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Hitoshi Nagai: Penetre und ich (3-3/4/5 Kann man Dinge sehen, weil sie existieren? Oder existieren sie, weil man sie sehen kann?), 20. April 2019

Hitoshi Nagai:
Penetre und ich

3-3 Kann man Dinge sehen, weil sie existieren? Oder existieren sie, weil man sie sehen kann?

Penetre: Glaubst, dass man etwas sehen und anfassen kann, weil es existiert? Oder glaubst, dass etwas existiert, weil du es sehen und anfassen kannst?
Ich: Natürlich müssen die Dinge erst einmal existieren, damit ich sie sehen und anfassen kann!
Penetre: Warum bist du dir da so sicher? Dass du die Dinge sehen und anfassen kannst, weil sie existieren, kannst du doch nur behaupten, weil du sie sehen und anfassen kannst. Wenn du etwas nicht sehen oder anfassen kannst, dann weißt du auch nicht, ob es existiert.
Ich: Gut, vielleicht weiß ich dann nicht, ob das Ding existiert. Aber die Existenz des Dinges ist doch unabhängig davon, ob ich es erkenne oder nicht.
Penetre: Wie kannst du denn behaupten, es gäbe eine vom Erkennen unabhängige Existenz? Um das zu behaupten, musst du doch erstmal etwas erkannt haben. Muss man etwas nicht erst einmal gesehen und erkannt haben, bevor man sagen kann, dass es existiert?
Ich: Willst du damit sagen, dass Dinge nur existieren, wenn man sie auch sehen und anfassen kann? Das ist doch seltsam! Die Dinge existieren doch unabhängig davon, ob man sie gerade sieht oder nicht.
Penetre: Natürlich, du hast da nicht ganz unrecht. Die Antwort ist deshalb weder, dass die Dinge existieren, weil man sie sehen kann, noch dass man sie sehen kann, weil sie existieren. In Wahrheit muss man sie sehen, um zu erkennen, dass sie existieren müssen, damit man sie sehen kann.
Ich: ???

3-4 Ist einer der weint, eine Heulsuse? Oder weint er, weil er eine Heulsuse ist?

Penetre: Du kennst bestimmt auch Kinder, die man „Heulsusen“ nennt, nicht wahr? Sind das Heulsusen, weil […]

Antaijis Kirschblüten, der Weg vom Gewächshaus zum Schrein des Klostergründers und Holzsägen und Hacken für Boiler und Küche, 17. & 18. April 2019

Wenn es kein Ich gibt, was wird wiedergeboren? 15. April 2019

Frage: Was mir nicht klar ist, ist in wiefern die buddhistische Auffassung von einem Geist, der den Tod überlebt, sich von einer universellen Seele (wie im Fall vom hinduistischen Atman) unterscheidet. Um eine ganz banale Metapher zu machen, kann man vielleicht an die buddhistische Auffassung vom Geist denken, das heißt an eine Fähigkeit aufmerksam, achtsam und bewusst zu sein, so wie man an den Strom denken würde, der durch eine Reihe von Glühbirnen fließt und erleuchtet. Was ist aber hier anders als eine universelle, ursprüngliche, kosmische Seele? Und noch, wie können wir eine buddhistische Lehre von der Selbstlosichkeit haben, und trotzdem an ein ursprunfliches Selbst denken?

Antwort: Lieber Herr, Sie sind nicht der einzige, der Schwierigkeiten hat, die Lehre von der Ich- oder Selbstlosigkeit mit dem Wiedergeburtsgedanken zusammen zu bringen. Wenn es kein Ich gibt, was wird wiedergeboren? Wenn es kein Ich gibt, wer ist sich dessen bewusst, dass der Muho gerade am Computer schreibt? Woher kommt dieses Bewusstsein? Woher kommt es, dass es unter den sieben Milliarden menschlichen Bewusstseinen (und den Bill- und Trilliarden anderer Bewusstseine) nur eines gibt, das sich von den anderen radikal unterscheidet – naemlich dadurch, dass es „mein“ Bewusstsein ist? Oder anders gesagt, warum kann „man“ sich immer nur eines Bewusstseins bewusst sein, waehrend die anderen Bewusstseine nur in der Vorstellung dieses einen Bewusstseins existieren?
Und: Ist eine Welt moeglich, in der es kein so radikal verschiedenes Bewusstsein gibt? Also eine Welt, in der es zwar Bewusstsein gibt, aber kein Bewusstsein, dessen „ich“ mich tatsaechlich bewusst bin. Also z.B. die Welt, bevor ich geboren wurde. oder die Welt nach meinem Tod? Die Antwort scheint klar zu sein, natuerlich muss es eine solche Welt geben, […]

Hitoshi Nagai: Penetre und ich (3-2 Wann wurde der blaue Vogel blau (1)?), 9. April 2019

Hitoshi Nagai:
Penetre und ich

3-2 Wann wurde der blaue Vogel blau (1)?

