{"id":17144,"date":"2019-02-12T05:23:41","date_gmt":"2019-02-12T05:23:41","guid":{"rendered":"https:\/\/antaiji.org\/?p=17144"},"modified":"2019-02-12T06:31:36","modified_gmt":"2019-02-12T06:31:36","slug":"20190212","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/antaiji.org\/de\/20190212\/","title":{"rendered":"Hitoshi Nagai: Penetre und ich (1-13\/14 Wer bestimmt die Bedeutung unserer Sprache?), 12. Februar 2019"},"content":{"rendered":"<p><iframe loading=\"lazy\" width=\"560\" height=\"315\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/4_oODl_oKCM\" frameborder=\"0\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p><b>Hitoshi Nagai:<br \/>\nPenetre und ich<\/b><\/p>\n<p><b>1-13 Wer bestimmt die Bedeutung unserer Sprache (1)?<\/b><\/p>\n<p>Ich: Meine Deutschlehrerin sagt mir manchmal, dass ich ein Wort in der falschen Bedeutung verwende. Aber wer bestimmt eigentlich die Bedeutung der Worte?<br \/>\nPenetre: <b>Anders als bei der Farbe eines Vogels gibt es bei der Bedeutung der Sprache keine objektiven Kriterien, welches die richtige Bedeutung ist. Die richtige Bedeutung ist diejenige, auf die sich die Menschen geeinigt haben<\/b>.<br \/>\nIch: Was passiert dann, wenn die Mehrheit der Sprecher anf\u00e4ngt, ein Wort oder eine ganze Redewendung in einer anderen Bedeutung zu verwenden? Wird dann die falsche Bedeutung zur richtigen Bedeutung?<br \/>\nPenetre: So einfach ist es nicht. Auch bei der Sprache gibt es Spezialisten, die die wirkliche Bedeutung kennen, auch wenn die Mehrheit glaubt, dass es nicht die richtige Bedeutung ist.<br \/>\nIch: Was macht die denn zu Spezialisten?<br \/>\nPenetre: Die wissen zum Beispiel, wie und warum ein Wort zu seiner Bedeutung gekommen ist. Dadurch, dass sie die Wurzeln der W\u00f6rter kennen, sind sie mit den Menschen in der Vergangenheit verbunden. Selbst wenn in der Gegenwart nur eine Minderheit ein Wort richtig verwendet, kann ein Spezialist darauf hinweisen, dass von einem historischen Gesichtspunkt aus gesehen die Mehrheit der Menschen dieses Wort anders verstanden haben. Selbst wenn ein Wort heute in einer anderen Bedeutung als fr\u00fcher verwendet wird, kann es doch sein, dass die heutige Mehrheit in der Sprachgeschichte nur eine kleine Minderheit darstellt.<\/p>\n<p><b>1-14 Wer bestimmt die Bedeutung unserer Sprache (2)?<\/b><\/p>\n<p>Penetre: Kennst du das japanische Sprichwort \u201eMitgef\u00fchl dient nicht dem Mitmenschen\u201c?<br \/>\nIch: Ja, klar. Das bedeutet doch, dass es dem anderen schadet, wenn man ihm zu viel Mitgef\u00fchl schenkt, nicht wahr?<br \/>\nPenetre: Heute versteht es tats\u00e4chlich die Mehrheit der Japaner so. Aber urspr\u00fcnglich hatte es eine ganz andere Bedeutung: Wenn man jemandem Mitgef\u00fchl schenkt, beschenkt man damit letztlich sich selbst. Das hei\u00dft, man soll andere mit seinem Mitgef\u00fchl beschenken! Dagegen glauben heute viele, dass es umgekehrt bedeutet, man soll andere nicht mit seinem Mitgef\u00fchl behelligen. Die Bedeutungen sind also genau entgegengesetzt, aber sie beinhalten beide einen interessanten Widerspruch: Die einen sagen, dass man sich selbst zu liebe dem anderen helfen soll. Die anderen sagen, dass man dem anderen zu liebe ihm nicht helfen soll.