{"id":16264,"date":"2018-01-16T07:54:57","date_gmt":"2018-01-16T07:54:57","guid":{"rendered":"http:\/\/antaiji.org\/?p=16264"},"modified":"2018-01-16T11:35:39","modified_gmt":"2018-01-16T11:35:39","slug":"20180116-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/antaiji.org\/de\/20180116-2\/","title":{"rendered":"Den Berg hoch, um die Halle herum, rein ins Kulturradio und raus mit dem <i>Futter f&uuml;r Pferd und Esel<\/i>, 16. Januar 2018"},"content":{"rendered":"<p><iframe loading=\"lazy\" width=\"560\" height=\"315\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/MA38DchAuHg\" frameborder=\"0\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" width=\"560\" height=\"315\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/VCK3CddW5lY\" frameborder=\"0\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" width=\"560\" height=\"315\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/3TTzPkuClno\" frameborder=\"0\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" width=\"560\" height=\"315\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/cQoM82Invhw\" frameborder=\"0\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" width=\"560\" height=\"315\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/sMCRzKwFpe8\" frameborder=\"0\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>Die Freunde unseres Klosters, die uns per Paypal unterst&uuml;tzen, sollten in K&uuml;rze das neue Buch von Abt Muho in H&auml;nden halten: <i>Futter f&uuml;r Pferd und Esel<\/i>.<br \/>\nWer noch nicht offiziell zu unseren Freunden z&auml;hlt, das Buch aber trotzdem lesen will, kann es hier direkt bestellen: <a href=\"https:\/\/www.bod.de\/buchshop\/futter-fuer-pferd-und-esel-muho-noelke-9783943839630\">bod.de<\/a><br \/>\nOder bei Amazon:<br \/>\n<iframe style=\"width:120px;height:240px;\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\" frameborder=\"0\" src=\"\/\/ws-eu.amazon-adsystem.com\/widgets\/q?ServiceVersion=20070822&#038;OneJS=1&#038;Operation=GetAdHtml&#038;MarketPlace=DE&#038;source=ac&#038;ref=tf_til&#038;ad_type=product_link&#038;tracking_id=antaiji-21&#038;marketplace=amazon&#038;region=DE&#038;placement=394383963X&#038;asins=394383963X&#038;linkId=637134cb1ecb1eb0cdfd068f071c4c3b&#038;show_border=false&#038;link_opens_in_new_window=true&#038;price_color=333333&#038;title_color=0066C0&#038;bg_color=FFFFFF\"><br \/>\n    <\/iframe><\/p>\n<p><b>INHALTSVERZEICHNIS<\/b><\/p>\n<p>Vorwort<br \/>\nD\u00f4gens Leben<br \/>\nFukanzazengi: Einladung an alle zum Zazen!<br \/>\nGenj\u00f4k\u00f4an: Hier offenbart sich das Geheimnis<br \/>\nGakud\u00f4-y\u00f4jinsh\u00fb: Worum es bei der \u00dcbung des Weges geht<br \/>\nJ\u00fbund\u00f4shiki: Regeln f\u00fcr die Halle der verschlungenen Wolken<br \/>\nGaby\u00f4: Gemalter Kuchen<br \/>\nZenki : Ganzes Wirken<br \/>\n\u00d4sakusendaba: Der K\u00f6nig w\u00fcnscht sich Sendaba<br \/>\nZazenshin: Eine Nadel f\u00fcr Zazen<br \/>\nHotsubodaishin: Aufbruch zum Weg des Herzens<br \/>\nD\u00f4shin: Der Geist des Weges<br \/>\nDanksagung\u2003<\/p>\n<p><b>VORWORT<\/b><\/p>\n<p>\u201eWas liegt jenseits des Horizonts?\u201c<br \/>\nIrgendwann stellt sich jedes Kind diese Frage, die Augen staunend auf das Meer gerichtet. Doch welches Kind w\u00fcrde tats\u00e4chlich versuchen, das Meer zu \u00fcberqueren? Die meisten m\u00fcssen nur einen Schritt ins kalte Wasser machen, um sich eines Besseren zu besinnen. Andere l\u00e4sst die Frage nie los. Und es kommen neue Zweifel dazu:<br \/>\n\u201eWoher komme ich?\u201c<br \/>\n\u201eWohin gehe ich?\u201c<br \/>\n\u201eWer bin ich und wie will ich leben?\u201c<br \/>\nSeit Adam und Eva im Garten Eden den ber\u00fchmten Apfel verspeist haben, gibt es Menschen, die sich diese und \u00e4hnliche Fragen stellen. Viele vergessen diese Kinderfragen als Erwachsene wieder, doch manche lassen sie ein Leben lang nicht los. Vielleicht geh\u00f6ren Sie, werter Leser, ja auch dazu? <\/p>\n<p>D\u00f4gen , der vor achthundert Jahren in Japan lebte, versuchte, seine eigenen Antworten auf diese Fragen zu finden. Im Sh\u00f4b\u00f4genz\u00f4  schrieb er sie nieder. Es ist nicht \u00fcbertrieben zu sagen, dass ich nicht zu dem geworden w\u00e4re, der ich heute bin, wenn ich nicht fr\u00fch dem Werk D\u00f4gens begegnet w\u00e4re. D\u00f4gen gilt vielen Japanern als der gr\u00f6\u00dfte philosophische Denker ihres Volkes. Er ist aber nicht nur das, sondern vor allem der Gr\u00fcnder der S\u00f4t\u00f4-Schule, einer der beiden Richtungen des Zen, die in Japan praktiziert werden. Auch ich habe mich dieser Schule \u2013 und damit der Lehre D\u00f4gens \u2013 angeschlossen, als ich vor f\u00fcnfundzwanzig Jahren in Japan zum M\u00f6nch ordiniert wurde.