Ich: Penetre, kennst du Maeterlincks Geschichte vom blauen Vogel?
Penetre: Na klar kenne ich die. Zwei Kinder machen sich auf die Suche nach dem blauen Vogel, der Glück bedeutet. Sie reisen durch die ganze Welt, aber jedes Mal, wenn sie glauben, den Vogel endlich gefunden zu haben, verliert er in ihren Händen seine blaue Farbe. Doch als sie wieder nach Hause kommen, stellen sie fest, dass ihr Vogel, der dort die ganze Zeit auf sie gewartet hat, blau ist.
Ich: Eine komische Geschichte, nicht wahr? Glaubst du, dass den Kindern wirklich nie aufgefallen ist, dass ihr Vogel zuhause blau war? Oder hat sich seine Farbe verändert, während sie auf der Suche waren?
Penetre: Was glaubst du?
Ich: Ich glaube, dass der Vogel von Anfang an blau war. Die Kinder haben es vorher nur nicht bemerkt. Aber dass sie das nicht bemerkt haben, bedeutet ja, dass der Vogel vorher nicht blau ausgesehen haben kann…
Penetre: Das bedeutet also doch, dass er seine Farbe geändert hat?
Ich: Nein, das glaube ich trotzdem nicht…
Penetre: Die Antwort ist weder, dass der Vogel hinterher seine Farbe geändert hat, noch dass er von Anfang an blau war. Die Antwort ist, dass die Kinder erst hinterher darauf kamen, dass der Vogel von Anfang an blau war. Verstehst du?
Ich: ???

Um die Halle herum, 4. April 2019

Hitoshi Nagai: Penetre und ich (2-10/11 & 3-1 Was man tun kann, wenn man nicht einschlafen kann, was „links“ und „rechts“ bedeutet & über das menschliche Bewusstsein), 31. März 2019

Hitoshi Nagai:
Penetre und ich

2-10 Was man tun kann, wenn man nicht einschlafen kann

Ich: Manchmal schläft man ein, wenn man es nicht will, und manchmal kann man nicht schlafen, obwohl man es will. Woher kommt das?
Penetre: Komisch, nicht wahr? Passiert dir das auch, dass du nicht einschlafen kannst?
Ich: Ja, klar. Je mehr ich dann darüber nachdenke, warum ich nicht einschlafen kann, desto weniger kann ich schlafen. Und dann bin ich plötzlich ganz wie von selbst eingeschlafen. Das ist doch seltsam.
Penetre: Es gibt einige Dinge im Leben, die man niemals aus eigener Kraft schaffen wird. Das Einschlafen ist das beste Beispiel. Wenn du schlafen willst, gehst du zu Bett – danach bleibt nichts für dich zu tun. Du kannst nur auf den Schlaf warten. Irgendwann schläfert dich dann die Zeit selbst ein. Du musst nur warten. Wenn du versuchst, von dir aus etwas dazu zu tun, verhinderst du das Einschlafen. Es gibt absolut nichts, was du tun kannst. Wenn du unter Schlaflosigkeit leidest, ist das eine ausgezeichnete Gelegenheit, etwas über das Leben überhaupt zu lernen. Einschlafen ist nur eines von vielen Dingen, bei denen du nichts besseres tun kannst, als gar nichts zu tun.
Ich: Willst du damit sagen, dass ich so tun soll, als ob ich nicht einschlafen will, um einzuschlafen? Aber geht das denn? In Wirklichkeit will ich ja immer noch einschlafen!
Penetre: Nein. Du musst wirklich daran glauben, dass du nicht einschlafen musst. Nur wenn du das glaubst, gibt es eine Methode, die du anwenden kannst.
Ich: Was für eine Methode ist das denn?
Penetre: Einzuschlafen bedeutet, in eine andere Welt einzutreten. Dafür musst du alles in dieser Welt, in der du wach bist, vergessen. Aber etwas zu vergessen ist noch schwieriger […]

Muho spricht über den „most dangerous man in the world“ (auf Englisch), 28. März 2019

The most dangerous man in the world is the contemplative who is guided by nobody. He trusts his own visions. He obeys the attractions of an interior voice but will not listen to other men. He identifies the will of God with anything that makes him feel, within his own heart, a big, warm, sweet interior glow. The sweeter and the warmer the feeling is, the more he is convinced of his own infallibility. (Thomas Merton)
Source: New Seeds of Contemplation