<br \/>\nIch: Die ersten sind irgendwie hinterlistig. Die helfen den anderen ja nur, weil es ihnen um sich selbst geht!<br \/>\nPenetre: Ja und nein. Glaubst du denn, dass so eine Hinterlistigkeit zu einer verbreiteten Redewendung geworden w\u00e4re? Ich glaube, es ist eher umgekehrt: In Wirklichkeit geht es der Mehrheit der heutigen Menschen nur um sich selbst. Deshalb wollen sie anderen nicht helfen. Aber weil sie das nicht offen zugeben wollen, behaupten sie einfach, dass man \u201eseinem Mitmenschen mit Mitgef\u00fchl nicht dient\u201c. Die Bedeutung der Worte hat sich ge\u00e4ndert, weil sich das Rechtfertigungsbed\u00fcrfnis der Menschen ge\u00e4ndert hat. Die Sprache \u00e4ndert nicht zuf\u00e4llig ihre Bedeutung. <b>Die Bedeutung ver\u00e4ndert sich nicht deshalb, weil die Mehrheit daf\u00fcr ist. Die Mehrheit ist daf\u00fcr, weil sie die neue Bedeutung n\u00f6tig hat.<\/b> Aber darauf kommt man erst, nachdem die Mehrheit sich f\u00fcr eine neue Bedeutung entschieden hat (siehe 3-2 bis 3-5).<br \/>\n<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hitoshi Nagai: Penetre und ich 1-13 Wer bestimmt die Bedeutung unserer Sprache (1)? Ich: Meine Deutschlehrerin sagt mir manchmal, dass ich ein Wort in der falschen Bedeutung verwende. Aber wer bestimmt eigentlich die Bedeutung der Worte? Penetre: Anders als bei der Farbe eines Vogels gibt es bei der Bedeutung der Sprache keine objektiven Kriterien, welches die richtige Bedeutung ist. Die richtige Bedeutung ist diejenige, auf die sich die Menschen geeinigt haben. Ich: Was passiert dann, wenn die Mehrheit der Sprecher anf\u00e4ngt, ein Wort oder eine ganze Redewendung in einer anderen Bedeutung zu verwenden? Wird dann die falsche Bedeutung zur richtigen Bedeutung? Penetre: So einfach ist es nicht. Auch bei der Sprache gibt es Spezialisten, die die wirkliche Bedeutung kennen, auch wenn die Mehrheit glaubt, dass es nicht die richtige Bedeutung ist. Ich: Was macht die denn zu Spezialisten? Penetre: Die wissen zum Beispiel, wie und warum ein Wort zu seiner Bedeutung gekommen ist. Dadurch, dass sie die Wurzeln der W\u00f6rter kennen, sind sie mit den Menschen in der Vergangenheit verbunden. Selbst wenn in der Gegenwart nur eine Minderheit ein Wort richtig verwendet, kann ein Spezialist darauf hinweisen, dass von einem historischen Gesichtspunkt aus gesehen die Mehrheit der Menschen dieses Wort anders verstanden haben. Selbst wenn ein Wort heute in einer anderen Bedeutung als fr\u00fcher verwendet wird, kann es doch sein, dass die heutige Mehrheit in der Sprachgeschichte nur eine kleine Minderheit darstellt. 1-14 Wer bestimmt die Bedeutung unserer Sprache (2)? Penetre: Kennst du das japanische Sprichwort \u201eMitgef\u00fchl dient nicht dem Mitmenschen\u201c? Ich: Ja, klar. Das bedeutet doch, dass es dem anderen schadet, wenn man ihm zu viel Mitgef\u00fchl schenkt, nicht wahr? Penetre: Heute versteht es tats\u00e4chlich die Mehrheit der Japaner so. 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