<br \/>\nIn diesem Buch m\u00f6chte ich einige Hinweise aus meiner Sicht geben, wie man sich der Lehre Dogens n\u00e4hern kann, bei der es um die zentralen Fragen von Leben und Tod geht. Sie thematisiert Probleme des Alltags, die uns auch heute im einundzwanzigsten Jahrhundert noch ganz konkret betreffen. Meine \u00dcbersetzung des altjapanischen Textes h\u00e4lt sich so nah wie m\u00f6glich an D\u00f4gens Original. Allerdings habe ich bei einigen Kapiteln des Sh\u00f4b\u00f4genz\u00f4 kurze Passagen ausgelassen. Jedes Kapitel enth\u00e4lt Begriffserl\u00e4uterungen und weiterf\u00fchrende Kommentare, bisweilen habe ich auch Episoden aus meinem eigenen Leben eingestreut oder richte mich mit Fragen direkt an Sie, den Leser.<br \/>\nAn dem Manuskript dieses Buchs habe ich lange gearbeitet. Die erste Version der Genj\u00f4k\u00f4an-\u00dcbersetzung stammt noch aus meiner Studentenzeit vor fast drei\u00dfig Jahren. Auch viele der anderen Texte von D\u00f4gen, die in diesem Buch versammelt sind, habe ich bereits als M\u00f6nch zu Lebzeiten meines Meisters Miyaura Shiny\u00fb  \u00fcbersetzt. Meine Erl\u00e4uterungen zu den Texten stammen jedoch aus j\u00fcngerer Zeit. So oft wie m\u00f6glich habe ich versucht, pers\u00f6nliche Erfahrungen aus meiner eigenen Lehrzeit einflie\u00dfen zu lassen. Und auch beim Austausch mit den jungen M\u00f6nchen, die dem Kloster beigetreten sind, seit ich zum Nachfolger meines Meisters berufen wurde, habe ich viel Neues gelernt, das sich in diesem Buch niedergeschlagen hat.<br \/>\nSofort nachdem ich im Jahr 2002 das Amt des neunten Abts vom Antaiji  \u00fcbernahm, begann ich monatlich Artikel auf der Website des Klosters zu ver\u00f6ffentlichen. Die englische Version dieser Artikel hie\u00df \u201eShit paper\u201c \u2013 ich schrieb damals so, wie mir die Schnauze gewachsen war. Das Thema, um das sich diese Artikel drehten, war dasselbe, um das es auch in diesem Buch geht: Praxis. Ich sprach damals oft von \u201eadult practice\u201c. Damit meinte ich nat\u00fcrlich nicht Praxis f\u00fcr Vollj\u00e4hrige. Was ich im Sinn hatte: Praxis, die sowohl eigenverantwortlich als auch selbstvergessen ist. Das scheint ein Widerspruch zu sein, aber wenn einer der beiden Aspekte der Praxis fehlt, ist es keine erwachsene, das hei\u00dft reife Praxis mehr. Wichtig ist, zu erkennen, dass Praxis immer meine Praxis ist. Das Beispiel, das ich damals so oft wiederholte, bis es im Antaiji zum Mantra wurde: \u201eKeiner kann dir den Arsch abwischen, du musst es selbst tun!\u201c<br \/>\nGleichzeitig gilt: Dass es meine Praxis ist, bedeutet nicht, dass es um mich geht. Ich muss mich selbst vergessen und als Teil der Gemeinschaft vereint mit den anderen praktizieren. In meinen Aufs\u00e4tzen zitierte ich auch immer wieder die Werke D\u00f4gens, und mein urspr\u00fcnglicher Plan war, sowohl die Praxis des Zazen im Detail zu diskutieren, als auch \u00fcber das Studium mit einem Meister aus eigener Erfahrung zu schreiben. Was die Zazen-Praxis angeht, bin ich in den englischen Aufs\u00e4tzen recht weit gekommen, mir ging jedoch die Kraft aus, bevor ich \u00fcber das Meister-Sch\u00fcler-Verh\u00e4ltnis schreiben konnte.<br \/>\nImmer wieder wurde ich gebeten, die englischen Texte ins Deutsche zu \u00fcbersetzen. Leider bin ich nie dazu gekommen. Das lag auch daran, dass 2007 das inzwischen vergriffene Buch Zazen oder der Weg zum Gl\u00fcck erschien, in dem ich \u00fcber meinen eigenen Weg spreche und dabei auch Teile der alten Aufs\u00e4tze verarbeitet habe. Fast zehn Jahre sp\u00e4ter kam endlich ein neues Buch heraus: Ein Regentropfen kehrt ins Meer zur\u00fcck spricht in leicht verst\u00e4ndlicher Sprache \u00fcber Leben und Tod, Gott und die Welt und vieles andere, was zwischen diesen Koordinaten liegt.<br \/>\nAllerdings glaube ich, dass es mir erst in diesem Buch, das Sie eben in den H\u00e4nden halten, gelungen ist, das zu vollenden, was ich mir f\u00fcr die Reihe \u00fcber \u201eadult practice\u201c vorgenommen hatte: f\u00fcr  moderne Leser \u00fcber Zen-Praxis im Stil D\u00f4gens zu schreiben. Dabei habe ich versucht, sowohl den Anf\u00e4nger als auch den \u201eInsider\u201c zu erreichen. \u00dcber Zazen schreibe ich in diesem Buch allerdings nicht so detailliert wie fr\u00fcher in den Blog-Artikeln. Es gibt aber inzwischen viele Einf\u00fchrungen sowohl auf dem Buchmarkt als auch im Internet. Wer Interesse hat, wird auch meine alten Texte noch im Archiv der Antaiji-Website finden .