Tricks der Taschenspieler im Zirkus \u2013 am Liebsten w\u00fcrde ich sagen: &#8222;Geehrtes Publikum! Sehen Sie Sich diesen lauteren M\u00f6nch an!&#8220;<\/p>\n<p>Einem jungen M\u00f6nch, der offensichtlich mit gro\u00dfem Ehrgeiz den Buddhaweg praktizierte, sagte ich: &#8222;Pass&#8216; besser auf, dass dir nicht irgendwann die Puste ausgeht!&#8220;<br \/>\nDenn bei der Praxis des Weges geht es nicht darum, etwas zu erreichen. Deine t\u00e4gliche Praxis muss Ausdruck von Ziellosigkeit, Hingabe und Loslassen sein.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<h4>18. Die Haltung des K\u00f6rpers dr\u00fcckt sich im ganzen Leben aus<\/h4>\n<p>Mir kommt es so vor, als ob heutzutage viele Freiheit damit verwechseln, einfach zu tun, was sie wollen. Die modernen Menschen scheinen unter dieser chronischen Krankheit zu leiden, nur das tun zu wollen, was ihnen gerade Spa\u00df macht. Alle Aspekte unseres t\u00e4glichen Lebens m\u00fcssen auf ein klares Ziel ausgerichtet sein \u2013 wir m\u00fcssen so genau zielen wie ein Scharfsch\u00fctze, beim Essen genauso wie auf dem Klo.<\/p>\n<p>Buddha zu sein bedeutet ganz du selbst zu sein \u2013 hier und jetzt. Ganz in diesem Moment zu sein. Ganz eins zu sein mit dem, was du tust. An diesem Ort ganz eins zu sein mit allen Aspekten deines t\u00e4glichen Lebens.<\/p>\n<p>Deine Praxis selbst ist Satori, deine Form ist der Geist, deine Einstellung ist der Weg. Dass dein Verhalten der Buddha-Dharma ist, bedeutet, dass sich deine Einstellung und Haltung in allen Aspekten deines Lebens ausdr\u00fccken m\u00fcssen.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<h4>19. Die Kraft zu Leben empf\u00e4ngst du von deiner Religion<\/h4>\n<p>Das Leben ist ein einziger Ehekrach. Und wir hoffen vergeblich darauf, dass jemand kommt und den Streit f\u00fcr uns schlichtet. Die Instanz, die allein vermag, den Streit zu schlichten, m\u00fcssen wir in uns selbst tragen. Das ist es, was ich Glauben nennne. Diese innere Kraft empf\u00e4ngst du von deiner Religion, dem Buddhismus. Das muss so sein als ob der Buddha in deinem Herzen wohnt und dir t\u00e4glich einen Besuch abstattet. Du musst diese Beziehung so weit entwickeln, dass dieser Buddha an jedem Ort und in jedem Augenblick zum Vorschein kommt \u2013 dann wirst du dich nicht nur von deinem eigenen Leiden befreien, sondern auch all das Leiden um dich herum aufl\u00f6sen.<\/p>\n<p>Du darfst dein Satori nicht luftdicht verpacken: Wenn du mit dieser einen Sache, an der \u00fcberhaupt nicht zu r\u00fctteln ist, einmal in Ber\u00fchrung gekommen bist, musst du dein ganzes Leben auf sie gr\u00fcnden \u2013 wenn du Tee trinkst, trinkst du Tee, wenn du isst, dann isst du. Egal ob du schl\u00e4fst oder aufstehst oder umf\u00e4llst, dein ganzes Leben muss von dieser hellen Klarheit erf\u00fcllt sein.<\/p>\n<p>Du darfst den Buddhaweg nicht zu einem Mittel zum Zweck in deinem Leben machen. Es ist wichtig, dass dein ganzes Leben vom Buddhaweg aus gezogen wird.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<h4>20. Satori? Das bedeutet nichts anderes, als zu verlieren<\/h4>\n<p>Ich dr\u00fccke den Buddhismus gerne mit einem einizigen Befehl aus: &#8222;Feuerpause!&#8220;<br \/>\nDa stehen sich keine zwei Seiten mehr gegen\u00fcber, da gibt es niemanden, mit dem wir uns noch um die Wette recken m\u00fcssten.<\/p>\n<p>Um zu erkennen, dass die Buddhanatur uns ganz erf\u00fcllt, m\u00fcssen wir erstmal die Verg\u00e4nglichkeit erkennen. Die Verg\u00e4nglichkeit zu erkennen bedeutet, unserem Leben einen Sinn zu verleihen. Wenn du die Verg\u00e4nglichkeit erkennst, wirst du verstehen, dass es besser ist, dich f\u00fcr andere zu opfern als f\u00fcr dich selbst zu leben. Es ist dieser Geist, der sich f\u00fcr andere opfert, der die Verg\u00e4nglichkeit erkennt.<\/p>\n<p>Bis heute glaubte ich, dass die Welt da ist f\u00fcr mich, von heute an will ich mein Leben opfern f\u00fcr die Welt: Es geht um diese Kehrtwende.<\/p>\n<p>Ich sage oft, dass Satori bedeutet, zu verlieren. Zu gewinnen bedeutet in die Irre zu gehen. Wer beim Geldspiel Erfolg hat, oder beim Lotto gewinnt, wird sich in der Illusion verlieren. Warum wollen die Menschen eigentlich alle gewinnen und Erfolg haben? Wenn die Welt endlich verst\u00fcnde, dass das gar nicht notwendig ist, h\u00e4tten wir den Frieden auf Erden.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<h4>21. Du willst achtzig werden? Lebe lieber das ewige Leben!<\/h4>\n<p>Der Grund, weshalb wir uns st\u00e4ndig zanken, ist unsere Illusion. Wir tragen alle irgendwo einen Widerspruch in uns herum, den wir nicht aufzul\u00f6sen verm\u00f6gen. Und der geringste Anlass kann diesen Widerspruch in uns zum Explodieren bringen. Letztlich bedeutet das, dass wir unser Leben nicht verstehen.<\/p>\n<p>Mit 13, 14 Jahren fing ich an, mich in meinem eigenen Leiden zu winden, und mit 16 hatte dieses Leiden seinen H\u00f6hepunkt erreicht: Wie soll ich leben!? Soll ich diesen Leib des Leidens von mir werfen? Nein, das geht nicht. Mir blieb nichts anderes \u00fcbrig, als mit diesem Leib der S\u00fcnde meinen Weg zu gehen. Dieser Leib h\u00e4tte auch zu einem Banditen werden k\u00f6nnen, der selbst seinen Bruder mit dem Dolch ersticht \u2013 stattdessen entschied ich mich daf\u00fcr, ihn dem Zazen zu widmen. Das ist keine kleine Sache. Nicht nur f\u00fcr mich bedeutet das einen gro\u00dfen Gewinn, sondern auch f\u00fcr alle um mich herum.<\/p>\n<p>Du willst Geld verdienen, du willst schlemmen, du willst Karriere machen: Das bedeutet es, vom Weg abzukommen. Beim Zen geht es darum, zur\u00fcckzukehren zu deinem eigentlichen Weg \u2013 besinne dich auf deine eigene Natur! Von diesem Standpunkt aus wirst du erkennen, dass du nicht aus eigener Kraft geboren wurdest, noch atmest du aus eigener Kraft, und du bist es auch nicht, der dein Herz zum Schlagen bringt. &#8222;Ich mach einfach was mir Spa\u00df macht&#8220; \u2013 red&#8216; keinen Unsinn, die alten Weisen lehren uns, dass das Universum nicht getrennt ist von uns selbst.<\/p>\n<p>Du widmest dich eifrig deinem Studium, weil du ein klares Ziel vor den Augen hast. Au\u00dferdem motiviert es dich, wenn andere deinen Erfolg sehen. Aber sobald du dein Ziel erreicht hast, \u00fcberkommt dich wieder die Schwermut: Irgendetwas fehlt da doch noch. Deinem wirklichen Selbst wirst du erst dann begegnen, wenn du aus diesem stinkenden Fleischsack ausbrichst und eins wirst mit dem Universum. Daf\u00fcr musst du dich erstmal fest auf deinen Arsch setzen. Wenn du dann endlich erkennst, dass du eins bist mit dem Universum, und dein t\u00e4gliches Leben aus dieser konkreten Erfahrung heraus lebst \u2013 dann sp\u00fcrst du Freude, dann f\u00fchlst du dein Gl\u00fcck.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<h4>22. Dein Leben? Wenn es vorbei ist, ist es vorbei!<\/h4>\n<p>&#8222;Wie als Mensch leben?&#8220; \u2013 du hast keine Ahnung, deine Frau hat keine Ahnung, deine Kinder haben keine Ahnung. Die Welt ist voller Menschen, die nicht die geringste Ahnung haben, wie sie leben sollen.<\/p>\n<p>Wir leben unser Leben so wie spielende Kinder im Wald: Suchen, fangen und gefangen werden. Wir verstricken uns tiefer und tiefer im Unterholz auf unserer Suche, doch bevor wir in dem Tumult irgendetwas zu fassen bekommen, finden wir uns wieder: Im Sarg.