Nachwort

Penetre: Haben dir die Gespräche mit mir Spaß gemacht?
Ich: Ja, auf jeden Fall!
Penetre: Das liegt daran, dass ich auf die Fragen, die dich interessieren, eingegangen bin. Das wird nicht für jeden Leser zutreffen. Die Gespräche, die wir geführt haben, machen nur für den Leser Sinn, der sich zufällig an einem ähnlichen Ort wie du befindet. Für jemanden an einem anderen Ort mögen sie sinnlos und konfus sein. Wenn man einen Strich auf einer Karte zieht, sieht manchmal alles ganz anders aus. Was ich in unseren Gesprächen gesagt habe, ähnelt Strichen auf einer Karte. Für den einen erscheint dadurch die Welt und das Leben in einem anderen Licht. Für den anderen bleibt alles beim Alten. Die Karte wird für ihn durch die neuen Striche vielleicht noch rätselhafter. Für manche mag das Gesagte zu früh kommen, für andere ist es zu spät. Antworten wird nur der finden, der sich schon einmal dieselben Fragen gestellt hat (siehe 1-8).
Ich: Ich kann auch nicht behaupten, alles verstanden zu haben…
Penetre: Keine Sorge! Wenn du auf etwas gestoßen bist, was dir wichtig erscheint, liegt es an dir, selbst weiter zu denken. Wenn du das tust und irgendwann glaubst, den eigentlichen Sinn meiner Worte verstanden zu haben, dann war genau das der eigentliche Sinn meiner Worte. Das bedeutet, dass jeder Leser in diesem Buch seinen eigenen, wahren Sinn finden kann. Wichtig ist es, diesen Sinn selbst zu suchen und zu finden. In der Philosophie ist nur der Sinn, den du findest, der wahre Sinn.
Ich: Was ist denn Philosophie?
Penetre: Philosophie ist eine Wissenschaft, die man ganz allein ausübt.
Ich: Du meinst, jeder für sich selbst – wie ein Autodidakt?
Penetre: Nein, nicht ganz. Ein Autodidakt bringt sich vorhandenes Wissen selbst bei. Ein Philosoph stellt seine eigenen Fragen und denkt ganz allein, auf seine ganz eigene Weise darüber nach.
Ich: Soll das heißen, dass die Gedanken in diesem Buch alle von dir selbst stammen?
Penetre: Nein, nicht alle. Das erste Kapitel ist beispielsweise von Nietzsche beeinflusst. Besonders das Gespräch 1-8. Aber das, was ich von 1-11 bis 1-15 behaupte, stammt tatsächlich von mir selbst. Der Großteil des zweiten Kapitels beruht auf meinen eigenen Gedanken, aber wenn ich in 2-3 sage, dass sich die Emotion auflöst, wenn man ihren Grund erkennt, ist das sehr nah an der Philosophie von Spinoza. Das gesamte dritte Kapitel ist so etwas wie meine eigene Interpretation der Philosophie Kants. Der Begriff des Gesellschaftsvertrages aus 1-6 und 3-9 stammt allerdings von Hobbes, und in 3-11 und 3-12 entwickele ich Ansätze weiter, die sich bei Wittgenstein finden.
Ich: Aber kann man das Wissenschaft nennen, wenn es zum größten Teil auf den eigenen Gedanken beruht?
Penetre: Warum nicht? Im Altertum war die Philosophie die Grundlage aller Wissenschaften. Wissenschaft bedeutete ursprünglich, über das eigene Leben nachzudenken. Daraus zweigten dann verschiedene Nebenfächer ab, die sich bald zu eigenständigen Spezialwissenschaften entwickelten. Wenn man heute von der Wissenschaft spricht, sind meistens die Forschungsergebnisse dieser Spezialwissenschaften gemeint, die du auch in der Schule beigebracht bekommst. Doch auch nach der Verzweigung in Spezialwissenschaften gab es immer noch Wissenschaftler, die die eigentliche Philosophie fortgeführt haben. Kant, Nietzsche oder Wittgenstein sind nur einige Beispiele.
Ich: Wissenschaft ist also etwas anderes als das, was man in der Schule eingetrichtert bekommt?
Penetre: Was denkst du! Wissenschaft hat mit dem, was du in der Schule lernst, nichts zu tun. Wissenschaft ist das größte Vergnügen, das es auf der Welt gibt!