<br \/>\nDer Titel dieses Buches lautet Futter f\u00fcr Pferd und Esel. Ich habe ihn einem Gedicht D\u00f4gens entnommen, dem wir sp\u00e4ter in dem Kapitel \u00d4sakusendaba begegnen werden. Darin geht es unter anderem um einen K\u00f6nig, der sich etwas w\u00fcnscht. Wer ist das Pferd? Und wer der Esel? Und was w\u00fcnscht sich der K\u00f6nig?<br \/>\nFragen wie diesen werden Sie oft in diesem Buch begegnen. Lassen Sie sich Zeit mit den Antworten. Ich hoffe, dass Sie beim Lesen auch etwas Genie\u00dfbares f\u00fcr sich selbst entdecken. Und noch eine letzte Warnung: Das Lesen dieses Buchs l\u00f6st keine Probleme. Probleme lassen sich nur durch Praxis mit einem Lehrer bew\u00e4ltigen.<br \/>\n\u2003<br \/>\n<b>D\u00d4GENS LEBEN<\/b><\/p>\n<p>D\u00f4gen kam im Jahr 1200 in Ky\u00f4to zur Welt. Japan befand sich gerade in der Kamakura-Epoche, einer unruhigen Zeit, in der das politische Zentrum des Reiches vom Kaiserhof in Ky\u00f4to zum Sitz des Shoguns in Kamakura, einer verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig kleinen Stadt im Osten des Landes, verlagert wurde. D\u00f4gen verlor bereits mit zwei Jahren seinen Vater, der dem alten Ky\u00f4toer Adel angeh\u00f6rt hatte. Seine Mutter verstarb ebenfalls fr\u00fch \u2013 nur f\u00fcnf Jahre nach dem Tod seines Vaters. Es hei\u00dft, dass der Junge bei der Beerdigung seiner Mutter den Rauch beobachtete, der von einem Weihrauchst\u00e4bchen aufstieg, und dabei ganz unmittelbar die Verg\u00e4nglichkeit aller Dinge erkannte. Weihrauchst\u00e4bchen werden in Japan allerdings erst seit dem siebzehnten Jahrhundert, also vier Jahrhunderte nach D\u00f4gens Zeit, hergestellt. Deshalb ist diese Legende wie so viele andere, die sich um D\u00f4gens Person ranken, nur mit einer Prise Salz zu genie\u00dfen.<br \/>\nSicher d\u00fcrfte sein, dass D\u00f4gen \u2013 bereits in seiner Jugend auf sich allein gestellt \u2013 fr\u00fch versuchte, Klarheit \u00fcber Leben und Tod zu erlangen. Im Alter von zw\u00f6lf Jahren wurde er buddhistischer M\u00f6nch im Enryakuji  auf dem Berg Hiei bei Ky\u00f4to, in dem einer seiner Onkel als Priester t\u00e4tig war. Viele Aristokraten, denen eine Karriere am Kaiserhof versagt blieb, fanden sich dort zusammen. Gleichzeitig waren die Kl\u00f6ster auch ein Ort, an dem der Adel sich der M\u00fcndelkinder entledigen konnte. So wie im europ\u00e4ischen Mittelalter waren damals in Japan die Kl\u00f6ster nicht nur die religi\u00f6sen Zentren des Landes, sondern auch die einzigen Orte, an denen Geisteswissenschaft betrieben wurde. Nicht all den geschorenen K\u00f6pfen ging es jedoch um sch\u00f6ngeistige Studien oder die spirituelle Suche in der Stille der Klostermauern. Im Gegenteil: Der Enryakuji war ber\u00fcchtigt f\u00fcr seine M\u00f6nchsarmee, die bei jeder Gelegenheit schwer bewaffnet in die Stra\u00dfen von Ky\u00f4to hinabstieg, um die Interessen einiger machtbesessener Kleriker durchzusetzen.<br \/>\nZum historischen Hintergrund: Der Buddhismus wurde bereits sechs Jahrhunderte vor D\u00f4gens Zeit in Japan eingef\u00fchrt. Dies geschah w\u00e4hrend der Regierungszeit des Kronprinzen Sh\u00f4toku , der im Jahr 604 die sogenannte Siebzehn-Artikel-Verfassung erlie\u00df. An erster Stelle stand dabei die Harmonie, gefolgt von der Verehrung der drei buddhistischen Sch\u00e4tze: Buddha, Dharma und Sangha . Erst an dritter Stelle kam der Gehorsam gegen\u00fcber kaiserlichen Befehlen. Besonders interessant ist der zehnte Artikel, der in freier \u00dcbersetzung lautet: \u201eWas st\u00f6rt es uns, wenn die anderen anders denken als wir? Haben wir nicht alle unseren eigenen Sinn und denkt nicht jeder Geist auf seine eigene Weise? Was du f\u00fcr richtig h\u00e4ltst, halte ich f\u00fcr falsch. Was ich f\u00fcr richtig halte, h\u00e4ltst du f\u00fcr falsch. Wer von uns beiden kennt die Wahrheit? Kannst du dir so sicher sein, dass ich im Irrtum bin? Kann ich mir so sicher sein, dass du im Irrtum bist? Wir sind beide nur gew\u00f6hnliche Menschen.\u201c<br \/>\nDie meisten der \u00fcbrigen Punkte bestehen aus Ratschl\u00e4gen f\u00fcr Staatsdiener, so beispielsweise der achte Artikel: \u201eDie Minister und Beamten sollen ihren Dienst fr\u00fch aufnehmen und sp\u00e4t beenden.\u201c Mit den Bauern hingegen hat der Kronprinz Mitgef\u00fchl. So hei\u00dft es im sechzehnten Artikel: \u201eVon Fr\u00fchling bis Herbst sollen die Menschen von der Fron befreit sein. Wenn sie dann nicht auf dem eigenen Feld arbeiten, was sollen sie essen?