<\/p>\n<p>Wer st\u00e4ndig neue Delikatessen verspeisen m\u00f6chte, dem geht es schlecht, wenn ihm die Delikatessen ausgehen. Wer das Leben immer genie\u00dfen will, dem wird dieser Genuss einmal verdorben werden. Gl\u00fcck findet der, der arm geboren durch eine harte Schule geht. Er versteht, dass eine Not nicht unbedingt eine Not und eine Freude nicht unbedingt eine Freude ist. Nur der Normalb\u00fcrger macht ein gro\u00dfes Theater um nichts. St\u00e4ndig dreht er sich im Kreis, l\u00e4uft dem nach, was er mag, l\u00e4uft vor dem davon, was er nicht mag \u2013 das gr\u00f6\u00dfte Gl\u00fcck bedeutet, sich einfach darauf einzulassen.<\/p>\n<p>Es ist nicht n\u00f6tig, dein ganzes Leben lang nach der &#8222;Ruhe des Geistes&#8220; zu suchen, so als ob du nach einem Loch suchst, um dich darin zu verstecken. Wenn dein t\u00e4gliches Leben daraus besteht, dir Sorgen zu machen, dann masst du die Ruhe des Geistes innerhalb dieser Sorgen finden.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<h4>23. Warum bist du \u00fcberhaupt auf die Welt gekommen?<\/h4>\n<p>Es gibt kein Problem \u2013 der Weg ist einfach, ohne Schwierigkeiten. Woher kommt es nur, dass der Weg den Erwachsenen so schwierig vorkommt, w\u00e4hrend er so leicht f\u00fcr einen S\u00e4ugling ist? Erwachsene Menschen sind schon seltsam \u2013 warum machen sie nicht einfach die Augen auf und schauen geradeaus, anstatt sich selbst etwas vorzul\u00fcgen und herumzul\u00e4stern? Es gibt \u00fcberhaupt gar keinen Grund, sich zu beklagen: Wenn es regnet, dann lass es regnen, wenn der Sturm bl\u00e4st, dann lass ihn blasen.<\/p>\n<p>Es hei\u00dft, dass dieser K\u00f6rper, so wie er ist, der K\u00f6rper Buddhas ist. Aber der K\u00f6rper eines Normalb\u00fcrgers ist trotzdem nicht mehr als ein Normalb\u00fcrger. Der K\u00f6rper eines Normalb\u00fcrgers kann nur dann ein Buddha genannt werden, wenn der Normalb\u00fcrger sich selbst vollkommen vergessen hat.<\/p>\n<p>Du bist so verliebt in dich selbst, dass du eher einem Teufel \u00e4hnelst als einem Buddha. Die Buddhalehre muss wie mit einer Marionette mit dir spielen, bis du dich \u00fcberhaupt nicht mehr selbst bewegen kannst. Nur dann kannst du sagen, dass dieser K\u00f6rper, so wie er ist, Buddha ist.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<h4>24. Du willst Satori? Um es dir als Ring durch die Nase zu ziehen!?<\/h4>\n<p>Wenn davon die Rede ist, die kosmische Landschaft mit einem Blick zu \u00fcberschauen, dann ist das keine Frage der Brennweite. Es geht um die Sch\u00e4rfe der Einstellung. Du musst deine illusion\u00e4ren Begriff allesamt negieren. Was auch immer du dir in den Kopf gesetzt hast: Dies ist falsch, und das ist auch falsch. Alles was du denkst und glaubst ist falsch \u2013 wenn du auf diese Weise alles negierst, bleibt am Ende nichts mehr \u00fcbrig. Das bedeutet, dass du deine gef\u00e4rbten Brillengl\u00e4ser abnimmst. Und dann siehst du die Dinge pl\u00f6tzlich so, wie sie wirklich sind.<\/p>\n<p>Es ist gar nichts dabei: Die Dinge sind einfach so wie sie sind. Und das ist alles. Und ob das gut so ist oder nicht, spielt \u00fcberhaupt keine Rolle.<\/p>\n<p>Du glaubst, du k\u00f6nntest durch religi\u00f6se Praxis zum Satori kommen? Nein, die Praxis selbst ist Satori.<\/p>\n<p>Zazen bedeutet einfach zu sitzen \u2013 ohne auch nur daran zu denken, ein Buddha werden zu wollen. Zazen ist die gr\u00f6\u00dfte Ruhe, die es in diesem Leben geben kann.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<h4>25. Bleib arm \u2013 oder du wirst fehlgehen<\/h4>\n<p>Als junger M\u00f6nch setzte ich alles daran, Satori zu bekommen. Da gab mir Fueoka Ryoun R\u014dshi eine Lehre f\u00fcr den Rest meines Lebens: &#8222;Kein Grund zur Hektik, K\u014dd\u014d. Du bist so wie einer, dem ein St\u00fcck Schei\u00dfe an der Nase h\u00e4ngt und trotzdem fragt: &#8218;Wer hat hier gefurzt!?&#8216; \u2013 So lang du auf diese Weise nach Satori suchst, wirst du es nie finden.&#8220;<\/p>\n<p>Wer will Satori? &#8222;Ich!&#8220;<br \/>\nAn einem Satori, bei dem es um dieses &#8222;ich&#8220; geht, ist nichts dran.<\/p>\n<p>&#8222;Ich bin ein Sch\u00fcler von Meister Soundso!&#8220;<br \/>\nSolchen Leuten geht es nur um den Namen ihres Meisters. Die Verpackung ist ihnen wichtiger als der eigene Inhalt.<\/p>\n<p>Die Menschen versuchen, es selbst beim Zazen noch zu etwas zu bringen. Selbst auf dem Buddhaweg machen sie sich selbst Stress.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<h4>26. Religi\u00f6se Praxis bedeutet, sich von hartn\u00e4ckigen Begriffen und Vorstellungen zu l\u00f6sen<\/h4>\n<p>Wenn du verkrampft bist, wirst du dich nie von deinen hartn\u00e4ckigen Vorstellungen l\u00f6sen k\u00f6nnen. Wenn du dagegen losl\u00e4sst von deinen Anspr\u00fcchen, dann ver\u00e4ndert sich mit einem Mal ganz unverhofft die Welt um dich herum.<\/p>\n<p>Wir tragen einen Klumpen aus Granit in unserem Kopf herum. Das ist das, was ich unsere &#8222;Individualit\u00e4t&#8220; nenne: Wir wollen nicht loslassen, was uns ganz pers\u00f6nlich geh\u00f6rt. Die M\u00e4nner versteifen sich auf ihr Mann-Sein, die Frauen beharren auf ihrem Frau-Sein. Beide Seiten halten hartn\u00e4ckig an ihren Standpunkten fest. Praxis muss darin bestehen, dieses hartn\u00e4ckige Festhalten aufzulockern. Wenn du wirklich bereit bist, dich ganz loszulassen, wirst du selbst an deinem Leben nicht mehr h\u00e4ngen. Deshalb ist es wichtig f\u00fcr die Praxis, einen flexiblen und weichen Geist zu entwickeln, anstatt an deinem engen Rahmen festzuhalten. Verstricke dich nicht in Kleinigkeiten, sondern widme dich dem unbegrenzten, kosmischen Ganzen.<\/p>\n<p>Wenn du von deiner Vorstellung eines &#8222;Ego&#8220; losl\u00e4sst, wirst du dich selbst in deinem Gegen\u00fcber entdecken. In allen Dingen \u2013 einer Tasse Tee, einem Paar Holzsandalen \u2013 wirst du dich selbst entdecken. Und alle Dinge werden so gr\u00f6\u00dfte Wichtigkeit f\u00fcr dein Leben annehmen: Das bedeutet es, Zen zu praktizieren.<\/p>\n<p>Lebe dein Leben, in dem du dich auf den Standpunkt deiner Eltern stellst, auf den Standpunkt deiner Frau stellst, auf den Standpunkt deiner Kinder stellst. So wirst du in deinen Eltern, deiner Frau und deinen Kinder dir selbst begegnen.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<h4>27. Ein Mensch in der Irre ist zugleich Buddha \u2013 es geht darum, die Tiefe und Dynamik dieser Beziehung auszuleben<\/h4>\n<p>Je mehr du dich mit deinem Affengeist und Pferdewillen befasst, desto verr\u00fcckter wird dieser Affen- und Pferde-Geist im Kreis herumspringen und seinen Spa\u00df mit dir treiben. Du kannst Zazen praktizieren, den Namen Amithaba Buddhas rezitieren, die Gebote so strikt einhalten wie du willst \u2013 du kannst auch warten bis du steinalt wirst: Niemals wirst du deine Illusionen loswerden. Wie verzweifelt du auch versuchst, deine Illusionen auszul\u00f6schen, du wirst nicht den Zustand des Nicht-Denkens oder Nicht-Geistes erreichen \u2013 du wirst nur dich selbst verr\u00fcckt machen!