Koike Ryunosuke calls his editor to confess (Japanese)

Um die Halle herum, 24. März 2019

Hitoshi Nagai: Penetre und ich (2-7/8/9 Wenn du etwas tun must, das keinen Spaß macht) & um die Halle herum, 12. März 2019

Hitoshi Nagai:
Penetre und ich

2-7 Wenn du etwas tun musst, das keinen Spaß macht (1)

Ich: Was kann man tun, wenn man etwas tun muss, das einem keinen Spaß macht?
Penetre: Was meinst du? Deine Hausaufgaben?
Ich: Nein, eher denke ich an den Fall, wenn man sich bei jemandem entschuldigen muss, oder wenn man um etwas bitten muss, was einem peinlich ist.
Penetre: Das ist doch nicht so schwierig!
Ich: Vielleicht nicht für dich. Für mich schon!
Penetre: Gut, dann will ich dir einen kleinen Tipp geben. Zunächst musst du dir sagen, dass das, was dir keinen Spaß macht, trotzdem das Richtige ist. Der zweite Schritt besteht darin, sich vorzunehmen, es auch wirklich zu tun – und dann etwas zu warten, ganz entspannt. Irgendwann kommt dann der Zeitpunkt, an dem du es – ganz von selbst! – tust. Du musst nur darauf warten. Wichtig ist nur, es ganz von selbst zu tun. „Ganz von selbst“ bedeutet, dass du es ohne Absicht tust. Du musst auf den Zeitpunkt warten, an dem du etwas ganz von selbst, unwillkürlich tun kannst. Wenn du dich daran gewöhnst, gelingt es dir irgendwann, dein ganzes Leben ganz von selbst zu leben. Dann hast du das Leben gemeistert.
Ich: Glaubst du, dass ich das wirklich kann?
Penetre: Probiere es einmal aus, wenn du etwas sagen musst. Warte auf den Zeitpunkt, an dem es dir wie von selbst über die Lippen kommt. Zur Not kannst du ja immer noch sagen, es sei dir einfach nur so über die Lippen gekommen. Wenn es dir gelingt, mit immer weniger Absicht zu kommunizieren, dann wird es am Ende nichts mehr geben, dass dir keinen Spaß macht.
Ich: Wirklich?

2-8 Wenn du etwas tun must, das keinen Spaß macht (2)

Ich: Wenn ich […]

Hitoshi Nagai: Penetre und ich (2-6 Braucht man Freunde?) & zwei gute Nachrichten, 6. März 2019

Hitoshi Nagai:
Penetre und ich

2-6 Braucht man Freunde?

Penetre: Glaubst, dass Freunde wichtig sind?
Ich: Ja, natürlich sind die wichtig! Wer will schon allein sein?
Penetre: Ich komme auch ohne Freunde gut aus.
Ich: Du bist ja auch eine Katze!
Penetre: Ist es für euch Menschen wirklich anders? Ich habe das Gefühl, dass ihr Menschen kollektive Illusionen braucht. An die müsst ihr glauben, damit die öffentliche Ordnung nicht gefährdet wird. Das sind die offiziellen Antworten, über die wir bereits gesprochen haben (siehe 1-10). Du solltest aber nicht vergessen, dass es eigentlich keinen Grund gibt, diese offiziellen Antworten zu schlucken.
Ich: Was ihr Katzen zum Leben braucht, weiß ich nicht. Aber als Mensch braucht man doch Freunde, die einen wirklich verstehen.
Penetre: Warum? Zum Leben braucht man keine Freunde. Das einzige was dazu notwendig ist, ist die innere Stärke, über die jeder Mensch ursprünglich verfügt. Dass sich die Menschen gegenseitig brauchen, um sich zu verstehen und anzuerkennen, ist nichts weiter als eine kollektive Illusion, die euch eingetrichtert wird.
Ich: Du bist der erste, von dem ich so etwas höre!
Penetre: Eine der wichtigsten Lektionen, die du als Mensch zu lernen hast: Du brauchst keine Freunde, die dich verstehen, um zu leben. Wahre Freundschaft kann es nur zwischen Menschen geben, die erkannt haben, dass sie auch ohne Freunde leben können.
Ich: Das ist mir ganz neu!

Letztes Kapitel von „Das Meer weist keinen Fluss zurück“: antaiji.org/de/20181106-2/
Uchiyama Roshi’s „Sieben Punkte der Praxis“: antaiji.org/de/services/english-the-seven-points-of-practice-uchiyama/
Muho in Deutschland im August und September: antaiji.org/de/muho/events/