\u201c Auch im letzten Artikel dr\u00fcckt sich die japanische Mentalit\u00e4t aus: \u201eWichtige Entscheidungen darf nicht einer allein treffen. Sie m\u00fcssen mit vielen diskutiert werden.\u201c<br \/>\nW\u00e4hrend der ersten Jahrhunderte nach seiner Einf\u00fchrung diente der Buddhismus, kombiniert mit konfuzianischen Idealen, in erster Linie dem Staat \u2013 als Grundlage des Beamtenkodex und in Form buddhistischer Gebetsrituale f\u00fcr das Wohlergehen des Kaiserhauses. In zweiter Linie widmeten sich die buddhistischen Priester dem akademischen Studium der buddhistischen Philosophie. Erst gegen Anfang des neunten Jahrhunderts gelangten mit der inklusivistischen  Tendai- und der esoterischen  Shingon-Schule zwei buddhistische Str\u00f6mungen nach Japan, die auch Elemente buddhistischer Praxis enthielten, deren Ziel die Befreiung des Individuums vom Leiden ist. In beiden Schulen wurden neben anderen Praktiken auch Formen der Sitzmeditation ge\u00fcbt. Gerade zu der Zeit, als D\u00f4gen als Novize mit seinen Studien begann, begann sich in Japan die Neuigkeit vom chinesischen Zen herumzusprechen. Zwar gab es zu dem Zeitpunkt noch keine eigenst\u00e4ndigen Zenkl\u00f6ster, aber auch unter den Tendai-Priestern gab es viele, die sich f\u00fcr die neue Mode vom asiatischen Kontinent interessierten.<br \/>\nD\u00f4gen galt schon in seiner Jugend als ausgesprochen intelligent und entwickelte in kurzer Zeit ein grundlegendes Verst\u00e4ndnis der buddhistischen Schriften. Allerdings schien er Zweifel sowohl an der Praxis der M\u00f6nche als auch an der Richtigkeit des damals in Japan vertretenen Dogmas zu bekommen.<br \/>\nDas Ziel des Buddhismus ist es, den Geist zu erwecken und zum Buddha zu werden. Es ist ein Weg, der jedem offen steht. Man muss kein Auserw\u00e4hlter sein, um den Buddhaweg zu praktizieren. Man kann sogar sagen, dass jeder Mensch schon im Besitz der Buddhanatur ist. Und daraus schlossen die Kleriker zu D\u00f4gens Zeit: Es gibt gar nichts zu erreichen, unser Geist ist \u2013 so wie er ist \u2013 bereits erwacht!<br \/>\nIch kann mir vorstellen, dass D\u00f4gen Schwierigkeiten hatte, diese allzu bequeme Konsequenz zu akzeptieren. War er nicht M\u00f6nch geworden, um eine Antwort auf die Frage von Leben und Tod zu finden? Eines qu\u00e4lte ihn besonders, und so fragte er seine damaligen Lehrer: \u201eWenn alle Lebewesen bereits die Buddhanatur haben, wieso m\u00fcssen wir uns dann \u00fcberhaupt in der Lehre Buddhas schulen?\u201c<br \/>\nEs hei\u00dft, dass keiner seiner Lehrer die Frage beantworten konnte, und so beschloss D\u00f4gen, das Kloster zu verlassen, um seine eigene Antwort zu finden.<br \/>\nD\u00f4gen h\u00f6rte von Eisai , einem Tendai-Priester, der in China mit der Praxis des Zen in Ber\u00fchrung gekommen war. Es ist jedoch nicht historisch erwiesen, ob D\u00f4gen dem alten Meister w\u00e4hrend seiner letzten Lebensjahre noch pers\u00f6nlich begegnet ist. Die sp\u00e4teren Legendenschreiber berichten ungeachtet dessen, dass D\u00f4gen ihn mit seinen Zweifeln aufsuchte. Damals soll ihm Eisai gesagt haben: \u201eIch wei\u00df nicht, ob es Buddhas in der Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft gibt, aber ich kann eine Katze von einem Ochsen unterscheiden.\u201c<br \/>\nD\u00f4gen soll von dieser Antwort \u00fcberrascht gewesen sein, die, anstatt mit intellektuellen Begriffen zu hantieren, direkt auf die konkrete Wirklichkeit weist. Er entschloss sich, sein intellektuelles Studium beiseite zu legen und sich ganz dem Zen zu widmen. Sicher ist, dass D\u00f4gen den Enryakuji verlie\u00df und im Kenninji-Kloster  ein Sch\u00fcler von Eisais Nachfolger, dem Tendai-Priester My\u00f4zen  wurde, der sich ebenfalls dem Studium des Zen widmete.<br \/>\nEines Abends versammelte My\u00f4zen seine Sch\u00fcler und bat sie um Rat: \u201eSeit l\u00e4ngerem habe ich den Wunsch, nach China zu reisen, um dort Zen vor Ort zu studieren. Nun liegt jedoch einer meiner alten Lehrer im Sterben. Er bittet mich, mit der Reise zu warten, damit ich nach seinem Tod die Beerdigung f\u00fcr ihn abhalten m\u00f6ge. Was w\u00fcrdet ihr an meiner Stelle tun?\u201c<br \/>\nMy\u00f4zens Sch\u00fcler rieten ihm, dem Wunsch seines Lehrers zu folgen und sich bis zu dessen Tod um ihn zu k\u00fcmmern. Die Reise k\u00f6nne er ja auch danach unternehmen. Nur D\u00f4gen, der j\u00fcngste unter den Sch\u00fclern, hatte Zweifel: \u201eNur wenn Ihr zufrieden seid mit dem gegenw\u00e4rtigen Zustand Eurer Erleuchtung, solltet Ihr in Japan bleiben.