<\/p>\n<p>Der Mensch und der Buddha-Dharma \u2013 diese Beziehung ist unergr\u00fcndlich tief. Der Normalb\u00fcrger und Buddha wohnen zusammen. Es gibt keinen Normalb\u00fcrger au\u00dfer dem Buddha, und es gibt kein Nirvana au\u00dferhalb von Leben und Tod. Du musst den Frieden innerhalb des brennenden Hauses finden.<\/p>\n<p><i>&#8222;Der Schatten der Kiefer ist desto dunkler,<br \/>\nje heller und klarer der Mond scheint&#8220;<\/i><\/p>\n<p>Je mehr du sitzt, desto klarer wirst du verstehen, dass der Buddha und der Normalb\u00fcrger in dir zusammen wohnen. Das ist Samadhi: Eine unbegrenzt weite und zugleich komplizierte Welt.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<h4>28. Wer h\u00e4tte dich vermisst, wenn du letztes Jahr gestorben w\u00e4rst?<\/h4>\n<p>Du wunderst dich dar\u00fcber, warum dein Gegen\u00fcber so ein \u00e4rgerliches Gesicht macht? Vielleicht liegt es daran, dass du dich selbst gerade \u00fcber deinen Gegen\u00fcber \u00e4rgerst \u2013 und er blickt nur mit den selben b\u00f6sen Augen zur\u00fcck. Was du f\u00fcr die anderen f\u00fchlst, reflektiert sich in deren Einstellung gegen\u00fcber dir.<\/p>\n<p>Wir betrachten die Dinge durch unsere gef\u00e4rbte Brille \u2013 im Buddhismus nennen wir das &#8222;Karma&#8220; oder &#8222;Illusion&#8220;. Die Welt, mit der wir zufrieden sind, und die Welt, mit der wir unzufrieden sind, haben wir selbst fabriziert.<\/p>\n<p>Es gibt im Leben weder Gl\u00fcck noch Ungl\u00fcck. Es h\u00e4ngt alles nur von deiner pers\u00f6nlichen Persepktive ab: Es gibt Leute, die sich selbst inmitten des gr\u00f6\u00dften Gl\u00fccks noch in ihrem Leiden winden.<\/p>\n<p>Die Geschichte deines Lebens ist so wie der Weg der Wolken. Der weite Himmel ist die Leere. Da gibt es nichts festzuhalten \u2013 wirklich nichts.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<h4>29. Du lebst bereits im Nirvana \u2013 und machst dir immer noch Sorgen ums Monatsgehalt?<\/h4>\n<p>Du schm\u00fcckst dich mit deinem Rang und Namen, und dabei wei\u00dft du noch nicht einmal, wer du wirklich bist. Du wei\u00dft nicht, welchem Zufall du deine Geburt verdankst, und du wei\u00dft auch nicht, warum du atmest. Bevor du dich versiehst, hast du dich in ein M\u00e4dchen verliebt, und pl\u00f6tzlich stehst du da mit Frau und Kind \u2013 und wei\u00dft immer noch nichts.<\/p>\n<p>St\u00e4ndig sind die Menschen auf der Flucht. Sie verstecken sich hier, sie verstecken sich da \u2013 immer auf der Suche nach einem besseren Schlupfloch. Wann nimmt die Flucht eines Menschen endlich ihr Ende? Im Sarg.<\/p>\n<p>Nichts in der Welt ist wirklich von Bedeutung: Geld z\u00e4hlt nichts, deine Karriere z\u00e4hlt nichts, was dir schmeckt oder nicht ist unbedeutend. Nichts ist uninteressanter als das, was die Leute interessiert. Katastrophen? Nichts dabei. Selbst Ryokan sagte: &#8222;Im Ungl\u00fcck musst du dem Ungl\u00fcck begegnen, wenn du stirbst, dann stirb! Auf diese wundersame Weise kannst du jeder Katastrophe entfliehen.&#8220;<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<h4>30. Du willst deinem erleuchteten Meister so nah sein wie eine Laus in der Unterhose?<\/h4>\n<p>Es ist wichtig, diese Welt vom Standpunkt des Todes aus zu betrachten. Wie sieht die Welt vom Sarg aus betrachtet aus? So lange du lebst, siehst du nur die Welt deiner Illusionen. Nur wenn du stirbst, kommt diese Welt zu wirklichem Leben.<\/p>\n<p>Nichts im Leben steht fest: Gl\u00fcck erscheint bei n\u00e4herem Hinsehen als Ungl\u00fcck, oder Ungl\u00fcck als Gl\u00fcck. In Wirklichkeit gibt es weder Gl\u00fcck noch Ungl\u00fcck, weder Freude noch Leid. Nichts muss auf irgendeine bestimmte Weise sein, alles ist gut so wie es gerade kommt. Nur die Menschen machen ein gro\u00dfes Theater darum \u2013 das ist das Leben.<\/p>\n<p>Viele Dinge im Leben sind nur Hirnprodukte: Begriffe, denen wir Kleider angezogen haben. Wir m\u00fcssen zur\u00fcck zu uns selbst, aufwachen zu uns selbst, und die Welt so sehen wie sie wirklich ist, ganz nackt, ohne unsere Fabrikationen. Buddha-Dharma bedeutet nichts anderes als das. All das, was wir uns angelernt haben, was wir vom H\u00f6rensagen kennen, m\u00fcssen wir erst einmal vergessen. Von unserem angeh\u00e4uften Wissen, all dem was wir in der Schule gelernt oder im Fernsehen gesehen haben, lassen wir uns doch nur an der Nase herumf\u00fchren.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<h4>31. Das Universum als Ganzes ist nichts als erwachter Geist<\/h4>\n<p>Du machst dir Gedanken dar\u00fcber, wie du am schnellsten vom Punkt X zum Punkt Y kommst? Die Antwort der Praxis von Shikantaza besteht darin, einfach zur\u00fcckzukehren zu dem Punkt, an dem diese Gedanken nichts z\u00e4hlen. Beim Sitzen gibt es weder reich noch arm, weder geschickt noch ungeschickt. An diesen Punkt zur\u00fcckgekehrt, einfach fest am Boden sitzen.<\/p>\n<p>&#8222;Der Vogel singt, die Blume lacht \u2013 ganz von selbst, ganz nat\u00fcrlich.&#8220;<br \/>\nDabei kommen ihnen keine Gedanken dazwischen wie: &#8222;Ich werde den Sawaki jetzt mal mit einem Lied beeindrucken.&#8220; Oder: &#8222;Hast du denn keine Augen im Kopf? Siehst du nicht, wie sch\u00f6n ich hier bl\u00fche?&#8220;<br \/>\nDer Vogel singt einfach, die Blume bl\u00fcht einfach \u2013 auf diese Weise verwirklichen sie sich selbst als sich selbst durch sich selbst.<\/p>\n<p>Weisheit ist etwas anderes als Cleverness. Wer clever ist, stellt sich selbst in den Mittelpunkt, aber Weisheit besteht aus der Einsicht, dass es diesen Mittelpunkt nicht gibt. Es gibt kein Selbst. Deshalb geht es dem Weisen auch nicht um sich selbst. Der Weise will Erl\u00f6sung nicht f\u00fcr sich allein.<\/p>\n<p>Wenn du furzt, dann stinkt es \u2013 was ist Wahrheit, wenn nicht das? Es gibt \u00fcberhaupt nichts in Raum und Zeit, was nicht Ausdruck dieser Wahrheit ist. Ist Wei\u00df besser als Schwarz? Wer kann das schon bestimmen! Wei\u00df ist wei\u00df, Schwarz ist schwarz \u2013 auf gleiche Weise dr\u00fccken alle Dinge den Dharma aus, ohne dass das eine besser w\u00e4re als das andere.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<h4>32. Mein Zazen schlie\u00dft Truman genauso ein wie Mao Tse-tung<\/h4>\n<p>Zazen bedeutet, mit diesem K\u00f6rper \u2013 so wie er ist \u2013 das ewige Leben zu leben. Es bedeutet, das Leben auf eine absolute Weise zu leben. Das h\u00f6chste Ziel, das sich ein Mensch in diesem Leben sezten kann, ist, diesen K\u00f6rper f\u00fcr das ganze Universum einzusetzen.<\/p>\n<p>Zazen bedeutet, zu bezeugen, dass du dieses Leben von der gro\u00dfen Natur empfangen hast und nur durch die Kraft dieser Natur lebst. Das bedeutet wiederum, dass du nicht wirklich &#8222;du selbst&#8220; bist, denn du bist nahtlos verbunden mit dem ganzen Universum. Deshalb gibt es keinen Ort im Universum, den du nicht erreichst: Wenn du Zazen praktizierst, dann praktiziert das ganze Universum mit dir. Denn das Universum ist der Inhalt deiner Praxis.<\/p>\n<p>Zen muss deine Lebenseinstellung sein, und diese Lebenseinstellung muss darin bestehen, dass du dich bei keinem Schritt oder Handgriff, den du tust, aus dem Blick verlierst. Das bedeutet, dass du immer festen Boden unter den F\u00fc\u00dfen hast, oder \u2013 mit anderen Worten \u2013 dass du dich nicht vom Universum distanzierst. Du lebst dein Leben, indem du mit dem Universum ausatmest und mit dem Universum einatmest.