Antaiji

Kloster des Friedens

DÔSHIN
Der Geist des Weges


Wenn du dich auf die Suche nach dem Buddhaweg begibst, solltest du zunächst nach dem Geist des Weges fragen. Gering ist die Zahl derer, die wissen, was der Geist des Weges ist. Frage nur Menschen, die es genau wissen. Selbst unter den Menschen, von denen die Welt behauptet, dass sie über den Geist des Weges verfügen, haben nur wenige wirklich diesen Geist. Andere wiederum haben den Geist des Weges, ohne dass es ein Mensch weiß. Schwer ist es zu beurteilen, wer wirklich den Geist des Weges hat.
Gewöhnlich glaubst du nicht den Worten dummer oder schlechter Menschen. Genauso solltest du dich auch nicht auf deine eigenen Ansichten verlassen, sondern der Lehre des Buddhas den Vorzug geben. Während des Tages und während der Nacht solltest du darum bitten, dass du den Geist des Weges erreichst und verstehest, wie sich echtes Erwachen in dieser Welt verwirklichen lässt.
Am Ende eines Weltalters gibt es nur wenige Menschen mit dem Geist des Weges. Versuche dennoch, deinen Geist auf den Wandel aller Dinge zu richten. Vergiss nicht die Vergänglichkeit der Welt, sei dir der Gefahr des Lebens bewusst.
Es muss aber nicht alle Welt wissen, wie sehr du dir der Vergänglichkeit bewusst bist. Dir sollte es nur darum gehen, die Dinge so zu sehen wie sie sind. Was du bist, wiegt dabei nicht schwer. Mit der Wirklichkeit konfrontiert, musst du bereit sein, selbst deinen Leib und dein Leben loszulassen.

Als nächstes solltest du tiefen Respekt vor den drei Schätzen von Buddha (dem Erwachten), Dharma (der Wirklichkeit, wie sie von einem Erwachten erkannt wird) und Sangha (der Gemeinschaft derer, die nach dem Erwachen suchen) haben. Nimm Zuflucht in den drei Schätzen, in diesem und jedem folgenden Leben, mit diesem und jedem neuen Leib den du erhälst. Gleich ob du wach bist oder schläfst, sei bei den drei Schätzen mit deinen Gedanken, verehre sie und rufe sie mit Lobpreisungen an. Zwischen dem Ende dieses Lebens und der Geburt in das nächste Leben gibt es eine Zwischenwelt die sieben Tage lang dauert. In der Zwischenwelt solltest du ebenfalls versuchen, ohne eine Pause die drei Schätze zu preisen. Nach sieben Tagen endet die Zwischenwelt, und du wirst in einer weiteren Zwischenwelt wiedergeboren, die ebenfalls sieben Tage währt. Dieser Prozess setzt sich nicht länger als sieben mal sieben Tage fort. Während dieses Zeitraums siehst und hörst du klar, wie ein Engel. Sporne dich an, die drei Schätze ohne Unterbrechung anzurufen:
Namu kie butsu (ich nehme Zuflucht zum Buddha), namu kie hô (ich nehme Zuflucht zum Dharma), namu kie sô (ich nehme Zuflucht zur Sangha)“
Am Ende der Zwischenwelt, wenn du dich einem neuen Elternpaar näherst, sollte es dir nur darum gehen, mit echter Weisheit in die Gebärmutter aufgenommen zu werden. Fahre im Leib deiner neuen Mutter damit fort, die drei Schätze zu lobpreisen. Auch während der nächsten Geburt solltest du nicht mit deinen Lobpresiungen aufhören. Groß sollte dein Wunsch sein, deine ganzen sechs Sinne (Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Fühlen und Denken) auf die drei Schätze zu richten, sie zu preisen und Zuflucht zu ihnen zu nehmen.
Wenn dein Leben endet, wird es mit einem Schlag dunkel vor deinen Augen werden. Wenn du auf diese Weise das Lebensende erkennst, lass es dir ein Ansporn zum Lobpreisen des Buddhas sein. Im selben Augenblick werden die Buddhas in allen Richtungen mit dir fühlen. Selbst wenn du Sünden begangen hast, die zu einer Wiedergeburt in einer der schlechten Welten führen sollten, werden die Buddhas dir helfen in einem Himmelsreich wiedergeboren zu werden, wo du an der Seite eines Buddhas Zuflucht nehmen kannst und die Lehre hören wirst.
Lasse nicht nach mit deinen Anrufungen der drei Schätze, gleich ob es dir dunkel vor Augen wird, du dich im Zwischenreich befindest oder in eine neue Welt geboren wirst. Von einem Leben zum nächsten, von einer Welt zur nächsten solltest du mit dieser Übung fortfahren, selbst wenn du das Erwachen erlangst und selbst zum Buddha wirst solltest du nicht damit aufhören. Das bedeutet, dass du die Lehre in ihrer ganzen Tiefe verstehst, und es bedeutet zugleich, dass der Buddhaweg dir in Fleisch und Blut übergeht. Sieh dich vor, dass du dies nicht mit anderen Gedanken vermischst.

Du solltest zeit deines Lebens versuchen, einen Buddha zu fertigen. Es gibt drei Gaben, die man dem gefertigten Buddha darbringt: Stroh zum Sitzen, süßes Wasser und ein Licht. Bringe diese Gaben dem Buddha dar, um ihm deinen Respekt zu erweisen. Ebenfalls solltest du während der Zeit dieses Lebens eine Kopie des Lotussutra anfertigen und in Ehre halten. Schreibe es entweder ab, oder schnitze es in Holz, und bewahre es gut auf. Lege es auf dein Haupt, oder werfe dich vor ihm nieder. Opfere ihm Blumen, Weihrauch, Kleider sowohl als Speis und Trank. Säubere dein Haupt, bevor du es darauf legst.
Außerdem solltest du eine Robe anlegen und Zazen praktizieren. Vergiss nicht das Beispiel derjenigen, die eine Robe anzog und im dritten Leben danach den Weg erlangte. Die Robe für Zazen unterscheidet sich nicht von der Robe der Buddhas in den drei Welten, unermesslich sind ihre Verdienste. Die Wirklichkeit des Zazen ist nicht Teil dieser Welt. Es ist die Wirklichkeit der Buddhas und Patriarchen.

Shôbôgenzô Dôshin


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