\u201c<br \/>\nDieser Satz ist ein starkes St\u00fcck, denn D\u00f4gen d\u00fcrfte es klar gewesen sein, wie sehr My\u00f4zen an seinem alten Lehrer hing. Gleichzeitig muss er aber auch gesp\u00fcrt haben, dass My\u00f4zen die China-Reise wichtiger als alles andere war. Er ahnte, dass My\u00f4zen mit seiner eigenen Erleuchtung noch nicht zufrieden war. Das konnte er seinem Meister aber nicht ins Gesicht sagen. My\u00f4zen schien seinerseits dem Einwand D\u00f4gens auszuweichen. Sein Geist habe bereits Frieden gefunden, erwiderte er. Wenn er seine Praxis so fortsetze wie gehabt, br\u00e4uchte er sich \u00fcber den Eintritt ins Nirwana keine Sorgen machen. Daraufhin meinte D\u00f4gen, dass My\u00f4zen in Japan bleiben solle. Wenn er die Erleuchtung bereits gefunden habe, bestehe ja kein Anlass dazu, \u00fcbereilt nach China aufzubrechen.<br \/>\nIch denke mir, dass D\u00f4gen bereits ahnte, wie My\u00f4zen darauf reagieren w\u00fcrde: Zur \u00dcberraschung der anderen Sch\u00fcler erkl\u00e4rte der Meister, dass er nach China fahren werde, und zwar in Begleitung D\u00f4gens. Auch wenn er bis zum Tod seines alten Lehrers warte und dessen Beerdigung \u00fcbernehmen w\u00fcrde, k\u00f6nne er diesen bei seiner letzten Reise dennoch nicht begleiten. Wichtiger sei die eigene Reise, die eigene Praxis des Buddhaweges.<br \/>\nIm Jahr 1223 machten sich D\u00f4gen und sein Lehrer auf die damals noch au\u00dferordentlich gef\u00e4hrliche Schiffsreise. D\u00f4gen wurde dabei seekrank und litt pausenlos unter Durchfall. Gerade als er glaubte, dass ihn die Krankheit sein Leben kosten w\u00fcrde, brach ein Sturm auf hoher See aus. Sp\u00e4ter berichtet D\u00f4gen, dass er in dem Moment seine Krankheit verga\u00df, als das Schiff zu kentern drohte, und vom Durchfall geheilt war.<br \/>\nEndlich in China angelangt, hatte D\u00f4gen zun\u00e4chst Schwierigkeiten bei der Einreise in das Reich der Mitte. W\u00e4hrend sich My\u00f4zen sofort auf den Weg ins Landesinnere machte, um von Tempel zu Tempel zu pilgern und die bekanntesten Meister aufzusuchen, musste D\u00f4gen noch einige Tage auf dem Schiff im Hafen auf die Einreiseerlaubnis warten. Die b\u00fcrokratische Schwerf\u00e4lligkeit der chinesischen Hafenbeh\u00f6rde f\u00fchrte zu einer wichtigen ersten Begegnung mit einem Koch, \u00fcber die D\u00f4gen sp\u00e4ter in seinem Werk Tenzo-ky\u00f4kun, den \u201eAnweisungen f\u00fcr den Klosterkoch\u201c, berichtet:<br \/>\nDer Koch stammte aus einem gro\u00dfen Zenkloster, das eine halbe Tagesreise entfernt war, und war gekommen, um japanische Pilze f\u00fcr eine Suppe zu kaufen. D\u00f4gen lud ihn ein, auf dem Schiff zu \u00fcbernachten: \u201eIst es nicht eine besondere F\u00fcgung des Schicksals, dass ich Euch heute hier auf dem Schiff getroffen haben? Bitte gebt mir die Gelegenheit, Euch zum Essen einzuladen und Fragen \u00fcber das Zen in China zu stellen! In einem gro\u00dfen Kloster wie dem Euren muss es doch viele Helfer in der K\u00fcche geben. Kommen die denn nicht auch ohne Euch aus?\u201c<br \/>\nDoch der Koch lehnte ab: \u201eMir wurde die Aufgabe des Kochs anvertraut, obwohl ich schon sehr alt bin und wenig f\u00fcr die Gemeinschaft tun kann. Wie k\u00f6nnte ich da auch noch diese eine Aufgabe vernachl\u00e4ssigen und nicht mein Bestes in der K\u00fcche tun?\u201c<br \/>\n\u201eWenn Ihr bereits so alt seid, w\u00e4re es nicht besser, wenn Ihr Euch um Zazen oder das Studium der Buddhalehre k\u00fcmmern w\u00fcrdet, anstatt Euch in der K\u00fcche zu verausgaben?\u201c, fragte D\u00f4gen.<br \/>\n\u201eMein junger Freund, offenbar wei\u00dft du noch nicht, um was es bei der Zen-Praxis geht. Du kennst die Bedeutung deiner Worte nicht.\u201c<br \/>\n\u201eDann sagt mir bitte, was Praxis und Worte bedeuten!\u201c<br \/>\n\u201eWenn du deiner eigenen Frage nicht ausweichst, wirst du dir darin selbst begegnen. Aber jetzt wird es dunkel und ich muss wirklich gehen.\u201c<br \/>\nDer nach Wissen d\u00fcrstende D\u00f4gen hatte den Buddhismus in der Ferne gesucht. Er hatte gehofft, dass ihm ein erleuchteter chinesischer M\u00f6nch die Richtung weisen w\u00fcrde, doch die Worte des Kochs lie\u00dfen ihn ratlos zur\u00fcck. Nachdem er endlich die Erlaubnis zum Verlassen des Schiffes erhalten hatte, reiste er unabh\u00e4ngig von seinem Lehrer My\u00f4zen durch das Land. In einem der Kl\u00f6ster, welche er besuchte, hatte D\u00f4gen eine bedeutsame Begegnung:<br \/>\n\u201eAls ich den \u00f6stlichen Korridor passierte, sah ich den Koch, wie er auf dem Steinboden vor der Buddhahalle Pilze trocknete. Er st\u00fctzte sich auf einen Bambusstock, doch er hatte keinen Hut auf dem Kopf. Die Steinplatten gl\u00fchten in der Hitze, und dem alten Mann tropfte der Schwei\u00df vom Leib, als er die Pilze unter der prallen Sonne wendete. Ich sah, dass er \u00fcber seine Grenzen ging. Sein R\u00fccken war gekr\u00fcmmt wie ein Bogen, seine Brauen waren wei\u00df wie ein Storch.