<\/p>\n<p>Wenn du erkennst, dass du nahtlos mit dem Universum verbunden bist, dann wirst du auch verstehen, dass es dir nicht m\u00f6glich ist, dass kosmische Leben zu t\u00f6ten. Wenn du das kosmische Prinzip verstehst, dass es \u00fcberhaupt nicht m\u00f6glich ist, Leben zu t\u00f6ten, dann wirst du auch nicht t\u00f6ten. Das ist die Bedeutung des Satzes: &#8222;Du sollst nicht t\u00f6ten!&#8220; Das ist kein Verbot. Es ist eine Selbstverst\u00e4ndlickeit, zu der du aufwachen musst.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<h4>33. Zazen ist ehrhaben, weil das Universum erhaben ist<\/h4>\n<p>Buddha ist kein Begriff. Wenn wir unsere Muskeln und Sehnen ins Gleichgewicht bringen, wird dieser K\u00f6rper selbst Buddha. Die \u00dcbung selbst ist Satori. Die Form ist der Geist. Die Haltung ist der Weg.<\/p>\n<p>&#8222;Erwachen&#8220; bedeutet, reine Klarheit mit dem K\u00f6rper zu erf\u00fchlen. Das bedeutet, dass du \u00fcber den Geist Buddhas verf\u00fcgst, wenn deine Muskeln und Sehnen so angeordnet sind wie die Muskeln und Sehnen Buddhas. Zazen zu \u00fcben bedeutet, sich auf diese Weise mit dem Universum auf gleiche Wellenl\u00e4nge zu bringen, und das bedeutet wiederum, das eigene Barometer, das am Ver\u00fccktspielen war, zur\u00fcck zum exakten Funktionieren zu bringen.<\/p>\n<p>Ich vertraue darauf, dass Zazen eins ist mit diesem Sawaki. Zazen ist Sawaki, Sawaki ist Zazen. Und dazwischen gibt es nicht die kleinste L\u00fccke. Das ist gar nicht so einfach. Gew\u00f6hnlich denkst du in Zazen an das M\u00e4dchen, das dir gerade auf der Stra\u00dfe begegnet ist, oder an sonst irgendetwas. Doch eigentlich ist Zazen so hoch und unbeweglich wie der Berg Fuji. Zappel deshalb nicht so herum, und schlaf auch nicht ein in Zazen! Wenn ich sitze wie ein Stein, dann zieht Zazen den Sawaki ganz an sich und saugt ihn auf. Das bedeutet Samadhi, und das ist mein wahres Selbst.<\/p>\n<p>Samadhi bedeutet das Selbst, f\u00fcr das es keinen Ersatz gibt, zu ergreifen, es bedeutet eins mit dem gegenw\u00e4rtigen Augenblick zu werden. Wichtig ist, dass wir dieses Samadhi unser ganzes Leben lang fortsetzen. Gestern Zazen, heute Zazen. Tag ein, Tag aus, Jahr f\u00fcr Jahr Zazen \u00fcben. Auf diese Weise werden wir vertraut mit uns selbst in Zazen, und dieses Zazen zu ergreifen bedeutet nichts anderes, als uns selbst zu ergreifen.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<h4>34. Es gibt kein Problem, das sich nicht l\u00f6st, sobald du von dir selbst absiehst<\/h4>\n<p>Pass auf, dass du nicht eine Art von Rausch, in dem du dich selig und geborgen f\u00fchlst, mit gl\u00e4ubigem Geist verwechselst. Du f\u00fchlst dich gut w\u00e4hrend Zazen? Glaub ja nicht, dass dieses &#8222;gute Gef\u00fchl&#8220; w\u00e4hrend Zazen Samadhi ist! Das ist die gleiche Illusion, die du hast, wenn du dich irgendwie ganz selig und geborgen f\u00fchlst. Die wahre Buddhalehre beginnt an dem Punkt, an dem du aufwachst aus diesem Rausch. F\u00fcr die &#8222;Geistlichen&#8220; stellt dieser Rausch allerdings eine nicht unbedeutende Geldquelle dar \u2013 deshalb w\u00fcrde von denen auch keiner auf die Idee kommen, das zu sagen, was ich hier sage.<\/p>\n<p>Zazen bedeutet, sich selbst durchsichtig zu werden. Nirgends wirst du so gnadenlos mit dir selbst konfrontiert wie in Zazen. Du wirst all das an dir sehen, was du lieber nicht gesehen h\u00e4ttest. Und je reiner dein Zazen ist, desto durchsichtiger wirst du dir werden. Je durchsichtiger du dir wirst, desto deutlicher werden dir deine schmutzigen Seiten vor Augen kommen. Nur wenn du dich wirklich selbst erkennen willst, praktiziere Zazen. Du musst Zazen inmitten deiner Illusionen praktizieren. Zazen wirft das Licht der Wahrheit auf dich selbst, der du verloren bist in der Irre. Inmitten deiner Illusionen bist du umfangen von Buddha, und je deutlicher du Buddha siehst, desto deutlicher wirst du auch erkennen, wie tief du dich in deine Illusionen verstrickt hast und wie erb\u00e4rmlich du dein Leben wirklich lebst. Glauben bedeutet, sich schweigend \u00fcber sich selbst klar zu werden.<\/p>\n<p>Zu beten bedeutet nicht, Gott um einen Platz im Paradies zu bitten oder auf so etwas wie &#8222;Satori&#8220; zu warten. In einem wirklichen Gebet ist der Bettler in deinem Herzen, der dich st\u00e4ndig am \u00c4rmel zupft und im dies oder das bittet, vollkommen verschwunden. Ein Gebet darf nicht deine pers\u00f6nlichen W\u00fcnsche und Hoffnungen zur Wurzel haben. Die Wurzel eines echten Gebetes ist die Wurzel die du mit all den zehntausend Dingen im Himmel und auf der Erde teilst. Dieses Gebet verbindet dich nahtlos mit dem Grenzenlosen \u2013 so wie ein wei\u00dfer Reiher, der sich im Schnee niederl\u00e4sst.<\/p>\n<p>Wenn zwei Menschen den Kopf voreinander senken, dann bedeutet das, dass sie ihrem Ego eine kleine Pause geben. Umgekehrt hei\u00dft das aber auch, dass wir unserem Ego eine Pause geben m\u00fcssen, um wirklich unseren Kopf vor jemandem zu senken. Die beiden, die sich auf solche Weise voreinander verbeugen, sind in dem Augenblick nahtlos miteinander verbunden. Sowohl der, der sich verbeugt, als auch der, der die Verbeugung entgegennimmt, gehen weit \u00fcber den Rahmen ihrer Normalb\u00fcrger-Gef\u00fchle hinaus. Das wichtigste im Leben ist es, es mit Respekt zu leben. Selbst deine Familienprobleme werden sich aufl\u00f6sen, wenn du nur einmal f\u00fcr zehn Tage lang versuchst, den anderen Respekt zu zollen.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<h4>35. Dein Sturz beginnt, sobald du dich vom Universum als Ganzem trennst<\/h4>\n<p>Mit deiner st\u00e4ndigen Quengelei zerknirschst du dich nur selbst. Es wird Zeit, dass du die Runzeln in deinem Herzen ausb\u00fcgelst und dich einfach hinsetzt f\u00fcr eine halbe Stunde: Mach klaren Tisch mit allem! Dann wirst du im Licht der urspr\u00fcnglichen Wahrheit deinem wirklichen Gesicht begegnen.<\/p>\n<p>Zazen zu praktizieren bedeutet, auf dein pers\u00f6nliches Selbst zu verzichten. W\u00e4hrend Zazen nimmst du Urlaub von deinen Privatangelegenheiten. Nur wenn du aufh\u00f6rst damit, dich mit deinen Privatangelegenheiten zu besch\u00e4ftigen, wirst du einsehen, dass du eins bist mit dem Universum. Solange du das nicht einsehen willst und dir nur um deinen eigenen Fleischsack Sorgen machst, werden dir alles Geld der Welt, all dein Studium und selbst Jahrzehnte von Zazen-Praxis nicht weiterhelfen.<\/p>\n<p>Das Licht der Weisheit ist nichts, was du wahrnehmen k\u00f6nntest. Denn deine Wahrnehmung selbst ist das Licht der Weisheit. Dein wahres Selbst ist kein Teil deines Bewusstseins. Wenn du dir selbst bewusst bist, dann bist du das nur, weil du dich mit den anderen vergleichst. Aber so, wie du dir deines Schlafes nicht bewusst bist, so bist du dir auch deines wahren Selbstes nicht bewusst. Aber nur, weil du es nicht sehen oder verstehen kannst, hei\u00dft das nicht, dass du nicht eins damit sein k\u00f6nntest. In Zazen bist du wirklich eins mit dir selbst.<\/p>\n<p>Eins zu sein in Zazen hei\u00dft, dass du selbst dich selbst durch dich selbst zu dir selbst machst. Deshalb darfst du Zazen nicht zu einem Objekt deines Bewusstseins machen. Zu behaupten, du h\u00e4ttest Satori gehabt oder dich auf diese oder jene Weise ver\u00e4ndert, klingt so, als wolltest du sagen: &#8222;Guck mal wie tief ich gerade schlafe!&#8220;<br \/>\nAls ich einmal beim Fris\u00f6r eingeschlafen war, sagte mir sp\u00e4ter der Junge, ich h\u00e4tte ein s\u00fc\u00dfes Gesicht wenn ich schlafe. Das wollte ich dann mit eigenen Augen sehen und beschloss, einen Spiegel neben meine Bett zu stellen, so dass ich im Schlaf einen versteckten Blick auf mein Gesicht werfen k\u00f6nnte. Ich musste feststellen, dass das nicht funktioniert.<br \/>\nWenn du wirklich schl\u00e4fst, dann denkst du nicht, dass du schl\u00e4fst \u2013 du bist eins mit dem Schlaf.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<h4>36. Deine Illusionen sind nichts als Licht der Weisheit<\/h4>\n<p>Wer sich selbst f\u00fcr einen guten Menschen h\u00e4lt, ist in Wirklichkeit keiner. Wer sich wirklich f\u00fcr einen schlechten Menschen h\u00e4t, ist dagegen nicht so schlecht. Deshalb ist es nichts weniger als ein Beweis von geistiger Klarheit, wenn du deine Illusionen als solche erkennst. Dar\u00fcberhinaus gibt es keine Illusionen mehr zu tilgen, und auch keine Wahrheit zu erstreben.<\/p>\n<p>Du beklagst dich \u00fcber deine Gedanken w\u00e4hrend Zazen. Aber ist es nicht ganz nat\u00fcrlich, dass du dir dein ganzes Leben lang Gedanken machst? Es ist nicht n\u00f6tig, diese Gedanken f\u00fcr &#8222;st\u00f6rend&#8220; zu erkl\u00e4ren und zu versuchen, sie zu tilgen. Es ist auch nicht n\u00f6tig, diese Gedanken f\u00fcr etwas besonders Wichtiges zu halten. Lass diese Gedanken einfach so sein, wie sie sind. Wenn sie kommen, lass sie kommen. Du darfst blo\u00df nicht nach ihnen greifen, um einen Gedanken aus dem n\u00e4chsten fortzuspinnen \u2013 so wirst du dich nur in deinen Gedanken verlieren. Wenn du nur damit aufh\u00f6rst, werden sich deine Gedanken von alleine wieder aufl\u00f6sen. Wenn sich ein Gedanke aufl\u00f6st, taucht sofort der n\u00e4chste auf. Solange du dich nicht mit ihnen besch\u00e4ftigst, verschwinden alle deine Gedanken ohne irgendwelche Spuren zu hinterlassen. Und wie aus dem Nichts heraus erscheinen neue Gedanken an der Oberfl\u00e4che deines Bewusstseins. Sitz einfach in Zazen, indem du kommen l\u00e4sst was kommt, ohne dich damit zu besch\u00e4ftigen. Nur Zazen erlaubt es dir wirklich, dich nicht damit zu besch\u00e4ftigen.<\/p>\n<p>84 tausend Gedanken entstehen und vergehen: Das bedeutet, dass dein K\u00f6rper \u2013 ganz ohne dein Zutun! \u2013 seinem Gesch\u00e4ft nachgeht, ohne seine T\u00e4tigkeit auch nur f\u00fcr einen einzigen Augenblick zu unterbrechen. Deshalb bist es nicht wirklich &#8222;du&#8220;, der diese Gedanken &#8222;hat&#8220;, und es ist dein Irrtum, wenn du glaubst, dass das &#8222;deine Gedanken&#8220; sind, mit denen du nun irgendetwas anstellen musst. Um diesem Irrtum zu entgehen, befasse dich einfach nicht mit den Gedanken \u2013 die Haltung deiner Praxis ist richtig, wenn du die Gedanken einfach sein l\u00e4sst. Dann wirst du verstehen, dass das Entstehen und Vergehen der 84 tausend Gedanken nichts weiter als die nat\u00fcrliche Funktion deines K\u00f6rpers in jedem Augenblick sind. Du verdankst es diesem Funktionieren, dass du in diesem Augenblick am Leben bist, und deshalb ist jeder einzelne Gedanke nichts anderes als das Licht der Wahrheit.<\/p>\n<p>Du glaubst, dass dein Zazen zu nichts taugt, denn: &#8222;Soviel ich auch Zazen praktiziere, es will mir einfach nicht gelingen, mich von meinen st\u00f6renden Gedanken zu befreien!&#8220;<br \/>\nWenn du dir st\u00e4ndig den Kopf dar\u00fcber zerbrichst, wie du deine &#8222;st\u00f6renden Gedanken&#8220; loswerden kannst, dann ist es kein Wunder, dass du dich nicht von diesen Gedanken befreien kannst: Der Gedanke, sich von den Gedanken befreien zu wollen \u2013 ist ja selbst ein Gedanke!<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<h4>37. Verschwindest du in Zazen? Oder benutzt du Zazen f\u00fcr dich selbst?<\/h4>\n<p>Glauben bedeutet, \u00fcber sich selbst klar zu werden. Wenn du den Krug mit dem tr\u00fcben Wasser fest hinstellst, dann wird sich der Dreck bald setzen. Das gilt auch f\u00fcr deine Illusionen w\u00e4hrend Zazen: Du hast diese Illusionen, und da ist auch gar nichts dabei. Wichtig ist nur, dass du ganz du selbst bist. Lass dich von nichts und niemandem an der Nase herumf\u00fchren \u2013 sitz einfach stabil an deinem Platz, und deine Illusionen werden sich ebenfalls setzen.<\/p>\n<p>Die Menschen haben Angst vor der Langeweile. Verzweifelt versuchen sie, die Zeit totzuschlagen, immer auf der Suche nach etwas &#8222;Interessantem&#8220;. So vergeuden sie ihr ganzes Leben wie Kinder, die st\u00e4ndig nach einem neuen Spielzeug betteln. Dabei vergessen sie, was f\u00fcr eine wunderbare Sache diese Langeweile ist: Wie lang ist doch die Zeit des Lebens, das du in Zazen verbringst?<\/p>\n<p>In unserer Schule bedeutet Zazen nicht die Vorbereitung auf Satori. Wir \u00fcben einfach Zazen. Daf\u00fcr ist nichts weiter notwendig. Du brauchst keinen Bleistift und Papier mitzubringen. Du kannst auch dein Satori und deine Illusionen zuhause lassen. Bring \u00fcberhaupt nichts mit zum Zazen! Zazen bedeutet einfach zu sitzen \u2013 und das ist alles. In diesem einfachen Tun liegt eine unbegrenzte Weite, doch weil es da keine S\u00fc\u00dfigkeiten f\u00fcr die Menschen zu finden gibt, ziehen die schnell weiter.<\/p>\n<p>Denke einmal vom Standpunkt des Todes \u00fcber die Dinge nach. Ein Toter macht sich keine gro\u00dfen Gedanken. Alle Probleme l\u00f6sen sich auf, wenn du aufh\u00f6rst, dir den Kopf zu zerbrechen. Zazen bedeutet, in den eigenen Sarg zu steigen: Da gibt&#8217;s nichts mehr zu diskutieren. Wenn du sitzt, stell dir vor, du seist schon tot.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<h4>38. Zu sitzen bedeutet, deinem allerneuesten Selbst zu begegnen<\/h4>\n<p>Zen ist das Vertrautwerden mit dir selbst. Du machst dich selbst durch dich selbst zu dir selbst. Das wird ein Buddha genannt: Einer, der vollkommen zu sich selbst geworden ist.<\/p>\n<p>Hier geht es nicht um dein von Schimmel \u00fcberwachsenes pers\u00f6nliches Selbst. Es geht um dich selbst, der du nahtlos mit dem Universum verbunden bist. Das hei\u00dft, dass du gleichzeitig mit allen Buddhas und mit allen leidenden Wesen verbunden sein musst. Nach dir selbst auf diese Weise zu suchen, bedeutet das Herz des Weges zu besitzen. Das Herz des Weges sieht ein, dass &#8222;ich&#8220; und &#8222;du&#8220; nicht getrennt voneinander sind.<\/p>\n<p>Ein Normalb\u00fcrger, der sich selbst entdeckt hat, ist kein &#8222;Normalb\u00fcrger&#8220; mehr. Denn der Inhalt jedes Normalb\u00fcrgers ist ein Buddha. Und ein Buddha ist nicht einfach ein &#8222;Buddha&#8220;. Der Inhalt jedes Buddhas ist ein Normalb\u00fcrger. Buddha und der Normalb\u00fcrger sind eins und verschieden, verschieden und eins. Trennen kannst du sie nicht.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<h4>39. Zazen bedeutet, Buddha zu spielen<\/h4>\n<p>Den Buddhaweg zu praktizieren bedeutet, so zu tun, als ob du Buddha seist. Du musst Buddha so perfekt imitieren wie du nur kannst. Ein Problem entsteht allerdings, wenn du die Buddhalehre als Mensch zu verstehen versuchst. Denn dann wirst du versuchen, selbst die Buddhalehre zu etwas Menschlichem zu machen. Und du wirst glauben, dass deine Imitation Buddhas deine eigene menschliche Leistung ist, die dir einen entsprechenden Nutzen einbringen wird. So etwas nennt man eine &#8222;Zen-Krankheit&#8220;.