\u201c<br \/>\nD\u00f4gen fragte ihn, wie alt er sei. \u201eAchtundsechzig Jahre\u201c, war die Antwort.<br \/>\n\u201eWarum lasst Ihr diese Arbeit nicht von einem anderen verrichten?\u201c, fragte D\u00f4gen nach. Die ber\u00fchmte Antwort des Kochs: \u201eEin anderer bin nicht ich.\u201c<br \/>\nD\u00f4gen war beeindruckt und lobte die vorbildliche Einstellung des M\u00f6nchs, wollte jedoch wissen, wieso er die Arbeit jetzt in dieser Hitze verrichtete, anstatt auf einen sp\u00e4teren Zeitpunkt zu warten. \u201eWann, wenn nicht jetzt?\u201c, antwortete der Koch, ohne sich umzuwenden.<br \/>\nIch kann mir vorstellen, wie sich D\u00f4gen in diesem Augenblick gef\u00fchlt haben muss. Praxis und Worte werden von diesem Augenblick an ein anderes Gewicht f\u00fcr ihn gehabt haben. Er hatte erkannt, dass der Buddhaweg nicht in der Ferne, sondern direkt unter seinen F\u00fc\u00dfen lag.<br \/>\nImmer noch auf der Suche nach einem wirklichen Zenmeister, pilgerte D\u00f4gen weiter durch China \u2013 konnte jedoch lange Zeit keinen wahren Lehrer finden. Die meisten, so schreibt er sp\u00e4ter, waren mehr an Ruhm und einer guten Position im Tempel interessiert als an der Zen-Praxis.<br \/>\nErst nach vielen erfolglosen Versuchen fand D\u00f4gen seinen Meister in Nyoj\u00f4 , der den S\u00f4t\u00f4-Zweig des chinesischen Zen vertrat. Obwohl er sich bereits im hohen Alter befand, k\u00fcmmerte er sich pers\u00f6nlich um die Ausbildung seiner Sch\u00fcler. Sp\u00e4ter zitiert D\u00f4gen seinen Meister mit den Worten: \u201eIch bin bereits alt und sollte mich eigentlich in eine Einsiedelei zur\u00fcckziehen. Aber als Abt des Klosters ist es meine Aufgabe, euch den Weg aus der Irre zu weisen. Manchmal habe ich keine andere Wahl, als zu schimpfen oder zum Bambusstock zu greifen. Bitte glaubt mir, wie weh mir das tut. Ich tue es nur an der Stelle Buddhas. Ach, Br\u00fcder! Habt Gnade und verzeiht mir!\u201c<br \/>\nEines Abends schlief D\u00f4gens Nachbar beim Zazen ein. Nyoj\u00f4, dem nichts entging, rief laut: \u201eShinjin-datsuraku!\u201c<br \/>\nShinjin-datsuraku wird mit vier Schriftzeichen geschrieben (\u8eab\u5fc3\u8131\u843d), die als \u201eLass K\u00f6rper und Geist los!\u201c \u00fcbersetzt werden k\u00f6nnen. Es hei\u00dft, dass es D\u00f4gen genau in diesem Moment, als er die Stimme seines Meisters vernahm, gelang, K\u00f6rper und Geist loszulassen. Der Begriff des \u201eLosgelassenen K\u00f6rper-Geists\u201c spielt auch im Genj\u00f4k\u00f4an, dem ersten Kapitel des Sh\u00f4b\u00f4genz\u00f4, mit dem wir uns noch besch\u00e4ftigen werden, eine gro\u00dfe Rolle. Allerdings streitet sich die Wissenschaft dar\u00fcber, ob Nyoj\u00f4 das tats\u00e4chlich gesagt hat. In der chinesischen Spruchsammlung von D\u00f4gens Meister sind die Gelehrten n\u00e4mlich nicht f\u00fcndig geworden. Dort stehen lediglich vier Schriftzeichen (\u5fc3\u5875\u8131\u843d), die auf Japanisch ebenfalls \u201eShinjin-datsuraku\u201c ausgesprochen werden, aber eine andere Bedeutung haben: \u201eFege den Staub aus dem Geist!\u201c<br \/>\nIst es m\u00f6glich, dass Nyoj\u00f4 den schlafenden M\u00f6nch aufforderte, aus seinen Illusionen aufzuwachen, und D\u00f4gen ihn missverstand? Aber \u2013 falls dem so sein sollte \u2013 ist dann D\u00f4gens Missverst\u00e4ndnis nicht viel n\u00e4her an der Essenz des Zen als der Ausspruch seines Meisters?<br \/>\nEs gibt eine ber\u00fchmte Anekdote im Zen, die von der \u00dcbertragung der Lehre von K\u00f4nin  an En\u00f4  berichtet: Als sich K\u00f4nin, der f\u00fcnfte Patriarch des Zen in China, von seinem Amt zur\u00fcckziehen wollte, forderte er seine Sch\u00fcler auf, ihr Verst\u00e4ndnis der Zen-Praxis in einem Gedicht auszudr\u00fccken. Nur der \u00e4lteste unter den Sch\u00fclern, der von hoher Bildung war, schrieb ein Gedicht:<\/p>\n<p><i>Dieser K\u00f6rper: Der Baum des Erwachens.<br \/>\nDieser Geist: Unbeweglich wie ein klarer Spiegel.<br \/>\nAugenblick f\u00fcr Augenblick: Ich will ihn sauber halten<br \/>\nDamit kein Staubkorn sich auf ihm niedersetzen m\u00f6ge<\/i><\/p>\n<p>En\u00f4 hatte zu dem Zeitpunkt weniger als ein halbes Jahr in der Klostergemeinschaft als ein Handlanger gedient. Da er weder lesen noch schreiben konnte, lie\u00df er sich das Gedicht von einem M\u00f6nch vorlesen und trug diesem dann seine eigene Version vor, mit der Bitte, sie niederzuschreiben:<\/p>\n<p><i>Das Erwachen braucht keinen Baum.