<\/p>\n<p>&#8222;Bringt es mir was? Oder bringt es mir nichts?&#8220;<br \/>\nLass ab von dieser Geisteshaltung und sitz einfach.<\/p>\n<p>Shikantaza bedeutet, mit einem Eimer ohne Boden das Wasser aus dem Brunnen zu sch\u00f6pfen. Diese Praxis darf aber nicht oberfl\u00e4chlich sein. Du musst bis ans Ende gehen \u2013 alles aussch\u00f6pfen. &#8222;Einfach sitzen&#8220; bedeutet nicht, einfach nur so herumzusitzen. Dein ganzes Leben muss davon abh\u00e4ngen, dass die Richtung deiner Praxis stimmt. Zazen ist kein Mittel zum Zweck. Zazen muss deine Welt sein: Wenn du den Weg bis ganz ans Ende gehst, kehrst du heim an diesen Ort, hier und jetzt, ganz du selbst.<\/p>\n<p>Zazen ist einfach nur Zazen. Zazen selbst ist das Ziel, das andere Ufer (Nirvana), der h\u00f6chste Wert. Es geht nicht darum, zum Buddha zu werden. Was bedeutet Zazen? Es bedeutet, Buddha zu spielen. Das ist keine Arbeit. Wir spielen Buddha.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<h4>40. Du willst Gesundheit und ein langes Leben? Du musst krank sein!<\/h4>\n<p>Heutzutage w\u00fcnscht sich alles Gesundheit und ein langes Leben. Doch zu welchem Zweck willst du eigentlich gesund sein und lange leben? Merkst du nicht, dass dein Wunsch nach langem Leben selbst wie eine Krankheit ist? Ein langes Leben oder Gesundheit allein bedeutet mir gar nichts. Nur um den Buddhaweg gehen zu k\u00f6nnen, w\u00fcnsche ich mir auch lange zu leben und gesund zu sein.<\/p>\n<p>Was willst du eigentlich in Wirklichkeit? Vielleicht lohnt es sich, dir einmal dar\u00fcber Gedanken zu machen. Wenn du einfach nur so in den Tag hinein lebst, frisst was dir vor die Nase kommt, ohne dir je solche Gedanken zu machen \u2013 dann ist dein Leben kein echtes Leben. Nur durch Religion wirst du an das gelangen, was du dir als Mensch letztendlich w\u00fcnscht. Was ist dieses Letztendliche? Ich nenne es: Zazen.<\/p>\n<p>Unser Geist ist st\u00e4ndig in Bewegung. Er ist weder quadratisch noch rund \u2013 er l\u00e4sst sich \u00fcberhaupt nicht fassen. Trotzdem ist es dieser rastlose Geist, mit dem wir das Gel\u00fcbde leisten, alle lebenden Wesen zu retten, und dieses Gel\u00fcbde ist es, das uns unser Leben lang f\u00fchrt. Und irgendwann tr\u00e4gt das Gel\u00fcbde dann seine Fr\u00fcchte.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<h4>41. Alle Buddhas stecken tief in der Illusion \u2013 und die leidenden Wesen befinden sich auf dem Gipfel erleuchteter Weisheit<\/h4>\n<p>Ich bin wie ein Cham\u00e4leon: Wenn ich im Zug sitze, mache ich ein grimmiges Gesicht, damit mich die Kinder nicht beim Nickerchen st\u00f6ren. Ihr k\u00f6nnt euch vorstellen, was die f\u00fcr ein \u00fcberraschtes Gesicht machen, wenn ich ihnen dann beim Aussteigen freundlich zulache und sage: &#8222;Ich w\u00fcnsch euch noch eine sch\u00f6ne Reise!&#8220;<\/p>\n<p>Wenn du jemanden ausschimpfst, darfst du in deinem Herzen nicht wirklich w\u00fctend sein. Du musst immer \u00fcber den Spielraum verf\u00fcgen, im n\u00e4chsten Moment wieder zu lachen. Immer, wenn ich jemanden andonnere, lache ich dabei in meinem Herzen.<\/p>\n<p>Nur wenn du restlos verschwunden bist, kann von gro\u00dfem Mitgef\u00fchl die Rede sein. Solange da auch nur eine Spur von dir selbst \u00fcbrig ist, hat das mit Mitgef\u00fchl nichts zu tun.<\/p>\n<p>Angenommen du stirbst, weil du alles von dir f\u00fcr die anderen gegeben hast. Ist das wirklich so schlimm? Wichtig ist nur das Herz, das nichts f\u00fcr sich selbst zur\u00fcck erwartet.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<h4>42. Nichts \u00fcbertrifft das, was gut f\u00fcr nichts ist<\/h4>\n<p>Der Normalb\u00fcrger macht sein ganzes Leben lang ein gro\u00dfes Theater um sein Ansehen, seine Vorlieben, seine Karriere und was ihm so gerade schmeckt. Stets schn\u00fcffelt er herum wie ein Hund in der Hoffnung irgendwo ein kleines Schn\u00e4ppchen zu machen. Doch was bringt das schlussendlich? Nichts! Wenn du wirklich verstehst, dass es nichts bringt, gibt es nichts weiter zu suchen. Du findest Ruhe in Zazen, dem Abfallen von K\u00f6rper und Geist.<\/p>\n<p>Du machst Zazen? Du musst von Zazen gemacht werden! Zazen bringt nichts. Zazen ist kein Werkzeug der Menschen. Die Werkzeuge der Menschen werden von Menschen wieder zerst\u00f6rt. Das Ewige dagegen gibt sich nicht mit den Menschen ab.<\/p>\n<p>Alles in der Welt verursacht Unkosten. Nichts gibt es umsonst. Deshalb leuchtet es uns auch nicht ein, wenn wir etwas ganz umsonst machen sollen. Nichts erfordert einen gr\u00f6sseren Entschluss, als eine Sache ganz umsonst zu tun.<\/p>\n<p>Wenn ein Mensch sich fortwirft f\u00fcr den Dharma, dann ist dabei kein Zaudern und Z\u00f6gern im Spiel. Wenn du alles, einschlie\u00dflich der letzten H\u00fclle fortwirfst, sitzt du gerade und einfach, ohne zu zaudern und zu z\u00f6gern.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<h4>43. Der Buddhaweg reicht dir vom Scheitel bis zur Sohle<\/h4>\n<p>Es hei\u00dft, dass es nicht den geringsten Unterschied zwischen jedem einzelnen von uns und Buddha gibt. Ich frage mich: Ist da wirklich nicht der geringste Unterschied? Nein, wie k\u00f6nnte es je einen gr\u00f6\u00dferen Unterschied geben! Du fragst, was dich von Buddha unterscheidet? Das, was du mir dir herumtr\u00e4gst: M\u00e4nner glauben, dass sie &#8222;M\u00e4nner&#8220; sind, Frauen glauben, dass sie &#8222;Frauen&#8220; sind. Hier liegt die Wurzel der Illusion.<\/p>\n<p>St\u00e4ndig verschanzt du dich hinter deinem Ego. Du betrachtest die Dinge nur vom Standpunkt deines Egos aus, deshalb siehst du alles falsch. Selbst wenn du dich vor Buddha verbeugst, stimmt da etwas nicht. Selbst wenn du Zazen machst, machst du es falsch.<\/p>\n<p>Von morgens bis abends taumelst du umher zwischen Freude und Leid, und die Besch\u00e4ftigung mit deiner pers\u00f6nlichen Stimmung macht alles nur noch schlimmer: Mit deinen Gedanken \u00fcber Leben und Tod treibst du dich schlie\u00dflich selbst tiefer und tiefer in die Sackgasse. Das Problem von Leben und Tod ist eine psychologische Fallgrube \u2013 es existiert nur in deinen Gedanken: Auch wenn du dir einredest, dass du durch die L\u00f6sung dieses Problems dem Kreislauf von Leben und Tod entfliehen kannst, so ist diese L\u00f6sung, an die du denkst, doch nur eine L\u00f6sung innerhalb deiner Gedanken, und der Gedanke, das Problem von Leben und Tod l\u00f6sen zu wollen, ist selbst nicht mehr als ein Bestandteil des Problems an sich.<\/p>\n<p>Du glaubst, dass du dich von deinem ehrgeizigen Streben gel\u00f6st hast \u2013 und h\u00e4lst nun genau an dieser Idee hartn\u00e4ckig fest. Du glaubst, dass du Schluss gemacht hast mit deinen Illusionen \u2013 und machst dir so nur eine Illusion mehr. St\u00e4ndig bleibt da etwas, das du nicht aus der Hand geben willst. Du musst diese Trennung aufheben, und auch deinen Geist, der glaubt &#8222;aufzuheben&#8220;, aufheben \u2013 und selbst das Aufheben noch aufheben. Im Buddha-Dharma kommst du deshalb nie an ein Ende.<\/p>\n<p>Es geht hier um eine innere Kehrtwendung. Du musst in deinem Innersten neu geboren werden, um dich von deinem Ego zu l\u00f6sen. Das ist nicht unm\u00f6glich \u2013 vielleicht geht es nicht f\u00fcr lange Zeitr\u00e4ume, dann l\u00f6se dich wenigstens f\u00fcr den Augenblick von deinem Ego. Praxis bedeutet, das Ego in jedem Augenblick von Neuem loszulassen.<\/p>\n<p>Zu welchem Zweck isst du eigentlich dein t\u00e4gliches Brot? Nur weil du Hunger hast? Und auch sonst tust du einfach das, wozu du gerade Lust hast? Du bist wie ein kleines Kind!<br \/>\nDu musst dir klar dar\u00fcber sein, warum du eigentlich lebst, warum du dein Brot isst. Genau ein Ziel musst du klar vor Augen haben. Egal was du tust, du musst es f\u00fcr diesen einen Zweck tun \u2013 tue, was immer du kannst, und wenn du ans Ende (des Lebens) gelangst, dann bist du eben ans Ende gelangt. Du brauchst nur eine einzige Aufgabe, f\u00fcr die es sich lohnt einfach und still \u2013 ohne jeden unn\u00f6tigen L\u00e4rm \u2013 dein Leben einzusetzen.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<h4>44. Du darfst den Buddhismus nicht zu w\u00f6rtlich nehmen<\/h4>\n<p>Als ich noch jung war, hat mir das Studium des Buddhismus eine Menge Kopfschmerzen bereitet. Der Buddhismus erschien mir als so schwierig, weil ich ihn so verstand wie ein Ern\u00e4hrungswissenschaftler das Kochen: Wenn wir wissenschaftlich exakt analysieren wollen, wieviel Salz und Vitamine in einem Gericht sind, wieviel Kalorien es hat, wie das Gericht zubereitet werden muss, damit die Vitamine nicht verloren gehen und so weiter, dann machen wir uns selbst nur Schwierigkeiten. Der Grund, weshalb der Buddhismus heutzutage vor die Hunde geht, liegt darin, dass alle ihn nur unter dem Gesichtspunkt der N\u00e4hrstoffanalyse betrachten, ohne jemals selbst davon zu essen. Mir reicht der einfache Geschmack \u2013 Tag ein, Tag aus. Die tote H\u00fclse der Wissenschaft interessiert mich nicht.<\/p>\n<p>Sich der \u00dcbung zu widmen ist etwas anderes, als \u00fcber die \u00dcbung nachzudenken. Ich rede zum Beispiel oft \u00fcber die Gesichtsz\u00fcge, weil mich Form interessiert. Ich glaube, dass Form von gr\u00f6sster Wichtigkeit ist. Ich glaube, dass die Form des Gassho, der Verbeugung und des Zazen selbst von den Buddhas vor Shakyamuni bereits von einem zum anderen weitergegeben wurden. Sich der \u00dcbung zu widmen bedeutet, mit Haut und Haaren in diese Form \u00fcberzugehen.<\/p>\n<p>&#8222;Wenn die Form stimmt, stimmt auch der Inhalt&#8220; \u2013 in einer richtigen Einstellung dr\u00fcckt sich ein richtiger Geist aus. Deshalb ist es notwendig, dass wir unsere Einstellung gegen\u00fcber dem sich t\u00e4glichen \u00e4ndernden Leben anhand der Praxis von Zazen \u00fcberpr\u00fcfen, und von morgens bis abends an dieser unserer Lebenseinstellung feilen.<\/p>\n<p>Nur geistige Tiefflieger begeistern sich f\u00fcr das, was in B\u00fcchern steht. Du musst lernen, die Wirklichkeit von deinen Hirngespinsten zu unterscheiden. Wenn du liest, lese dich selbst, erschaffe dich selbst. Du bist erst dann wirklich du selbst, wenn du alle Theorie hinter dir gelassen hast.<\/p>\n<p>Wissen \u00fcber Buddhismus anzuh\u00e4ufen ist eine gef\u00e4hrliche Sache: Du glaubst, allem mit Worten beikommen zu k\u00f6nnen. Und noch bevor diese Worte einen Inhalt f\u00fcr dich gewinnen, hast du schon eine Doktorarbeit mit ihnen verfasst, oder die Leute geben dir ihr Geld f\u00fcr deine &#8222;Dharmareden&#8220;.<\/p>\n<p>Die Wissenschaftler reden ihr ganzes Leben \u00fcber nichts anderes als Buchstaben. Dabei klauben sie so eifrig in diesen Buchstaben, dass sie schlie\u00dflich sterben, bevor deren Inhalt irgendeine Bedeutung f\u00fcr ihr eigenes Leben gewinnt. Das liegt daran, dass sie zu viel nachdenken und unterscheiden. Es ist ihnen unm\u00f6glich, eine Sache rein und direkt zu verstehen \u2013 wie zum Beispiel Zazen durch Zazen selbst zu kl\u00e4ren.<\/p>\n<p>Bodhigeist zu haben bedeutet, alle anderen retten zu wollen, bevor du selbst gerettet wirst. Doch wenn du nur dar\u00fcber redest, die anderen retten zu wollen, w\u00e4hrend du noch nicht einmal deinen Sitzplatz im Bus abtrittst, schweben deine Worte blo\u00df in der Luft.<\/p>\n<p>Wenn die Menschheit endlich zur\u00fcckkehrte zu ihrer wahren Natur, dann w\u00fcrden sich alle ihre Probleme l\u00f6sen. Doch bis heute drehte sich alles nur um&#8217;s Geld, Ficken und Fressen \u2013 das reinste Tollhaus!<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<h4>45. Du entdeckst den heutigen Tag da, wo noch keine Gedanken sind<\/h4>\n<p>Die eine gro\u00dfe Sache deines Lebens bekommst du nicht von deinen Eltern und auch nicht von deinem Meister geschenkt: In den Pfirsichbl\u00fcten entdeckst du diese eine Sache. Diese eine Sache geht \u00fcber dein Leben und deinen Tod hinaus \u2013 die Pfirsichbl\u00fcten bl\u00fchen!<\/p>\n<p>Sei ganz du selbst. An jedem Ort, zu jeder Zeit, musst du fest den Boden unter den F\u00fcssen haben und nicht einen einzigen Augenblick deines Lebens veschwenden. Wenn du du selbst bist, dann bist du Buddha.<\/p>\n<p>Du darfst noch nicht einmal Shakyamuni etwas nachmachen. Du musst dein Leben t\u00e4glich neu erfinden. Dein heutiger Tag muss sich grenzenlos ausdehnen. Mach ihn nicht zu einer Kopie deiner Gedanken von gestern. Deine Gedanken von heute m\u00fcssen vollkommen frei sein.<\/p>\n<p>Du selbst bist die Wahrheit. Deshalb darfst du nicht damit sparen. Himmel und Erde sparen nicht mit der Wahrheit. Satori beginnt da, wo du aufh\u00f6rst, danach zu suchen.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<h4>46. Du hast f\u00fcr deine Geburt nichts bezahlt \u2013 und willst jetzt sogar noch Geld zur\u00fcck haben?<\/h4>\n<p>Die Menschen leben in ihren Vorstellungen. Erst fabrizieren sie etwas, dann grabschen sie danach und fangen sich an darum zu zanken \u2013 und alles nimmt Teil an dem gro\u00dfen Theater. Ein Mensch wie ich, der sein Leben in Ruhe lebt, versucht nicht auf jeden Preis an den Fresstrog zu kommen der sowieso nichts zu fressen bietet. Ich versuche nichts Unerreichbares zu erreichen. Ich weine auch nicht wenn ich Pech gehabt habe, und ich bin auch nicht ganz aus dem H\u00e4uschen wenn ich Gl\u00fcck habe. Ich habe mein ganzes Leben gelassen gelebt.<\/p>\n<p>&#8222;Wir \u00fcben Zazen mit dem Ziel, Satori zu haben, nicht wahr?&#8220;<\/p>\n<p>Dummes Zeug! Willst du selbst f\u00fcr Zazen noch Trinkgeld haben? Wenigstens Zazen solltest du einfach und umsonst tun.<br \/>\nWenn man mich fragt, wof\u00fcr Zazen gut ist, sage ich, dass es gut f\u00fcr nichts ist. Und dann hei\u00dft es: &#8222;Wenn es gut f\u00fcr nichts ist, lass ich es lieber bleiben!&#8220;<\/p>\n<p>Die Frage ist, was ist \u00fcberhaupt gut f\u00fcr irgendetwas?<\/p>\n<p>Alles was wir tun ist umsonst. Alles was wir bekommen ist umsonst. Der Regen f\u00e4llt umsonst, die Sonne strahlt umsonst. Die Sonne schickt uns keine Rechnung f\u00fcr ihre &#8222;Solarenergie&#8220;. Was ist da schon dabei, dass wir nichts in den Tod mitnehmen k\u00f6nnen? Die Rechnung ist beglichen, fertig, aus! Was ist schon gro\u00df dabei, wenn du am Ende wie ein K\u00f6ter am Stra\u00dfenrand stirbst? Ich habe mein ganzes Leben mit der Absicht gelebt, schlie\u00dflich wie ein K\u00f6ter zu verrecken. Ich habe mein ganzes Leben an Zazen verschwendet. Alle versuchen dem Menschenleben noch etwas hinzuzuf\u00fcgen \u2013 darin liegt ihr Irrtum.