<br \/>\nUnd wo siehst du einen unbeweglichen Spiegel?<br \/>\nIm Ursprung gibt es kein einziges Ding.<br \/>\nWo, sag mir, sollte sich Staub niederlassen?<\/i><\/p>\n<p>Es hei\u00dft, dass nur K\u00f4nin das gro\u00dfe Erwachen En\u00f4s erkannte. Die \u00fcbrigen M\u00f6nche wollten nicht von der Vorstellung lassen, dass Praxis die Tilgung der Verunreinigungen eines an sich makellosen Geistes bedeute. Deshalb \u00fcbergab K\u00f4nin seinem Sch\u00fcler sp\u00e4t nachts die Robe der Patriarchen und schickte ihn allein auf den Weg, um Zen in der Welt zu verbreiten.<br \/>\nAuch wenn bei dieser Legende die sp\u00e4teren Sch\u00fcler En\u00f4s ihre Hand im Spiel hatten, d\u00fcrfte doch klar sein, dass im Zen die dualistische Vorstellung von einem reinen Geist, der vom Staub befreit werden muss, nicht hoch im Kurs steht. Deshalb geht man auch bei Nyoj\u00f4 davon aus, dass er als D\u00f4gens Lehrer selbstverst\u00e4ndlich nicht blo\u00df das Entfernen des Staubs aus dem Geist angemahnt hat, sondern sich in seinem Ausruf selbst das Abfallen des K\u00f6rper-Geists ausdr\u00fcckt. Dass sich dieser Ausruf sp\u00e4ter nicht in seinen gesammelten Spr\u00fcchen wiedergefunden hat, k\u00f6nnte hei\u00dfen, dass keiner der chinesischen Sch\u00fcler die ganze Tiefe der Lehre des Meisters verstanden hatte.<br \/>\nD\u00f4gen lernte von Nyoj\u00f4, dass sich in der Praxis des Zazen selbst das Erwachen (das hei\u00dft das Abfallen von K\u00f6rper-Geist) ausdr\u00fcckt. Zazen ist kein Mittel zum Zweck. Der Praktizierende sitzt nicht, um zum Buddha werden. Es ist umgekehrt: Er sitzt, weil er Buddha ist. Die Praxis ist von der Buddhaschaft nicht zu trennen.<br \/>\nNyoj\u00f4 ernannte seinen japanischen Sch\u00fcler zu seinem Nachfolger. D\u00f4gen kehrte sp\u00e4ter mit der Asche My\u00f4zens, der in China verstorben war, nach Japan zur\u00fcck, um die Lehre des Zen zu verbreiten. Er legte wie sein Meister besonderen Wert darauf, dass Praxis und Erwachen nicht getrennt voneinander, sondern eins sind. D\u00f4gen gr\u00fcndete s\u00fcdlich von Ky\u00f4to den K\u00f4sh\u00f4ji, das erste unabh\u00e4ngige Zenkloster in Japan, und lehrte sowohl M\u00f6nche wie auch Laien die Praxis des Zazen. Als D\u00f4gen in Japan gefragt wurde, was er in China gelernt habe, sagte er: \u201eMit leeren H\u00e4nden bin ich zur\u00fcckgekommen. Nicht einen Flecken der Buddhalehre habe ich an mir. Daf\u00fcr habe ich einen weichen, geschmeidigen Geist mitgebracht. Dies ist die Essenz des Zen.\u201c<br \/>\nGleichzeitig ging D\u00f4gen aber keine Kompromisse ein, wenn es um die Lehre und Praxis des Buddhawegs ging. Insofern ist es nicht \u00fcberraschend, dass er keinen Platz im Establishment des Buddhismus seiner Zeit finden konnte. Es kam immer wieder zu Auseinandersetzungen mit den Klerikern der Tendai-Schule, denen es mehr um politische Einflussnahme als um die Kl\u00e4rung existenzieller Fragen ging. F\u00fcr einen, der sich der Geschmeidigkeit seines Geistes r\u00fchmt, ist D\u00f4gen recht deutlich, wenn er von seinen buddhistischen Zeitgenossen spricht: \u201eDiese Tollk\u00f6pfe wissen nicht, wovon sie reden. Ferner als fern sind sie vom Buddhaweg.\u201c<br \/>\nUm den Anfeindungen in Ky\u00f4to zu entgehen, zog er sich im Jahr 1243 in die entfernte Pr\u00e4fektur Echizen zur\u00fcck. Dort gr\u00fcndete er den Daibutsuji , der sp\u00e4ter umbenannt wurde in Eiheiji , das \u201eKloster des ewigen Friedens\u201c. Begleitet wurde er von seinem engsten und wichtigsten Sch\u00fcler Ej\u00f4 , der zwei Jahre \u00e4lter als D\u00f4gen war. Auf ihn geht auch das Sh\u00f4b\u00f4genz\u00f4 Zuimonki zur\u00fcck, Aufzeichnungen Ej\u00f4s von meist kurzen Reden und Ansprachen seines Meisters in Ky\u00f4to, die mit dem eigentlichen Sh\u00f4b\u00f4genz\u00f4 nicht zu verwechseln sind. Es ist allerdings unwahrscheinlich, dass das Korpus von D\u00f4gens Hauptwerk in seiner heutigen Form ohne Ej\u00f4 existieren w\u00fcrde, da dieser auch bei der Verfassung und Korrektur des Sh\u00f4b\u00f4genz\u00f4 eine unverzichtbare Hilfe f\u00fcr seinen Meister dargestellt haben d\u00fcrfte. D\u00f4gen und Ej\u00f4 wurden von einer Gruppe von M\u00f6nchen in die Berge begleitet, die urspr\u00fcnglich der Daruma-Schule angeh\u00f6rt hatten. Deren Gr\u00fcnder, Dainichi N\u00f4nin , stand zwar im Geist dem chinesischen Rinzai-Zen nahe, behauptete jedoch, ohne direkte Instruktion eines Lehrers zum Erwachen gelangt zu sein. Nach dem Tod N\u00f4nins wurde die Schule f\u00fcr einige Jahrzehnte von seinen Sch\u00fclern weitergef\u00fchrt, doch die meisten von ihnen schlossen sich sp\u00e4ter D\u00f4gen an. Das mag erkl\u00e4ren, warum D\u00f4gen in seinem sp\u00e4teren Werk besonders die authentische \u00dcbertragung der Lehre vom Meister zum Sch\u00fcler wichtig war. Auch seine gelegentlichen Ausf\u00e4lligkeiten gegen\u00fcber dem Rinzai-Zen (das die Notwendigkeit subjektiver Erleuchtungserfahrungen betont) sind nur vor diesem Hintergrund zu verstehen.<br \/>\nIm Jahr 1247 folgte D\u00f4gen einer Einladung des Regenten H\u00f4j\u00f4 Tokiyori  nach Kamakura im Osten Japans. D\u00f4gen verbrachte ungef\u00e4hr ein halbes Jahr in der damals noch vergleichsweise neuen Hauptstadt (Ky\u00f4to war bis zum Ende des zw\u00f6lften Jahrhunderts die Hauptstadt Japans gewesen und blieb auch in den folgenden f\u00fcnfhundert Jahren die kulturelle Metropole des Landes), kehrte dann aber in den Eiheiji zur\u00fcck. Was genau D\u00f4gen zu dieser Reise motivierte, ist ungewiss. Interessant ist jedoch das Schicksal seines Begleiters Genmy\u00f4, der offenbar in Kamakura eine Geldspende des Regenten f\u00fcr den Erhalt des Eiheiji erhalten hatte. Entweder war D\u00f4gen \u00fcber diese Spende nicht froh oder es missfiel ihm, dass Genmy\u00f4 es f\u00fcr sein eigenes Verdienst hielt, diese Spende erhalten zu haben. Wie dem auch sei, D\u00f4gen verwies Genmy\u00f4 f\u00fcr immer des Klosters. Und nicht nur das: Er wies seine anderen Sch\u00fcler an, die Holzplattform, auf der Genmy\u00f4 Zazen praktiziert hatte, abzubrechen und die Erde darunter bis zu einer Tiefe von \u00fcber zwei Metern auszugraben und au\u00dferhalb der Klostermauern zu entsorgen. Auch D\u00f4gen war offenbar nur ein Mensch.<br \/>\nKurz vor seinem Tod verlie\u00df D\u00f4gen noch einmal den Eiheiji, um in Ky\u00f4to die Hilfe eines Arztes zu suchen. Diese Reise blieb jedoch erfolglos und D\u00f4gen verstarb 1253, nach japanischer Z\u00e4hlart  vierundf\u00fcnfzigj\u00e4hrig, an einer unbekannten Krankheit. Das letzte Gedicht, das er beim Sterben verfasste, lautete:<\/p>\n<p><i>Diese vierundf\u00fcnfzig Jahre erleuchten das Firmament<br \/>\nDer Purzelbaum eines einzigen Menschen<br \/>\nStellt die Welt auf den Kopf<br \/>\nAh! Meinem K\u00f6rper fehlt nichts<br \/>\nQuicklebendig kehrt er zur\u00fcck zu den gelben Quellen! <\/i><br \/>\n\u2003<\/p>\n<p><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Freunde unseres Klosters, die uns per Paypal unterst&uuml;tzen, sollten in K&uuml;rze das neue Buch von Abt Muho in H&auml;nden halten: Futter f&uuml;r Pferd und Esel. Wer noch nicht offiziell zu unseren Freunden z&auml;hlt, das Buch aber trotzdem lesen will, kann es hier direkt bestellen: bod.de Oder bei Amazon: INHALTSVERZEICHNIS Vorwort D\u00f4gens Leben Fukanzazengi: Einladung an alle zum Zazen! Genj\u00f4k\u00f4an: Hier offenbart sich das Geheimnis Gakud\u00f4-y\u00f4jinsh\u00fb: Worum es bei der \u00dcbung des Weges geht J\u00fbund\u00f4shiki: Regeln f\u00fcr die Halle der verschlungenen Wolken Gaby\u00f4: Gemalter Kuchen Zenki : Ganzes Wirken \u00d4sakusendaba: Der K\u00f6nig w\u00fcnscht sich Sendaba Zazenshin: Eine Nadel f\u00fcr Zazen Hotsubodaishin: Aufbruch zum Weg des Herzens D\u00f4shin: Der Geist des Weges Danksagung\u2003 VORWORT \u201eWas liegt jenseits des Horizonts?\u201c Irgendwann stellt sich jedes Kind diese Frage, die Augen staunend auf das Meer gerichtet. Doch welches Kind w\u00fcrde tats\u00e4chlich versuchen, das Meer zu \u00fcberqueren? Die meisten m\u00fcssen nur einen Schritt ins kalte Wasser machen, um sich eines Besseren zu besinnen. Andere l\u00e4sst die Frage nie los. Und es kommen neue Zweifel dazu: \u201eWoher komme ich?\u201c \u201eWohin gehe ich?\u201c \u201eWer bin ich und wie will ich leben?\u201c Seit Adam und Eva im Garten Eden den ber\u00fchmten Apfel verspeist haben, gibt es Menschen, die sich diese und \u00e4hnliche Fragen stellen. Viele vergessen diese Kinderfragen als Erwachsene wieder, doch manche lassen sie ein Leben lang nicht los. Vielleicht geh\u00f6ren Sie, werter Leser, ja auch dazu? D\u00f4gen , der vor achthundert Jahren in Japan lebte, versuchte, seine eigenen Antworten auf diese Fragen zu finden. Im Sh\u00f4b\u00f4genz\u00f4 schrieb er sie nieder. Es ist nicht \u00fcbertrieben zu sagen, dass ich nicht zu dem geworden w\u00e4re, der ich heute bin, wenn ich nicht fr\u00fch dem Werk D\u00f4gens begegnet w\u00e4re. 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