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<h4>47. Von Pfeil und Bogen zur Atombombe: Was man so &#8222;Fortschritt&#8220; nennt<\/h4>\n<p>Wenn du einmal ganz ehrlich auf den Grund deines Herzens herabschaust, wirst du feststellen, dass du nur deinen Egoismus bem\u00e4ntelst, wenn du sagst: &#8222;Ich opfere mich f\u00fcr die anderen!&#8220;<\/p>\n<p>Geht es dir nicht in Wirklichkeit nur um dich selbst?<\/p>\n<p>Alle Welt sucht nach Befriedigung, nach der Erf\u00fcllung ihrer W\u00fcnsche. Und die Antwort findet man in Zeitschriften! Kein Wunder, dass die Leute heute noch viel tiefer in das Dickicht ihrer Ignoranz verirren als fr\u00fcher. Informationen aus aller Welt erreichen uns noch am selben Tag am Bildschirm. Und so beschleunigt sich auch der Kreislauf unserer Illusionen. Wir nennen diese Beschleunigung &#8222;Fortschritt&#8220; oder &#8222;Zivilisationen&#8220;, die Frage ist nur, in welche Richtung wir eigentlich fortschreiten. Vom Standpunkt des Buddhismus aus betrachtet, bedeutet dieser &#8222;Fortschritt&#8220; in Wirklichkeit einen Verfall. Wir beschleunigen unseren Verfall, und die ganze Welt windet sich dabei im Leiden.<br \/>\nDie Menschheit schritt fort von Pfeil und Bogen zur Armbrust, von der Armbrust zur Schrotb\u00fcchse, dann weiter zum Maschinegewehr bis sie schlie\u00dflich bei der Wasserstoffbombe angelangte. Doch wie weit haben sich die Menschen dabei charakterlich entwickelt? Nicht besonders: Es sind immer noch die gleichen gr\u00fcnen Bengels, die da aufeinander ballern. Nur haben sie heute gef\u00e4hrlichere Waffen in der Hand.<\/p>\n<p>Die Frage ist, was du eigentlich unter &#8222;Kultur&#8220; verstehst. Wenn dir das Kino nicht mehr reicht und dich die Konzerte nicht mehr befriedigen, mach einfach eine Pause von deiner &#8222;Kultur&#8220; und setze dich hin in Zazen: Hier wirst du endlich das finden, was du seit Ewigkeiten selbst im letzten Winkel noch erfolglos gesucht hattest.<\/p>\n<p>Satori hat keinen Anfang, die Praxis nimmt kein Ende. Warte nicht darauf, dass dir jemand ein Trinkgeld daf\u00fcr gibt. Praxis bedeutet, das Satori, das es schon von Anfang an gab, zu seinem vollen Ausdruck zu bringen. Deshalb gibt es kein Satori getrennt von der Praxis, und auch keine Praxis getrennt von Satori.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<h4>48. Der Teufel hat von dir Besitz ergriffen? Nimm ihm seine Beute wieder ab!<\/h4>\n<p>H\u00f6r auf zu quengeln. Leb in der Gegenwart, an diesem Tag, in diesem Moment. Was bleibt dir denn anderes \u00fcbrig, als an diesem Ort dein Bestes zu tun?<\/p>\n<p>All die ganzen Jahre bist du Einkaufen gegangen mit deinen Gef\u00fchlen, bist auf die Schnauze gefallen, warst eifers\u00fcchtig und hast mit H\u00e4nden und F\u00fc\u00dfen um dich geschlagen. Jetzt setz dich einfach hier hin. Wie lange nur bist du herumgeirrt, bis du endlich an diesen Punkt gelangt bist? Nun ist das verzweifelte Suchen endlich vorbei: Hierin liegt der Frieden und die Gelassenheit, die uns von Zazen geschenkt werden.<\/p>\n<p>Bei unserer Praxis ist es genauso wie beim Schilf-J\u00e4ten: Wenn du nicht ganz dabei bist, wirst du dir die Hand an den Gr\u00e4sern schneiden. Wenn du dagegen das Schilfgras vollkommen geistesgegenw\u00e4rtig bei der Wurzel packst, ist es nicht weiter schwierig. Je mehr ein Mensch von sich gibt, desto anst\u00e4ndiger sieht er aus.<\/p>\n<p>Ist es nicht seltsam, dass die Menschen immer mir ihrer Kraft sparen wollen? Jemandem wie mir, der \u00fcber keine besonderen Talente verf\u00fcgt und auch nicht besonders intelligent ist, dazu noch weder Geld noch Eltern hat, dem bleibt nichts, als alles von sich selbst zu geben. Insofern habe ich mit diesem Leben Gl\u00fcck gehabt. Denn welches Gl\u00fcck k\u00f6nnte gr\u00f6\u00dfer sein als das, sich in Umst\u00e4nden zu befinden, die einen zwingen, alles von sich zu geben?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ausz\u00fcge aus Zen ist die gr\u00f6\u00dfte L\u00fcge aller Zeiten von Sawaki K\u014dd\u014d R\u014dshi Das komplette Buch ist im Angkor-Verlag erschienen und im Buchhandel oder bei Amazon erh\u00e4ltlich. 1. Sich selbst finden und das eigene Leben sch\u00f6pfen Wenn du den Buddhaweg zu deiner eigenen Frage machst, wirst du erkennen, dass er sich jeden Tag \u00e4ndert. Wie soll ich den ewigen Weg in diesem Augenblick, in diesem Fall, beschreiten? Wir m\u00fcssen in jedem Augenblick neu aufwachen, jeden Augenblick von Neuem praktizieren. Wer wei\u00df schon, ob ich morgen noch leben werde? Wer erinnert sich noch an gestern? Was wirklich wichtig ist, ist was ich in diesem Moment tue. Meine F\u00fc\u00dfe m\u00fcssen hier so fest auf dem Boden stehen, dass durch sie mein ganzer Leib in der Erde verankert ist. Der Wert eines Menschen richtet sich nicht nach seinem Monatsgehalt. Was ist dann aber der wahre Wert eines Menschen? Wenn du nach ihm suchst, musst du erst einmal dich selbst finden. Wenn sich einer auf diese Suche begibt, dann hat er damit bereits das gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche Gl\u00fcck f\u00fcr einen Menschen gefunden. Mit sich selbst vertraut werden \u2013 was k\u00f6nnte gr\u00f6\u00dfer sein als das? \u00a0 2. Der Sawaki braucht einfach nur der Sawaki zu sein Als ich noch ein kleiner Handlanger im Eiheiji war, sa\u00df ich einmal alleine in der halbdunklen Halle in Zazen. Als die alte K\u00fcchenfrau, die mir gew\u00f6hnlich bei der Arbeit \u00fcbel zusetzte, das zuf\u00e4llig sah, warf sie sich unwillk\u00fcrlich nieder und verbeugte sich vor mir, so als sei ich der Buddha pers\u00f6hnlich. Diese Erfahrung hat mein Leben bestimmt. Hier habe ich gemerkt, dass ich Zazen mein ganzes Leben lang \u00fcben muss: &#8222;In Zazen steckt etwas, das selbst diese Alte dazu zwingt, sich niederzuwerfen&#8230; Ich wei\u00df nicht warum, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":72,"menu_order":21,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"side-navigation.php","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"class_list":["post-7456","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/antaiji.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/7456","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/antaiji.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/antaiji.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/antaiji.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/antaiji.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7456"}],"version-history":[{"count":25,"href":"https:\/\/antaiji.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/7456\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":18733,"href":"https:\/\/antaiji.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/7456\/revisions\/18733"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/antaiji.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/72"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/antaiji.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7456"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}